Lufthansa Aktie: Doppelbelastung
Tarifkonflikt im Inland, geopolitische Risiken im Nahen Osten: Zum Wochenauftakt steht Lufthansa vor einer heiklen Mischung aus steigenden Kosten und operativen Einschränkungen. Die Aktie hat sich zwar in den vergangenen zwölf Monaten deutlich erholt, tut sich kurzfristig aber schwer, neue Impulse zu finden. Wie stark kann diese Gemengelage den laufenden Turnaround ausbremsen?
Zwei Fronten gleichzeitig: Verdi und Nahost
Am Montag, 19. Januar, startet in Frankfurt die neue Tarifrunde für rund 20.000 Bodenbeschäftigte. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert:
- 6 % mehr Gehalt für das Bodenpersonal
- mindestens 250 Euro monatlich zusätzlich für die unteren Lohngruppen
- Laufzeitbeginn ab 2026, mit Wirkung auf die gesamte Kostenbasis am Boden
Diese Forderungen liegen klar über der aktuellen Inflationsrate und würden die Personalkostenquote spürbar erhöhen. Für ein margenempfindliches Geschäftsmodell wie die Linienluftfahrt ist das ein direkter Angriff auf das operative Ergebnis.
Zusätzlichen Druck erzeugt eine Veränderung am Drehkreuz Frankfurt: Der Dienstleister Wisag will die Rampenabfertigung zum 28. Februar einstellen. Betroffen sind rund 230 Mitarbeiter. Für Lufthansa bedeutet das mehr organisatorische Komplexität am wichtigsten Standort – und potenziell höhere Kosten durch neue oder erweiterte Dienstleistungsverträge.
Parallel dazu belasten Spannungen im Nahen Osten das Langstreckengeschäft. Die Lufthansa Group – inklusive Austrian Airlines und SWISS – hat das Nachtflugverbot nach Israel bis Ende Januar verlängert. Hintergrund sind anhaltende Sicherheitsrisiken in der Region, insbesondere mit Blick auf den Iran. Viele Verbindungen wurden in Tagesrandzeiten verlegt, dennoch führen gestrichene oder veränderte Nachtflüge auf stark nachgefragten Strecken zu:
- Umsatzeinbußen
- geringerer Auslastung der Flotte
- höherer operativer Komplexität in Planung und Crewdisposition
Seit dem 15. Januar gelten zudem verschärfte Regeln für Powerbanks an Bord: Nutzung und Aufladen sind verboten, die Mitnahme ist nur noch im Handgepäck mit maximal zwei Geräten pro Person erlaubt. Diese Maßnahme zielt auf mehr Flugsicherheit nach erhöhten Brandvorfällen, ist für das Ergebnis aber eher marginal.
Margen im Fokus, Investitionen im Hintergrund
Die Kombination aus höheren Lohnforderungen, operativen Störungen und geopolitischer Unsicherheit trifft Lufthansa in einer Phase, in der der Markt sensibel auf jede Verschlechterung der Margenlage reagiert.
Am Freitag schloss die Aktie bei 8,37 Euro. Auf Wochensicht ergibt sich ein Minus von gut 5 %, seit Jahresbeginn liegt der Titel rund 2,5 % im Rückstand. Im größeren Bild bleibt jedoch eine deutliche Erholung sichtbar: Gegenüber dem 52‑Wochentief von 5,71 Euro ergibt sich ein Plus von knapp 47 %. Zugleich beträgt der Abstand zum 52‑Wochen-Hoch bei 10,20 Euro knapp 18 %, was die jüngste Ernüchterung am Markt widerspiegelt.
Wesentliche technische Kennzahlen signalisieren derzeit eine eher neutrale Verfassung:
- Kurs nur leicht unter dem 50‑Tage-Durchschnitt von 8,42 Euro
- deutlicher Aufschlag von gut 10 % auf den 200‑Tage-Durchschnitt (7,58 Euro)
- RSI (14 Tage) bei 45,2 – kein überkauftes oder überverkauftes Niveau
Damit preist der Markt kurzfristige Risiken ein, ohne die mittelfristige Erholung infrage zu stellen.
Strategisch setzt Lufthansa gleichzeitig auf Qualitäts- und Produktverbesserungen. Bis 2029 soll die gesamte Flotte mit Starlink-WLAN ausgestattet werden, um eine leistungsfähige Internetverbindung an Bord zu bieten. Solche Projekte erfordern hohe Investitionen, zahlen aber eher langfristig auf die Wettbewerbsposition ein. Im aktuellen Umfeld gewichten viele Investoren jedoch die unmittelbaren Cashflow-Risiken durch mögliche Streiks, Flugplanstreichungen und höhere Personalkosten stärker als die Perspektive auf ein moderneres Produkt.
Analysten und Chart: Wichtige Marken
Die jüngsten Analystenstimmen unterstreichen die gespaltene Sicht auf die Aktie. Die Deutsche Bank hat ihr Kursziel leicht auf 8,60 Euro angehoben und bleibt bei einer neutralen Einstufung. Barclays ist vorsichtiger und sieht den fairen Wert bei 7,80 Euro mit einem „Underweight“-Votum. Damit bewegt sich die aktuelle Notierung ziemlich genau im Spannungsfeld dieser beiden Marken – ein Hinweis darauf, dass der Markt von einer zähen Tarifrunde und nicht reibungslosen Verhandlungen ausgeht.
Charttechnisch lassen sich kurzfristig zwei Zonen ableiten:
- Unterstützung um 8,00 Euro: Ein Bruch dieser Marke im Zuge harter Tarifkonflikte oder konkreter Warnstreiks würde das Bild eintrüben und könnte Anschlussverkäufe auslösen.
- Widerstand um 8,60 Euro: Diese Region, in etwa auf Höhe des Deutschen-Bank-Kursziels, dürfte ohne positive Nachrichten aus den Verhandlungen und eine Entspannung im Nahen Osten schwer zu überwinden sein.
Für die neue Handelswoche ist damit der Verhandlungsauftakt mit Verdi der zentrale Kurstreiber. Signale einer schnellen Annäherung oder moderaterer Forderungen könnten den Druck vom Papier nehmen. Umgekehrt würden Ankündigungen von Warnstreiks oder weiteren Flugstreichungen die Chance erhöhen, dass die Aktie die 8‑Euro-Marke von oben testet.
Zusätzlich bleibt die Lage im Nahen Osten ein entscheidender Unsicherheitsfaktor: Sollten aus dem verlängerten Nachtflugverbot weitergehende Einschränkungen bis hin zu Luftraumsperrungen entstehen, wäre die Erholung im Langstreckenverkehr deutlich gefährdet. In diesem Umfeld bleibt der Spielraum nach oben vorerst begrenzt, solange es weder ein greifbares Entspannungssignal aus den Tarifgesprächen noch eine klare Verbesserung der geopolitischen Lage gibt.
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