Nokia Aktie: Bewertungsfrage
Nokia sorgt zum Jahresbeginn für Diskussionsstoff: Ein deutlich optimistischer Analystenkommentar trifft auf eine schon anspruchsvolle Bewertung und hohe Erwartungen an KI- und 6G-Fantasie. Während Kepler Cheuvreux die Aktie zuletzt klar auf die Kaufseite gestellt hat, mahnen Konsensschätzungen eher zur Vorsicht. Wie stichhaltig ist die neue Zuversicht, wenn der Kurs bereits einen großen Teil der möglichen Erholung vorweggenommen hat?
Analystenstreit und Kursniveau
Auslöser der aktuellen Debatte war eine Ratingänderung vom 7. Januar: Kepler Cheuvreux stufte Nokia von „Hold“ auf „Buy“ hoch und hob das Kursziel auf 6,60 Euro an. Begründung: Die Analysten rechnen mit einer spürbaren Erholung von Umsatz und Margen, gestützt auf eine Stabilisierung des weltweiten Marktes für Netzwerkausrüstung.
Dem steht jedoch ein deutlich verhalteneres Gesamtbild gegenüber. Daten von MarketBeat zeigen:
- Konsensrating: „Moderate Buy“
- Durchschnittliches Kursziel: rund 5,95 US‑Dollar
Damit liegt der aktuelle Kurs über dem mittleren Ziel der institutionellen Analysten. In Kombination mit der jüngsten Rally deutet das darauf hin, dass die Aktie kurzfristig vorausgelaufen sein könnte – der Spielraum für positive Überraschungen wird kleiner, der für Enttäuschungen größer.
Auf Euro-Basis spiegeln die Marktdaten das Bild einer nervösen, aber nicht kollabierenden Aktie wider: In den letzten sieben Tagen liegt Nokia rund 14 % im Minus, auf Sicht von zwölf Monaten aber über 27 % im Plus. Der RSI von 19,3 signalisiert kurzfristig einen überverkauften Zustand, die 200‑Tage-Linie wird mit einem Abstand von knapp 20 % von oben klar verteidigt.
Bewertung: Vorschuss auf 2027
Besonders kritisch wird die Bewertung gesehen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 35 notiert Nokia deutlich über dem Branchenschnitt von rund 26. Aus Marktsicht zahlt man damit für Gewinne, die erst in einigen Jahren realistisch werden könnten.
Eingepreist sind vor allem hohe Erwartungen an künftige KI- und 6G-Zyklen. Diese Wachstumstreiber tauchen in den aktuellen Zahlen aber erst andeutungsweise auf. Anleger bezahlen also heute bereits für eine operative Entwicklung, die eher für 2027 und darüber hinaus erwartet wird – der Spielraum für operative Fehltritte schrumpft entsprechend.
Der Nvidia-Anker
Ein wichtiger Stabilitätsfaktor für die Aktie ist der Einstieg von Nvidia Ende 2025. Der US-Chipkonzern hatte Nokia-Aktien im Volumen von 1 Milliarde US‑Dollar zu 6,01 Dollar je Aktie gekauft. Diese Marke gilt seither als psychologisch wichtige Unterstützungszone.
Aktuell notiert Nokia mit leichtem Aufschlag darüber. Der „Nvidia-Floor“ wird vom Markt als Signal gewertet, dass ein strategischer Partner auf diesem Niveau substanzielle Werte sieht. Gleichzeitig steigt das Rückschlagrisiko, je weiter sich der Kurs von diesem Anker entfernt, ohne dass die Gewinndynamik Schritt hält. Eine Rückkehr in Richtung dieses Niveaus wäre aus Sicht vieler Investoren dann eine normale Gegenbewegung und kein Schock.
Operatives Bild: Solides, nicht spektakuläres Wachstum
Fundamental befindet sich Nokia im Übergang von einer schwierigen Phase hin zu wieder wachsendem Geschäft. In den Zahlen für das dritte Quartal 2025, veröffentlicht im Oktober, legte der vergleichbare Umsatz währungsbereinigt um 9 % gegenüber dem Vorjahr zu.
Auf Berichtsebene fiel das Plus mit 12 % höher aus, getrieben durch Währungseffekte und Portfolioanpassungen. Für die Beurteilung der operativen Gesundheit ist aber die vergleichbare Steigerung von 9 % maßgeblich – also solides, aber kein explosionsartiges Wachstum.
Treiber war vor allem der Bereich Optical Networks, der um 19 % zulegte. Hier profitiert Nokia von Investitionen von KI- und Cloud-Kunden, die immer leistungsfähigere Infrastruktur benötigen. Der Markt blickt nun auf die Q4‑Zahlen 2025, um zu sehen, ob dieser Rückenwind anhält und sich verbreitert oder ob es bei einem starken Quartal bleibt.
Technologie-Showcase auf der CES
Parallel zu den Finanzdaten arbeitet Nokia an neuen Hardwarelösungen abseits des klassischen Netzgeschäfts. Auf der CES 2026 in Las Vegas (6. bis 9. Januar) präsentierte der Konzern seine „Drone‑in‑a‑Box“-Lösung, die auf Silizium-Anoden-Batterien von Amprius Technologies setzt.
Die Kooperation war zwar bereits im Dezember 2025 angekündigt worden, die Live-Demonstration auf der Messe galt aber als wichtiger Praxistest. Ziel der Integration ist eine deutliche Verlängerung der Flugzeiten für Unternehmens- und Industrieanwendungen, etwa für Überwachung und Inspektion. Damit adressiert Nokia ein spezialisiertes, potenziell margenstarkes Segment, das die Netzwerksparte ergänzen soll, ohne sie zu ersetzen.
Fazit: Hohe Messlatte vor den nächsten Zahlen
Unter dem Strich trifft frischer Optimismus – angeführt vom Kepler-Upgrad und dem Nvidia-Einstieg – auf eine Bewertung, die bereits einen spürbaren Turnaround vorwegnimmt. Das robuste Wachstum im Q3 und die Dynamik im Bereich Optical Networks liefern erste Belege, reichen allein aber nicht aus, um ein dauerhaftes Premium-KGV zu rechtfertigen.
Entscheidend wird daher, ob Nokia in den kommenden Quartalen zeigen kann, dass Umsatz- und Margenerholung sich verstetigen und die Fantasie rund um KI- und 6G-Investitionen in der Gewinn- und Verlustrechnung ankommt. Gelingt das, kann die aktuelle Bewertung bestätigt werden; bleiben die Fortschritte hinter den Erwartungen zurück, ist eine Korrektur in Richtung der Konsensziele und des Nvidia-Einstiegsniveaus ein realistisches Szenario.
Nokia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nokia-Analyse vom 11. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Nokia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nokia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nokia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...








