Nio, der chinesische Herausforderer im Premium-Segment für Elektroautos, steht am Scheideweg. Gerade als die operativen Zahlen Besserung versprachen und die Auslieferungen kletterten, trat das Management kräftig auf die Bremse. Mit einer gesenkten Prognose für das wichtige Schlussquartal und neuem juristischen Ärger im Nacken fragen sich Anleger nun: War die jüngste Erholung nur eine Illusion oder bietet der Rücksetzer eine Einstiegschance?

Prognose-Schock nach Rekordlauf

Auf den ersten Blick glänzte Nio im dritten Quartal: Mit über 87.000 ausgelieferten Fahrzeugen – ein sattes Plus von 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und steigenden Margen schien der Weg zur Profitabilität geebnet. CEO William Li bekräftigte sogar das Ziel, bis 2026 schwarze Zahlen zu schreiben. Doch der Markt blickt bekanntlich in die Zukunft, und genau dort ziehen dunkle Wolken auf.

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Die Euphorie verflog schlagartig mit dem Ausblick auf das laufende vierte Quartal. Das Management senkte die Erwartungen für die Auslieferungen auf eine Spanne von 120.000 bis 125.000 Fahrzeuge. Der Grund für die Zurückhaltung ist das Auslaufen von staatlichen Kaufsubventionen, was die Nachfrage kurzfristig massiv dämpfen dürfte. Anstatt einer Jahresendrallye droht nun eine Hängepartie.

Kampf der Giganten

Wie uneinig sich der Markt über die Zukunft von Nio ist, zeigt sich im Verhalten der großen institutionellen Adressen ("Smart Money"). Es herrscht ein regelrechtes Tauziehen: Während WT Asset Management zuletzt massiv aufstockte und Aktien im Wert von über 140 Millionen Dollar kaufte, zog die Großbank UBS die Reißleine und stieß über 40 Millionen Anteile ab.

Auch die Analysten sind tief gespalten. Barclays sieht angesichts der gekappten Prognose schwarz ("Underweight", Ziel 4 Dollar), während Freedom Capital auf die langfristige Margenverbesserung setzt und zum Kauf rät. Macquarie warnt hingegen vor politischen Gegenwinden und einer gefährlichen Lücke bei neuen Modellstarts bis Mitte 2026.

Brisante Klage belastet

Als wäre der operative Gegenwind nicht genug, sorgt ein Rechtsstreit für zusätzliche Nervosität. Berichten zufolge ist der singapurische Staatsfonds GIC in eine Klage verwickelt, bei der es um die angeblich unrechtmäßige Verbuchung von Umsätzen aus Batterie-Leasingverträgen geht. Diese Vorwürfe, die an einen älteren Short-Seller-Bericht erinnern, erhöhen die Risikoprämie der Aktie spürbar und schrecken vorsichtige Investoren ab.

Das Unternehmen reagiert auf die Krise mit einem strikten Sparkurs. Die "Ära des Ultra-Fokus" wurde ausgerufen: Prestigeprojekte wie das Nio Phone werden gestrichen, stattdessen konzentriert man sich voll auf die Kerntechnologien wie den Batteriewechsel und eigene Chips.

Der charttechnische Druck bleibt derweil immens. Nach einem Monatverlust von rund 23 Prozent notierte das Papier am Freitag bei nur noch 4,74 Euro und damit deutlich unter den wichtigen 50- und 200-Tage-Linien.

Fazit

Die kommenden Wochen werden zur Bewährungsprobe. Anleger müssen genau beobachten, ob die Marke um die jüngsten Tiefststände hält, während der Markt die enttäuschende Prognose verarbeitet. Der Weg zur Profitabilität 2026 ist steinig – und ohne die stützenden Subventionen muss Nio nun beweisen, dass das Geschäftsmodell auch auf eigenen Beinen stehen kann.

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