Mercedes investiert Milliarden in Alabama, BYD flüchtet in den Export
Vier Milliarden Dollar für ein einziges Werk in Alabama — Mercedes-Benz setzt das bislang deutlichste Zeichen gegen die wachsende Zollbedrohung in den USA. Gleichzeitig kämpft BYD mit dem ersten Gewinnrückgang seit Jahren und sucht sein Heil im Auslandsgeschäft. Porsche AG ringt um Glaubwürdigkeit unter neuer Führung, Daimler Truck bringt seine Japan-Fusion an die Börse, und Ferrari nutzt die Formel-1-Pause für einen Testmarathon. Fünf Autobauer, fünf grundverschiedene Strategien — und ein gemeinsamer Nenner: Der Druck steigt auf allen Fronten.
BYD: Gewinnrückgang zwingt zum Export-Pivot
Die Worte von BYD-Chef Wang Quanfu lassen wenig Interpretationsspielraum. Der Wettbewerb in der NEV-Branche habe einen „Siedepunkt" erreicht und befinde sich in einer „brutalen Ausscheidungsphase". Die Zahlen untermauern die Diagnose: Der Nettogewinn fiel 2025 um 19 Prozent auf 32,62 Milliarden CNY — der erste Jahresrückgang seit 2021. Das Umsatzwachstum schrumpfte auf magere 3,46 Prozent, den schwächsten Wert seit sechs Jahren. Die Bruttomarge sank auf 17,74 Prozent, ein Dreijahrestief.
Im März lieferte BYD zwar 300.222 NEVs aus — ein Plus von knapp 58 Prozent gegenüber Februar. Die Exportzahlen erreichten mit 120.083 Einheiten einen Sprung von 65 Prozent im Jahresvergleich. Trotzdem war es der siebte Monat in Folge mit rückläufigen Jahresvergleichswerten bei den Gesamtverkäufen.
Die strategische Antwort: ein aggressiver Export-Pivot. Intern rechnet BYD mit 1,5 Millionen Auslandslieferungen in diesem Jahr — 15 Prozent über dem offiziell kommunizierten Ziel. Die Rechnung dahinter ist simpel. Pro exportiertem Fahrzeug — vor allem in Europa und Brasilien — liegt die Marge bei rund 20.000 CNY, im Inland bei nur 5.000 CNY. Gelingt die Volumenverschiebung, könnten die Margen stabilisiert werden, die der heimische Preiskampf aufgezehrt hat. Gleichzeitig investierte BYD rund 9,2 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung und betreibt mittlerweile 5.000 Schnellladestationen in 297 Städten.
Die Analysten sind gespalten. Daiwa und BOCOM International halten an ihrer Kaufempfehlung fest. Die Bank of China bleibt beim Verkaufsurteil.
Mercedes-Benz: Sieben Milliarden Dollar für die US-Absicherung
Mercedes-Benz hat diese Woche den bislang größten Schritt zur Absicherung gegen US-Zölle angekündigt. Allein vier Milliarden Dollar fließen bis 2030 in das Werk in Tuscaloosa County, Alabama. Das ist Teil eines Gesamtpakets von über sieben Milliarden Dollar für die amerikanischen Standorte. Bei der Zeremonie rollten die neuesten Versionen von GLE und GLS vom Band — das fünfmillionste Fahrzeug aus Tuscaloosa.
Ab Ende nächsten Jahres soll dort auch der GLC gebaut werden, ein kompaktes Crossover-Modell, das bislang nicht in den USA gefertigt wurde. Die Logik ist klar: Rund 60 Prozent der Tuscaloosa-Produktion gehen in den Export. Wer lokal fertigt, umgeht Einfuhrzölle und gewinnt Flexibilität.
An der Börse notiert die Aktie bei 53,27 Euro — seit Jahresbeginn ein Minus von rund 14 Prozent. Citigroup hat das Kursziel jüngst von 52 auf 58 Euro angehoben. Im laufenden Monat stehen 16 Kauf- und 25 Halteempfehlungen zu Buche. Parallel läuft das Aktienrückkaufprogramm weiter: Zwischen dem 23. und 27. März kaufte der Konzern 80.000 eigene Aktien zurück, insgesamt seit November 2025 über 13,2 Millionen Stück.
Porsche AG: Neue Führung, alte Baustellen
Die Dimension des Einbruchs bei Porsche AG ist bemerkenswert. Der operative Gewinn stürzte 2025 auf 413 Millionen Euro ab — von 5,64 Milliarden im Vorjahr. Sonderbelastungen in Höhe von rund 3,9 Milliarden Euro, getrieben durch Umstrukturierungen bei Produktstrategie, Batterieaktivitäten und US-Zöllen, haben das Ergebnis regelrecht pulverisiert. Die Dividende auf Vorzugsaktien wurde von 2,31 auf 1,01 Euro je Aktie zusammengestrichen.
CEO Dr. Michael Leiters hat eine „Value over Volume"-Strategie ausgerufen. Ein Kernelement: Das chinesische Händlernetz wird bis Jahresende von 150 auf etwa 80 Standorte halbiert, nachdem die Auslieferungen dort um 26 Prozent eingebrochen waren. Für 2026 peilt der Konzern eine operative Marge zwischen 5,5 und 7,5 Prozent bei einem Umsatz von 35 bis 36 Milliarden Euro an. CFO Jochen Breckner warnte allerdings, dass Einmaleffekte im hohen dreistelligen Millionenbereich auch dieses Jahr noch belasten werden.
Bei einem Kurs von 39,41 Euro liegt die Aktie rund 17 Prozent unter dem Jahresstartniveau und fast 19 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Die Bewertungen der Analysten gehen auseinander. Deutsche-Bank-Stratege Tim Rokossa sieht im gedrückten Niveau erhebliches Aufwärtspotenzial und hält an seiner Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 45 Euro fest. JPMorgan-Analyst Jose M. Asumendi bestätigte ebenfalls sein „Overweight"-Rating. Der erste echte Prüfstein folgt am 29. April, wenn Leiters seine Debüt-Analystenkonferenz mit den Q1-Zahlen abhält.
Daimler Truck: ARCHION startet an der Tokioter Börse
Am 1. April erreichte Daimler Truck einen strukturellen Meilenstein. Die Integration von Mitsubishi Fuso und Hino Motors in die neue Holdinggesellschaft ARCHION Corporation wurde abgeschlossen. Seit gestern ist ARCHION im Prime Market der Tokioter Börse gelistet. Kernziel der Fusion: eine integrierte Plattformstrategie für schwere, mittlere und leichte Nutzfahrzeuge — bei gleichzeitigem Erhalt der einzelnen Markenidentitäten.
In Europa treibt der Konzern parallel sein Sparprogramm „Cost down Europe" voran. Ein neues Montagewerk im tschechischen Cheb soll bis Ende des Jahrzehnts rund 25.000 Lkw pro Jahr produzieren und etwa 1.000 Arbeitsplätze schaffen. Das Investitionsvolumen liegt im niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbereich.
Die Aktie notiert bei 42,27 Euro und gehört mit einem Jahresplus von rund 12,5 Prozent zu den stärksten Werten im Sektor. Die Dividendenrendite liegt bei 4,7 Prozent. Tarifbeschäftigte in Deutschland erhalten für das Geschäftsjahr 2025 eine Erfolgsbeteiligung von 2.701 Euro. Jefferies und Deutsche Bank halten an Kaufempfehlungen fest, UBS bleibt bei „Halten". Das Konsens-Kursziel der Analysten liegt bei 43,50 Euro — nur knapp über dem aktuellen Kurs.
Ferrari: Testmarathon zwischen Mugello und Monza
Während die Formel-1-Pause nach den Absagen der Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien fünf Wochen ohne Grand Prix bedeutet, nutzt Ferrari die Zeit offensiv. Drei Testsessions stehen im April an. Den Auftakt machte Mugello mit dem SF-25 aus der Vorsaison im Rahmen des TPC-Programms (Testing of Previous Car). Entwicklungsfahrer Antonio Giovinazzi, Arthur Leclerc und Antonio Fuoco sammelten Kilometer, die in die Setup-Entwicklung des neuen SF-26 einfließen sollen.
Der nächste Test folgt am 21. April in Monza — strategisch gewählt, weil der „Tempel der Geschwindigkeit" ideale Bedingungen bietet, um die Energierückgewinnung innerhalb der erlaubten 200 Kilometer eines Filming Days zu evaluieren. Nach Podiumsplätzen für Lewis Hamilton und Charles Leclerc bei den ersten beiden Saisonrennen in Australien und China ist das Momentum vorhanden.
Abseits der Strecke bleiben die Finanzkennzahlen beeindruckend. Eine operative Marge von 28,3 Prozent, ein Umsatzwachstum von 7,4 Prozent im Quartalsvergleich und ein laufendes Aktienrückkaufprogramm über rund 3,5 Milliarden Euro bis 2030 — im Januar allein kaufte Ferrari 84.500 Aktien für etwa 26,6 Millionen Euro zurück. Der Kurs liegt bei 296,30 Euro, allerdings rund 34 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Analysten bewerten die Aktie überwiegend positiv:
- Jefferies stufte auf „Buy" hoch und sieht die „Luxusprämie" zurückkehren
- JPMorgan hob das Kursziel Anfang März auf 447 Dollar an
- Evercore ISI bestätigte „Outperform" mit einem Ziel von 475 Dollar
- Das Mediankursziel von 18 Analysten liegt bei 475,20 Dollar
Autobranche zwischen Zollschutz, Preiskampf und Luxusprämie
Die fünf Titel offenbaren einen Sektor, der nach Geografie, Geschäftsmodell und Elektrifizierungsgrad in völlig unterschiedliche Richtungen driftet.
Mercedes-Benz und Daimler Truck setzen beide auf geografische Diversifizierung als Zollschutz — der eine mit einer Milliardenwette auf Alabama, der andere mit der ARCHION-Fusion in Japan und einem neuen Werk in Tschechien. BYD steht am entgegengesetzten Ende: Der heimische Markt ist vom Wachstumstreiber zur Belastung geworden, und der Exportpivot muss die Ertragslücke schließen. Einige Schätzungen deuten darauf hin, dass das China-Autogeschäft im ersten Quartal unprofitabel geworden sein könnte.
Porsche AG kämpft in einer eigenen Kategorie — eine Luxusmarke, deren Gewinnarchitektur unter China-Schwäche und Transformationskosten zusammengebrochen ist. Ferrari demonstriert dagegen, was Preismacht und Markenexklusivität bewirken können: 28 Prozent operative Marge, die den meisten Wettbewerbern unerreichbar bleibt.
Die kommenden vier Wochen werden entscheidend. Am 29. April stehen sowohl Porsche AG als auch Mercedes-Benz mit Quartalszahlen im Rampenlicht. Für BYD wird das Q1-Inlandsgeschäft zeigen, ob der Exportpfad schnell genug kompensieren kann. Und bei Ferrari entscheidet die Testarbeit im April mit darüber, ob das Team in Miami am 3. Mai den Anschluss an die Spitze halten kann — mit direkten Auswirkungen auf die Markenstärke und damit auf die Bewertungsprämie der Aktie.
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