Intel Aktie: Turnaround wackelt
Intel hat starke Zahlen für das vierte Quartal 2025 vorgelegt, aber mit seinem Ausblick und neuen Engpässen auf der Angebotsseite einen deutlichen Dämpfer ausgelöst. Die Aktie brach am Freitag um 17 % ein – der schwächste Handelstag seit August 2024. Im Mittelpunkt steht nun die Frage, ob der Konzern seine Produktionsprobleme schnell genug in den Griff bekommt.
- Q4 2025 über den Erwartungen, Umsatz jedoch auf Jahressicht stagnierend
- Schwache Prognose für Q1 2026 mit Margendruck und möglichem Verlust
- Schwere Lieferengpässe bei Rechenzentrumschips trotz hoher Nachfrage
- Hoffnungen auf das Foundry-Geschäft und 14A-Kunden verzögern sich deutlich
- Geplante SambaNova-Übernahme stockt, Analysten bleiben zurückhaltend
Q4-Zahlen stark, Ausblick schwach
Im vierten Quartal 2025 übertraf Intel die Markterwartungen bei Umsatz und Ergebnis:
- Bereinigter Gewinn je Aktie: 0,15 US-Dollar (Erwartung: 0,08 US-Dollar)
- Umsatz: 13,7 Milliarden US-Dollar (Erwartung: 13,4 Milliarden US-Dollar)
- GAAP-Nettoverlust: 600 Millionen US-Dollar bzw. 0,12 US-Dollar je Aktie
- Jahresumsatz 2025: 52,9 Milliarden US-Dollar, damit im Jahresvergleich weitgehend unverändert
Der Ausblick für das erste Quartal 2026 fiel dagegen klar unter den Konsens:
- Umsatz: 11,7–12,7 Milliarden US-Dollar (Konsens: 12,51 Milliarden US-Dollar)
- Bereinigter Gewinn je Aktie: 0,00 US-Dollar (Konsens: 0,05 US-Dollar)
- GAAP-Gewinn je Aktie: -0,21 US-Dollar
- Bruttomarge: 32,3 % (GAAP) bzw. 34,5 % (Non-GAAP)
Die Prognose löste bereits nachbörslich einen Kursrutsch aus, der sich am Freitag im regulären Handel deutlich verstärkte.
Lieferengpässe bremsen Rechenzentrumsgeschäft
Der Hauptgrund für den Druck auf die Aktie sind gravierende Kapazitätsprobleme im Rechenzentrumsgeschäft. CEO Lip-Bu Tan räumte im Conference Call ein, dass Intel trotz voller Auslastung der Fabriken die Nachfrage der Kunden derzeit nicht bedienen kann. Er sprach von einem „mehrjährigen Weg“, der Zeit und Konsequenz erfordere.
Finanzchef David Zinsner bestätigte, dass die Fertigungsausbeute unter den eigenen Ansprüchen liegt. Die Engpässe sollen im ersten Quartal 2026 am stärksten spürbar sein, mit ersten Verbesserungen im zweiten Quartal.
Starke Nachfrage nach Data-Center-Chips
Die Probleme resultieren nicht aus einer schwachen Nachfrage, im Gegenteil: Das Segment Data Center und AI erzielte im vierten Quartal einen Umsatz von 4,7 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 9 % gegenüber dem Vorjahr. Klassische Server-CPUs profitieren von den Investitionen in KI-Infrastruktur.
Allerdings hinkt die Umstellung der Fertigungslinien hinterher. Intel schafft es derzeit nicht, ausreichend von den besonders gefragten Prozessoren zu produzieren. Analysten von Bernstein kritisierten, das Unternehmen habe den Serverzyklus deutlich unterschätzt und sitze nun mit einer überrumpelten Kapazitätsstruktur da.
PC-Geschäft unter Druck
Im PC-Geschäft bleibt die Lage schwieriger. Die Client Computing Group erzielte 8,2 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein Rückgang von 7 % im Jahresvergleich. Weltweite Engpässe bei Speicherbausteinen und erwartete Preiserhöhungen dürften die PC-Nachfrage kurzfristig zusätzlich dämpfen. Das belastet auch die Perspektiven für die neue „Panther Lake“-Generation.
Foundry-Pläne verzögern sich
Vor den Zahlen hatten Anleger auf konkrete Fortschritte im Foundry-Geschäft gesetzt. Die Aktie war im Jahresverlauf um 147 % gestiegen, getragen von Investitionen der US-Regierung, SoftBank und Nvidia sowie Spekulationen über große Ankerkunden für Intel Foundry Services.
Auf dem Conference Call dämpfte Tan diese Erwartungen deutlich. Zwei potenzielle Kunden haben demnach bislang lediglich begonnen, die technischen Details der kommenden 14A-Fertigung zu prüfen. Zinsner erklärte gegenüber CNBC, mit substanziellen Kundenankündigungen für 14A sei eher in der zweiten Jahreshälfte 2026 zu rechnen.
RBC Capital Markets geht noch weiter und warnt, ein „bedeutender Umsatzbeitrag“ aus 14A-Kunden dürfte womöglich erst Ende 2028 sichtbar werden. Damit rückt ein zentraler Baustein der mittelfristigen Investmentstory deutlich nach hinten.
SambaNova-Deal ins Stocken geraten
Ein weiteres Puzzleteil ist die geplante Übernahme des KI-Chip-Start-ups SambaNova Systems für 1,6 Milliarden US-Dollar. Medienberichte vom 21. Januar zufolge ist dieser Deal ins Stocken geraten. Der Abschluss war ursprünglich für Januar 2026 erwartet worden.
Die Transaktion hätte SambaNova mit einem Abschlag von 68 % gegenüber der Spitzenbewertung von 5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 bewertet. Stattdessen sucht das Unternehmen nun 300–500 Millionen US-Dollar an alternativen Finanzierungen von Tech-Konzernen und Halbleiterunternehmen. Tan ist Vorsitzender von SambaNova und war über seine Beteiligungsgesellschaft Walden International ein Frühinvestor.
Verhaltener Ton der Analysten
Die Reaktionen der Analysten fielen insgesamt vorsichtig aus. Mehrere Häuser bestätigten zurückhaltende Einstufungen:
- Needham: Einstufung „Hold“ beibehalten
- Jefferies: Sie sehen weiter keinen klaren Weg nach vorn angesichts weiterer Marktanteilsverluste, fehlender KI-Strategie und unklarer Chancen im Foundry- und Packaging-Geschäft
- TD Cowen: Die Kursrally sei überwiegend von „Träumen“ statt von kurzfristiger Realität und Fundamentaldaten getrieben gewesen
- Bank of America: Analyst Vivek Arya sieht „keinen Grund, eine Aktie mit einem KGV von 90 zu kaufen“
Einige Kurszielanhebungen – etwa UBS auf 49 US-Dollar und Wells Fargo auf 45 US-Dollar – erfolgten bereits in den Vormonaten und beruhten damit noch nicht auf den jüngst offengelegten Lieferengpässen.
Kursreaktion und Marktkontext
Vor dem Zahlenwerk schloss die Aktie am Donnerstag bei 54,32 US-Dollar. Der Einbruch um 17 % auf 45,07 US-Dollar markierte den schwächsten Handelstag seit 17 Monaten. Mit rund 292 Millionen gehandelten Aktien lag das Volumen mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt.
Trotz des scharfen Rücksetzers liegt die Aktie auf Jahressicht weiterhin etwa 22 % im Plus und rund 84 % höher als vor zwölf Monaten. Die Entwicklung spiegelt die hohen Erwartungen wider, die im Laufe des Jahres 2025 durch strategische Beteiligungen großer Partner entstanden sind – Erwartungen, die nun mit der operativen Realität abgeglichen werden.
Ausblick: Fokus auf Q2 und 14A
Entscheidend für die nächsten Monate wird sein, ob Intel im zweiten Quartal 2026, wie angekündigt, eine spürbare Entspannung bei den Lieferengpässen vorweisen kann. Nur wenn die starke Nachfrage aus den Rechenzentren tatsächlich in Umsätze überführt wird, lässt sich die Turnaround-Story untermauern.
Konkret im Blick stehen dabei zwei Punkte: Zum einen potenzielle Ankündigungen zu 14A-Foundry-Kunden ab der zweiten Jahreshälfte 2026, zum anderen der weitere Verlauf der stockenden SambaNova-Transaktion. Die für 2026 anvisierten operativen Aufwendungen von rund 18,2 Milliarden US-Dollar nach 20,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 signalisieren zwar Kostendisziplin, doch erst Fortschritte bei Fertigungsausbeute und Kapazität werden zeigen, ob Intel die hohen Erwartungen an den laufenden Umbau rechtfertigen kann.
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