Nel ASA, Bloom Energy, EcoGraf — Fünf Wasserstoff-Werte im Realitätscheck
Foxconn-Verbindung, Insider-Verkäufe im Millionenumfang und ein Auftragseingang, der sich vervierfacht hat: Die Wasserstoff-Branche liefert diese Woche ein Bild extremer Gegensätze. Während einzelne Titel auf der Welle künstlicher Intelligenz reiten, kämpfen andere um jede Million Umsatz.
EcoGraf Ltd: Foxconn-Nähe als Türöffner
Die vielleicht bemerkenswerteste Nachricht der Woche kommt ausgerechnet von einem Graphit-Unternehmen. EcoGraf hat eine vorläufige Absichtserklärung mit dem taiwanesischen Batteriematerialien-Spezialisten Long Time Technology (LTT) unterzeichnet. Der Clou: LTT zählt den weltweit größten Elektronikfertiger Foxconn (Hon Hai) zu seinen Großaktionären.
Im Kern geht es um EcoGrafs patentierte HFfree®-Technologie, die Graphit für Batterieanoden ohne die in China übliche Flusssäure aufbereitet. Gemeinsam wollen beide Unternehmen Pilotanlagen und mögliche Joint Ventures in Südostasien und Taiwan evaluieren — ein klarer Vorstoß in Lieferketten abseits chinesischer Dominanz.
Eine aktualisierte Machbarkeitsstudie beziffert die erste Ausbaustufe des Epanko-Projekts in Tansania auf 516 Millionen US-Dollar bei einer geplanten Jahreskapazität von 73.000 Tonnen. Die Aktie notiert aktuell bei 0,24 Euro und liegt damit rund 65 % über ihrem 52-Wochen-Tief. Die Analysten sind gespalten: Stockopedia empfiehlt den Kauf, ein einzelner Analyst stuft hingegen auf Verkauf ein. Für ein Unternehmen ohne nennenswerte Umsätze bleibt das Risikoprofil hoch.
Bloom Energy: 600 % Rally, jetzt verkaufen Insider
Kein anderer Wasserstoff-Wert hat in den vergangenen zwölf Monaten eine derart atemberaubende Entwicklung hingelegt. Bloom Energys Kurs hat sich seit Anfang 2025 versiebenfacht. Treiber ist die explodierende Nachfrage von Technologiekonzernen und KI-Rechenzentren nach schnell installierbaren Brennstoffzellen-Lösungen, die den langwierigen Netzanschluss umgehen.
Mitte März trübte sich die Stimmung allerdings ein. Die Chefjuristin veräußerte rund 42.900 Aktien im Wert von etwa 6,5 Millionen US-Dollar. Auch der Betriebsleiter trennte sich von knapp 20.000 Anteilen. Nach einer Rally dieser Größenordnung sind Insiderverkäufe nicht ungewöhnlich — das Volumen zog dennoch Aufmerksamkeit auf sich.
Die fundamentale Basis bleibt beeindruckend:
- Q4-Gewinn pro Aktie: 0,45 US-Dollar — 50 % über der Prognose
- Jahresumsatz 2025: 2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 37 %
- Projektpipeline: 6 Milliarden US-Dollar Auftragsbestand, Gesamtpipeline bei 20 Milliarden
- Partnerschaft mit Brookfield: Finanzierungsrahmen von bis zu 5 Milliarden US-Dollar über fünf Jahre
Für 2026 peilt das Management Erlöse zwischen 3,1 und 3,3 Milliarden US-Dollar an. Die Bewertung bleibt umstritten: Morningstar sieht den fairen Wert bei lediglich 19 US-Dollar und attestiert eine Prämie von 298 %. Bei einem RSI von über 93 signalisiert auch die Charttechnik eine deutliche Überhitzung. Der aktuelle Kurs von 127,28 Euro liegt bereits 14 % unter dem Februar-Hoch.
Nel ASA: Umsatz halbiert, Aufträge vervierfacht
Nel ASA steckt im Spannungsfeld zwischen schmerzhafter Gegenwart und vorsichtiger Zuversicht. Der Jahresumsatz 2025 brach auf 562 Millionen NOK ein — fast eine Halbierung gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA rutschte auf minus 275 Millionen NOK, nachdem 2024 noch 127 Millionen NOK in der Gewinnzone standen. Eine Wertberichtigung von 800 Millionen NOK auf bestehende Technologieplattformen belastete zusätzlich.
Die Gegenbewegung kam im vierten Quartal. Der Auftragseingang schoss um 364 % auf 686 Millionen NOK nach oben. Samsung Engineering ernannte Nel zum bevorzugten globalen Wasserstoff-Partner. Hinzu kam der nach eigenen Angaben größte PEM-Elektrolyseur-Auftrag der Unternehmensgeschichte — 40 Megawatt für Collins Aerospace.
Die entscheidende Frage lautet nun, wie schnell Nel diese Aufträge in Umsatz verwandeln kann. Mit einem Kurs von 0,19 Euro notiert die Aktie nahe dem 52-Wochen-Tief und rund 25 % unter dem Jahreshoch vom März 2025. Der nächste Quartalsbericht am 6. Mai wird zum Lackmustest.
SFC Energy: Verteidigungsgeschäft soll Wachstum bringen
Am 26. März — also in drei Tagen — veröffentlicht SFC Energy den testierten Jahresabschluss 2025. Die vorläufigen Zahlen vom Februar zeichneten ein gemischtes Bild: Umsatz nahezu stagnierend bei 143,3 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA mit 16,7 Millionen Euro und einer Marge von 11,6 % aber über den Erwartungen.
Projektverzögerungen in Indien und die US-Zollpolitik bremsten das Wachstum. Das Management setzt für 2026 auf eine Beschleunigung und plant Erlöse von 150 bis 160 Millionen Euro bei einem EBITDA von 20 bis 24 Millionen Euro. Die größte Fantasie liegt im Verteidigungssegment: Dessen Umsatzanteil soll von rund 10 % auf 15 bis 20 % steigen. Inklusive ziviler Sicherheitsanwendungen könnte der Bereich sogar 60 % des Gesamtgeschäfts ausmachen.
Analyst Karsten von Blumenthal von First Berlin hob das Kursziel Ende Februar von 21 auf 22 Euro an und bestätigte seine Kaufempfehlung. Bei einem aktuellen Kurs von 13,80 Euro — fast 48 % unter dem 52-Wochen-Hoch — impliziert das erhebliches Aufholpotenzial. Drei Analysten raten zum Kauf, keiner empfiehlt den Verkauf.
SunHydrogen: Vom Labor in die Produktion?
SunHydrogen bleibt der spekulativste Titel in dieser Auswahl. Das Unternehmen entwickelt photoelektrochemische Panels, die Sonnenlicht direkt in Wasserstoff umwandeln — Solarkollektion und Wasserspaltung in einem einzigen Modul.
Im Februar unterzeichnete SunHydrogen eine Fertigungsvereinbarung mit CTF Solar, einer Tochter des chinesischen Baustoffriesen CNBM. Ziel: die Produktion von 1.000 großformatigen Wasserstoff-Modulen mit jeweils 1,92 Quadratmetern Fläche. Parallel läuft ein Pilotprojekt mit der University of Texas in Austin über eine Anlage von mehr als 30 Quadratmetern.
Das Unternehmen generiert praktisch keinen Umsatz. Kein einziger Analyst deckt die Aktie ab. Die Marktkapitalisierung lag zuletzt bei rund 109 Millionen US-Dollar. Ohne externe Bewertungsanker bleibt die Einordnung rein technologiegetrieben — und damit hochgradig unsicher.
Konsolidierung statt Untergang
Die fünf Titel zeigen exemplarisch, wie stark die Schere im Wasserstoffsektor auseinandergeht. Bloom Energy hat mit seinem Brennstoffzellen-Geschäft den Sprung in die Profitabilität geschafft und profitiert vom KI-Boom. Nel ASA kämpft mit der Umwandlung einer wachsenden Pipeline in tatsächliche Erlöse. SFC Energy versucht, über den Verteidigungssektor eine stabilere Umsatzbasis zu schaffen. EcoGraf könnte über die Foxconn-nahe Partnerschaft Zugang zu globalen Lieferketten erhalten. SunHydrogen steht noch ganz am Anfang.
Global betrachtet sind die Projekte mit finaler Investitionsentscheidung im Wasserstoffbereich gegenüber dem Vorjahr um knapp 20 % gewachsen. Das deutet nicht auf einen Niedergang hin, sondern auf eine Bereinigung: Weniger Projekte, aber besser finanziert und realistischer kalkuliert. 2026 wird das Jahr, in dem sich Substanz von bloßer Ambition trennt. Die nächsten Katalysatoren liegen für fast alle fünf Titel im Mai — und für SFC Energy bereits in dieser Woche.
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