Lufthansa Aktie: Operativer Gegenwind
Die Lufthansa feiert ihr 100-jähriges Bestehen – doch hinter den Kulissen bremsen technische und strategische Baustellen das Momentum. Besonders das Prestigeprojekt „Allegris“ sorgt auf wichtigen Langstrecken für leere Premium-Sitze und drückt damit auf das Ergebnispotenzial. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb am Heimatdrehkreuz Frankfurt, während der Konzern dennoch an einer ambitionierten Expansion festhält. Wie passt das zusammen?
Allegris: Premiumprodukt mit Umsatzbremse
Die neue Premium-Kabine „Allegris“ sollte als Flaggschiff-Produkt das Langstreckengeschäft aufwerten. Stattdessen entwickelt sich die Einführung zur Belastung für das erste Halbjahr 2026.
Hintergrund ist ein Zertifizierungsproblem mit der US-Luftfahrtbehörde FAA: Für die Business-Class-Sitze in den Boeing 787-9 Dreamlinern sind zusätzliche Crash-Tests des Befestigungssystems angeordnet worden. Solange diese nicht abgeschlossen sind, bleiben große Teile der Premium-Kabine gesperrt.
Die Folgen für die Transatlantik-Strecken sind deutlich:
- Nur 4 von 28 Premium-Sitzen pro Flug dürfen derzeit verkauft werden
- 24 Sitze bleiben bis mindestens Juni 2026 blockiert
- Umsatzeinbußen von bis zu 25.000 Euro pro Flug werden geschätzt
- Sitzhersteller Collins Aerospace muss umfangreiche Unterlagen nachreichen
- Ein Rückstau bei der FAA durch den US-Government-Shutdown im Herbst 2025 hat die Verzögerung verstärkt
Um die Kapazitätslücke im Sommerverkehr zu schließen, prüft der Konzern laut Branchenkreisen ungewöhnliche Optionen. Im Gespräch ist unter anderem, stillgelegte Airbus A340 aus dem spanischen Langzeitparkplatz in Teruel zurückzuholen und reaktivieren zu lassen. Das zeigt, wie ernst die Einnahmenverluste auf der Langstrecke genommen werden.
Frankfurt: Stärkere Konkurrenz im neuen Terminal
Parallel dazu verändert sich die Wettbewerbslage am Hub Frankfurt. Mit der geplanten Eröffnung von Terminal 3 im April 2026 ziehen wichtige Wettbewerber in moderne Infrastruktur mit potenziellen Vorteilen bei Komfort und Abfertigungsqualität ein. Dazu zählen etwa British Airways und Emirates.
Die Lufthansa-Gruppe und die Star-Alliance-Partner verbleiben dagegen im älteren Terminal 1. Das könnte sich mittelfristig als Nachteil erweisen – gerade für umworbene Premium- und Umsteigepassagiere, die besonders sensibel auf Komfort, Wegführung und Servicequalität reagieren. Die strategische Ausgangslage am Heimatflughafen wird damit komplexer.
Bank of America: Hochstufung trotz Probleme
Trotz dieser operativen Hürden gibt es auch positive Signale von Analystenseite. Bank of America hat die Aktie am 19. Januar von „Underperform“ auf „Neutral“ hochgestuft und das Kursziel spürbar von 7,10 auf 9,20 Euro angehoben. Begründet wird dies vor allem mit einer robusteren Entwicklung im Transatlantikgeschäft und einer Erholung bei Geschäftsreisen.
In den Prognosen der Investmentbank spiegelt sich das wie folgt wider:
- Erwarteter RASK-Anstieg (Umsatz pro Sitzkilometer) 2026: +3 %
- EBIT-Prognose für 2026: 2,247 Milliarden Euro
- Eine Bewertung von 3,5x EV/EBITDA wird als angemessen angesehen
Charttechnisch notierte die Aktie gestern bei 8,68 Euro und damit klar über dem 200-Tage-Durchschnitt von 7,71 Euro. Angesichts eines Zwölfmonatsanstiegs von rund 40 % signalisiert das trotz kurzfristiger Rücksetzer weiterhin einen intakten mittelfristigen Aufwärtstrend, auch wenn der Titel noch knapp 15 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 10,20 Euro liegt.
Expansion auf der Langstrecke
Operative Stolpersteine bremsen den Konzern also nicht aus – im Gegenteil, die Wachstumspläne für 2026 sind ambitioniert. Für den Sommerflugplan wurden mehrere neue Langstreckenverbindungen angekündigt, vor allem ab Frankfurt:
- Washington D.C.: 14 Flüge pro Woche
- Raleigh/Durham und Nairobi: jeweils tägliche Verbindungen
- St. Louis und Kapstadt: jeweils 5 Flüge pro Woche
Ab München kommt zudem Riad neu ins Streckennetz. CEO Carsten Spohr hatte bereits im Dezember 2025 ein Kapazitätswachstum von 6 % auf der Langstrecke in Aussicht gestellt. Im Durchschnitt soll alle zwei Wochen ein neues Großraumflugzeug zur Flotte stoßen.
Parallel wird der Rollout von „Allegris“ vorangetrieben: Bis Ende 2026 soll rund jedes dritte Interkontinentalflugzeug mit der neuen Kabine ausgestattet sein. Gelingt die technische Zulassung wie geplant, könnte das Premiumprodukt mittelfristig zu einem wichtigen Ertragstreiber werden – aktuell überwiegen aber noch die Anlaufkosten und die entgangenen Erlöse.
Quartalszahlen als erster Belastungstest
Wie stark die FAA-Problematik und die eingeschränkte Nutzung der Premiumsitze bereits auf das Ergebnis durchschlagen, wird sich am 6. März 2026 zeigen. Dann legt der Konzern die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor und dürfte konkreter auf die finanziellen Effekte der Allegris-Verzögerung eingehen.
Mit einem Schlusskurs leicht über dem 50-Tage-Durchschnitt von 8,58 Euro und einem Abstand von gut 12 % zur 200-Tage-Linie präsentiert sich die Aktie technisch solide, steht aber zwischen operativem Gegenwind und positiven Analystenerwartungen. Die anstehenden Zahlen und der Ausblick zur Allegris-Rollout-Planung werden entscheidend dafür sein, ob der Titel den Weg zurück in Richtung des 52‑Wochen-Hochs einschlagen kann oder zunächst in eine längere Konsolidierungsphase übergeht.
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