Die europäische Sicherheitspolitik rückt weiter nach vorn – und die Rüstungsbranche profitiert direkt davon. Nach der Zustimmung der EU-Kommission zu neuen milliardenschweren Verteidigungsdarlehen unter dem SAFE-Programm zählt Leonardo zu den klaren Gewinnern der Woche. Im Raum steht die Frage, wie stark dieser politische Rückenwind die ohnehin schon dynamische Rally im Sektor verlängern kann.

SAFE-Programm als Kurstreiber

Die EU-Kommission hat am Mittwoch die nationalen Verteidigungspläne von acht Mitgliedstaaten abgesegnet: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Spanien, Kroatien, Zypern, Portugal und Rumänien. Damit ist ein wichtiger Schritt für das SAFE-Programm („Security Action for Europe“) getan, das günstige, langfristige Verteidigungsdarlehen bereitstellt.

Die erste Auszahlungswelle wird für März 2026 erwartet. Das Volumen ist beachtlich:
- Rumänien soll vorläufig 16,68 Milliarden Euro erhalten
- Zypern ist mit 1,18 Milliarden Euro vorgesehen

Der Rat hat nun vier Wochen Zeit, die Umsetzungsbeschlüsse zu verabschieden, bevor konkrete Kreditverträge abgeschlossen werden. Für europäische Rüstungskonzerne wie Leonardo bedeutet das: bessere Visibilität bei künftigen Aufträgen und ein strukturell wachsender Markt.

Leonardo spiegelt diese Fantasie bereits im Kurs wider. Die Aktie schloss gestern bei 58,02 Euro und liegt damit deutlich über ihren mittelfristigen Durchschnittswerten, nachdem sie in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 100 % zugelegt hat.

Verteidigungssektor im Rekordmodus

Leonardo bewegt sich nicht im luftleeren Raum, sondern ist Teil einer breiten Branchenrally. Der europäische Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungssektor hat in den vergangenen zwölf Monaten laut Reuters rund 55 % gewonnen, viele börsennotierte Rüstungstitel markierten dabei immer neue Höchststände.

Der Morningstar Developed Europe Aerospace & Defense Index legte in den ersten beiden Januarwochen um knapp 13 % zu – der beste Jahresauftakt seit Auflegung. Einzelwerte wie Saab (+28 %) und Rheinmetall (+22 %) führten den Sektor in dieser Phase an.

Treiber sind nicht nur die EU-Programme, sondern auch geopolitische Spannungen zu Jahresbeginn. Zu den jüngsten Ereignissen zählen:

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Leonardo?

  • die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA am 3. Januar
  • erneute politische Diskussionen rund um Grönland
  • neue US-Dekrete mit Auswirkungen auf US-Rüstungskonzerne am 7. Januar

Solche Entwicklungen verstärken die Erwartung, dass Verteidigungsetats weltweit nicht nur hoch bleiben, sondern weiter steigen.

Steigende Verteidigungsetats als Fundament

Die harten Budgetzahlen untermauern die Rally. Laut EU-Rat lagen die Verteidigungsausgaben der EU-Mitglieder 2024 bei 343 Milliarden Euro (rund 1,9 % des BIP) und dürften 2025 etwa 381 Milliarden Euro (rund 2,1 % des BIP) erreicht haben.

Besonders auffällig:
- Verteidigungsinvestitionen erreichten 2024 ein Rekordniveau von 106 Milliarden Euro
- Für 2025 werden fast 130 Milliarden Euro erwartet

Zusätzlich hat die NATO im Juni 2025 einen deutlich ambitionierteren Zielpfad beschlossen: Bis 2035 sollen die Mitgliedstaaten insgesamt 5 % des BIP für Sicherheit aufwenden – 3,5 % für klassische Verteidigung, 1,5 % für breiter gefasste sicherheitsrelevante Ausgaben. Für Unternehmen wie Leonardo schafft das über Jahre hinweg strukturellen Nachfrage-Rückenwind.

Analystensicht und Bewertung

Aus Bewertungssicht ist Leonardo nach der Kursverdopplung kein Geheimtipp mehr, aber auch kein klarer Überflieger. Morningstar stuft die Aktie mit drei Sternen ein, was auf eine faire Bewertung nach der Rally hindeutet.

Morningstar-Analystin Loredana Muharremi beurteilt den Sektor insgesamt positiv. Ihrer Einschätzung nach würde ein höheres US-Verteidigungsbudget ein dauerhaft erhöhtes geopolitisches Risikoniveau signalisieren. Primär profitieren davon zwar die großen US-Rüstungskonzerne, doch europäische Anbieter mit US-Präsenz und Produktionskapazitäten – dazu zählt Leonardo – könnten zusätzlichen Spielraum nach oben haben.

Die Analystengemeinde zeigt sich insgesamt konstruktiv: Von 18 Analysten empfehlen 10 den Kauf und 8 das Halten. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel liegt bei 56,53 Euro, bei einer Spanne von 40 bis 65 Euro – ein Hinweis darauf, dass nach dem jüngsten Lauf die Erwartungen nun differenzierter werden.

Ausblick: Zahlen und mögliche Impulse

Operativ stehen bei Leonardo in den kommenden Wochen mehrere Termine an, die den Kursverlauf weiter prägen könnten:

    1. Februar 2026: Vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2025
    1. März 2026: Vorlage des Entwurfs des Jahresberichts 2025 und Update des Industrieplans

Für 2025 hat das Management folgende Ziele ausgegeben:
- Umsatz von rund 18,6 Milliarden Euro
- EBITA von rund 1,66 Milliarden Euro
- erhöhte Auftragseingänge von 22,25 bis 22,75 Milliarden Euro
- Free Operating Cashflow von 920 bis 980 Millionen Euro
- Nettoverschuldung von rund 1,1 Milliarden Euro

Zusammen mit den ersten SAFE-Auszahlungen im März 2026 und den langfristig angehobenen NATO-Zielen ergibt sich für Leonardo ein Umfeld, in dem sowohl kurzfristige Nachrichten (Zahlen, Ausblick) als auch strukturelle Trends (Verteidigungsetats, EU-Finanzierung) den Kurs weiter in Bewegung halten dürften.

Leonardo-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Leonardo-Analyse vom 16. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Leonardo-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Leonardo-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 16. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Leonardo: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...