Mutares stellt sein Portfolio auf eine deutlich breitere Basis. Mit der größten Übernahme der Firmengeschichte, einer prall gefüllten Deal-Pipeline und einer klar formulierten Wachstumsroadmap richtet der Münchener Beteiligungsspezialist sein Geschäftsmodell neu aus. Im Mittelpunkt steht der Einstieg in ein neues Segment mit Milliardenumsatz – und die Frage, wie gut dieser Schritt zur bisherigen Strategie passt.

SABIC-Deal verändert das Profil

Kern der Neuausrichtung ist die vereinbarte Übernahme des Engineering-Thermoplastics-(ETP)-Geschäfts von SABIC in Amerika und Europa. Die Dimension des Deals setzt für Mutares neue Maßstäbe:

  • Umsatzvolumen des ETP-Geschäfts: rund 2,5 Mrd. US-Dollar
  • Enterprise Value: 450 Mio. US-Dollar
  • Geplantes Closing: 2. Halbjahr 2026
  • Neues Segment: Aufbau von „Chemicals & Materials“

Die Transaktion umfasst acht Produktionsstandorte und etablierte Marken im Bereich technischer Kunststoffe. CIO Johannes Laumann spricht von einem „Meilenstein in der Unternehmensentwicklung“ – und dieser Begriff ist angesichts der Größenordnung gut begründbar.

Mit dem neuen Segment „Chemicals & Materials“ verschiebt sich das Profil der Beteiligungsgruppe spürbar. Neben den bisherigen Schwerpunkten kommt ein weiteres, kapitalintensives Industriesegment hinzu, in das auch das geplante Venator-Ultramarine-Blue-Pigments-Geschäft integriert werden soll. Für Anleger bedeutet das: Künftig hängt ein größerer Teil der Wertschöpfung an Chemie- und Materialthemen.

Transaktionsflut im Januar 2026

Der SABIC-Deal steht nicht isoliert, sondern ist Teil einer außergewöhnlich hohen Transaktionsaktivität zum Jahresbeginn 2026.

Zukäufe: Ausbau in Nordamerika und E-Commerce

Mutares meldet gleich mehrere Zukäufe und Vereinbarungen:

  • Greer Steel (USA) – Closing am 2. Januar 2026
    Stärkt das Segment „Engineering & Technology“ in Nordamerika und passt zur spürbaren Expansion auf diesem Markt.

  • Mimovrste/Mall.hr (Allegro Group) – Vereinbarung vom 7. Januar 2026
    E-Commerce-Plattform mit rund 100 Mio. Euro Umsatz, die das Portfolio im Online-Handel ergänzt.

Damit setzt das Management sowohl geografisch (Nordamerika) als auch inhaltlich (E-Commerce) zusätzliche Akzente neben dem großen SABIC-Projekt.

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Exits: Buy-Build-Sell-Modell bleibt intakt

Parallel zu den Zukäufen fließen auch Mittel über Verkäufe zurück:

  • LiBCycle – Verkauf an Reverse Logistics Group (Abschluss am 14. Januar 2026)
    Jahresumsatz: 4,1 Mio. Euro, kleinerer Exit im Recycling-Umfeld.

  • Kalzip – Verkauf an Tremco CPG (Vereinbarung vom 8. Januar 2026, Closing im 2. Quartal 2026)
    Jahresumsatz: 75 Mio. Euro; nach sieben Jahren im Portfolio profitabel veräußert.

Gerade der Kalzip-Exit unterstreicht, dass das Buy-Build-Sell-Modell weiter funktioniert: Beteiligung übernehmen, entwickeln, nach mehreren Jahren mit Gewinn verkaufen. Die Kombination aus mehreren neuen Zukäufen und einem profitablen größeren Exit deutet darauf hin, dass Mutares die Balance zwischen Portfolioaufbau und Realisierung von Gewinnen halten will.

US-Roadshow und Investor Story

Vom 26. bis 30. Januar 2026 präsentiert das Management die neue Ausrichtung im Rahmen einer US-Roadshow institutionellen Investoren. Inhaltlich passt das zur verstärkten Internationalisierung:

  • Ausbau der Präsenz in Nordamerika (u. a. Greer Steel)
  • Großprojekt mit SABIC-ETP in Amerika und Europa
  • Etablierung eines neuen, margenstarken Segments „Chemicals & Materials“

Die Roadshow soll die Wachstumsstory und die künftige Ertragskraft im neuen Portfoliozuschnitt vermitteln – insbesondere vor dem Hintergrund der ambitionierten Mittelfristziele.

Wachstumsziele und Bewertung

Mutares hat für die kommenden Jahre klare Kennzahlen definiert:

  • Konzernumsatz 2025 (Guidance): 6,5–7,5 Mrd. Euro
  • Konzernumsatz-Ziel 2028: 10 Mrd. Euro
  • Holding-Nettoergebnis 2025 (Guidance): 130–160 Mio. Euro
  • Holding-Nettoergebnis-Ziel 2028: 200 Mio. Euro
  • Konzernumsatz 2024: 5,3 Mrd. Euro
  • Holding-Nettoergebnis 2024: 108,3 Mio. Euro
  • Dividende 2024: 2,00 Euro je Aktie

Auf Basis einer Marktkapitalisierung von rund 672 Mio. Euro preist der Markt derzeit ein deutliches weiteres Wachstum ein, lässt aber offenbar noch Luft zu den internen Zielmarken. Cantor sieht das Kursziel bei 45 Euro und stuft die Aktie mit „Overweight“ ein.

Chartseitig spiegelt sich die neue Phase in einer Erholung wider: Gestern schloss die Aktie bei 33,00 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von gut 12 %, seit Jahresanfang rund 10,5 %. Gleichzeitig liegt der Kurs noch deutlich unter dem 52‑Wochen-Hoch von 46,00 Euro, der Abstand beträgt gut 28 %. Die Aktie notiert damit oberhalb ihrer mittelfristigen Durchschnitte (50- und 200-Tage-Linie), ohne in überhitztes Terrain zu laufen.

Strategische Einordnung und Ausblick

Die hohe Transaktionsdichte und der Einstieg in „Chemicals & Materials“ markieren einen klaren nächsten Zyklus im Mutares-Modell. Auf der einen Seite stehen ein großer künftiger Umsatzbeitrag aus dem SABIC-ETP-Geschäft, zusätzliche Wachstumstreiber in Nordamerika sowie der Ausbau im E-Commerce. Auf der anderen Seite zeigen Exits wie Kalzip, dass die bestehende Pipeline für Veräußerungen weiter Erträge liefern kann.

Kurzfristig wird entscheidend sein, dass die SABIC-Transaktion wie geplant im zweiten Halbjahr 2026 vollzogen und operativ sauber integriert wird. Gelingt dies im Rahmen der bereits kommunizierten Guidance, könnte Mutares dem eigenen Zielkorridor von 10 Mrd. Euro Umsatz und 200 Mio. Euro Holding-Nettoergebnis bis 2028 schrittweise näherkommen.

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