Die Ruhe vor den Tarifgesprächen währt nicht lange: Bereits morgen starten bei Lufthansa Verhandlungen, die die Personalkosten spürbar nach oben treiben könnten. Gleichzeitig belasten geopolitische Einschränkungen das Geschäft, während Analysten weiteren Spielraum nach unten sehen. Wie robust ist die aktuelle Erholung der Aktie vor diesem Hintergrund?

Am Freitag schloss der DAX-Titel bei 8,37 Euro, rund 18 Prozent unter dem 52‑Wochen-Hoch, aber deutlich über dem Zwölfmonatstief von 5,71 Euro. Nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen zwölf Monate wirkt die Aktie kurzfristig angeschlagen: Auf Wochensicht ergibt sich ein Minus von gut 5 Prozent.

Tarifrunde als zentraler Belastungsfaktor

Im Zentrum der aktuellen Unsicherheit stehen die morgen beginnenden Tarifverhandlungen mit Verdi. Die Gewerkschaft fordert für rund 20.000 Bodenbeschäftigte eine Gehaltserhöhung von 6 Prozent. Für die unteren Lohngruppen soll zusätzlich ein monatlicher Mindestbetrag von 250 Euro durchgesetzt werden.

Verhandlungsführer Marvin Reschinsky spricht offen von „durchaus schwierigen Verhandlungen“. Hintergrund: Der Konzern verweist auf wirtschaftliche Erfolge, zeigt laut Gewerkschaft aber bislang kaum Bereitschaft, die geforderten Volumina zu akzeptieren. Für die Gewinn- und Verlustrechnung hätte ein Abschluss in Verdi-Nähe klare Konsequenzen:

  • Deutlich steigende Personalkosten im Jahr 2026
  • Druck auf die Margen trotz solider Nachfrage
  • Risiko weiterer Arbeitskampfmaßnahmen bei festgefahrenen Gesprächen

Kurzfristig rückt damit vor allem die Kostenstruktur in den Vordergrund. Der Spielraum, höhere Löhne vollständig über Ticketpreise weiterzugeben, ist begrenzt, zumal der Wettbewerb im europäischen Luftverkehr intensiv bleibt.

Geopolitik verteuert den Flugbetrieb

Parallel zu den Tarifrisiken muss der Konzern mit geopolitischen Einschränkungen umgehen. Flüge in den Iran sind bis mindestens Ende Januar 2026 ausgesetzt, der iranische Luftraum wird konsequent gemieden.

Das hat mehrere direkte Folgen:

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  • Umwege auf Asien-Routen verlängern Flugzeiten
  • Der Kerosinverbrauch steigt, die Betriebskosten ziehen an
  • Profitablere Verbindungen in die Region fallen vorerst weg

Diese Kombination aus Mehrkosten und wegbrechenden Erlösen schmälert die Profitabilität im laufenden Geschäft. Solange nicht absehbar ist, wann die Einschränkungen vollständig aufgehoben werden, bleibt dieser Faktor ein Unsicherheitsblock in den Planungen.

Analysten sehen begrenztes Aufwärtspotenzial

Auch von Analystenseite gibt es aktuell wenig Rückenwind. Bernstein Research bestätigte seine Einstufung „Market-Perform“, setzte das Kursziel allerdings auf 7,75 Euro fest – also unter das aktuelle Kursniveau. Aus Sicht des Hauses ergibt sich damit rechnerisch weiteres Abwärtspotenzial.

Barclays geht noch vorsichtiger vor und stufte die Aktie auf „Underweight“ herab. Die britische Investmentbank verweist auf strukturelle Herausforderungen, die das Unternehmen weiterhin beschäftigten. Im Kern spiegeln beide Einschätzungen die Sorge wider, dass steigende Kosten und operative Einschränkungen den Ergebnistrend bremsen könnten.

Charttechnisch wirkt der Titel derzeit orientierungslos: Der Kurs liegt geringfügig unter dem 50‑Tage-Durchschnitt von 8,42 Euro, aber spürbar über der längerfristigen 200‑Tage-Linie bei 7,58 Euro. Der RSI von 45,2 signalisiert weder Überkauf noch Überverkauf – von einem Extremzustand ist die Aktie also entfernt.

Strategische Fortschritte als Gegengewicht

Trotz der kurzfristigen Belastungen gibt es auch positive Akzente. Der Konzern treibt die Modernisierung seiner Flotte voran und plant, ab der zweiten Jahreshälfte 2026 die gesamte Flotte mit Starlink-Technologie auszurüsten. Passagiere sollen damit Zugang zu Highspeed-Internet an Bord erhalten.

Ein solches Upgrade kann die Attraktivität des Angebots erhöhen und mittelfristig zusätzliche Erträge über Premium-Services oder eine bessere Positionierung im Wettbewerb ermöglichen. Konkrete Ergebnisse werden allerdings erst nach dem Rollout sichtbar werden.

Zudem greifen seit dem 15. Januar verschärfte Sicherheitsregeln für Lithium-Akkus: Powerbanks sind nur noch im Handgepäck erlaubt, maximal zwei pro Person und jeweils bis 100 Wattstunden Kapazität. Ziel ist es, das Brandrisiko im Frachtraum zu reduzieren und operative Störungen durch Zwischenfälle mit Akkus zu vermeiden. Das stärkt die Sicherheitsstandards und kann im Idealfall unplanmäßige Kosten durch Zwischenfälle verringern.

Fazit: Kurzfristiger Druck, langfristige Themen

Unter dem Strich überlagern derzeit die Risiken die positiven Signale. Die anstehenden Tarifverhandlungen können die Personalkosten 2026 deutlich nach oben treiben, zugleich belasten geopolitische Umwege das operative Ergebnis. Analysten reagieren mit zurückhaltenden Kurszielen und vorsichtigen Einstufungen.

Die Lufthansa Aktie notiert zwar klar über ihrem Zwölfmonatstief, aber ein gutes Stück vom Hoch entfernt – ein Bild, das zu der gemischten Lage passt: Strategische Projekte wie das Starlink-Upgrade und verschärfte Sicherheitsregeln zeigen Fortschritte, entfalten ihren Effekt aber erst mittelfristig. Entscheidend für die Kursrichtung der kommenden Wochen dürfte sein, ob in den morgen startenden Gesprächen mit Verdi eine Lösung gelingt, die die Kosten im Rahmen hält und zugleich Arbeitskämpfe vermeidet.

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