Intel hat mit seinen Zahlen zum vierten Quartal 2025 die Erwartungen übertroffen – und trotzdem einen der heftigsten Kursrutsche seit 2024 ausgelöst. Der Grund liegt nicht im abgelaufenen Quartal, sondern im Blick nach vorn: Lieferengpässe, Produktionsprobleme und ein schwacher Ausblick auf 2026 haben die Turnaround-Euphorie abrupt gebremst. Im Kern steht die Frage, ob Intel die hohe Nachfrage nach KI-Chips technisch und operativ überhaupt bedienen kann.

Starke Q4-Zahlen, aber schwacher Ausblick

Auf den ersten Blick klang der Bericht zum Schlussquartal 2025 ermutigend. Intel erzielte einen Umsatz von 13,67 Milliarden US‑Dollar, nur 4 % weniger als im Vorjahr, aber klar über den Konsensschätzungen von 13,37 Milliarden Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 0,15 Dollar sogar deutlich über den erwarteten 0,07 bis 0,08 Dollar.

Diese positiven Überraschungen wurden jedoch sofort von der Prognose für das erste Quartal 2026 überlagert. Intel stellt nur 11,7 bis 12,7 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht – und verfehlt damit die durchschnittliche Analystenerwartung von rund 12,5 Milliarden Dollar am unteren Ende spürbar. Noch deutlicher ist das Signal beim Gewinn: Das Management rechnet für Q1 2026 mit einem bereinigten Ergebnis je Aktie von praktisch null.

Der Markt reagierte entsprechend hart. Am Freitag schloss die Aktie bei 45,88 US‑Dollar, ein Tagesverlust von 15,48 % und nahezu identisch mit dem Abstand zum jüngsten 52‑Wochen-Hoch von 54,29 Dollar.

Engpässe ausgerechnet im KI-Boom

In den operativen Daten zeigt sich, warum die Stimmung kippt. Einerseits profitiert Intel klar vom KI-Trend: Der Bereich Datacenter & AI steigerte den Umsatz auf 4,74 Milliarden Dollar, angetrieben durch starke Nachfrage nach Server- und KI-Lösungen. Das Management räumte allerdings ein, man habe die Stärke der Servernachfrage „gravierend unterschätzt“.

Gleichzeitig schwächelte das klassische PC-Geschäft: Die Client Computing Group kam nur noch auf 8,19 Milliarden Dollar Umsatz. Noch kritischer ist jedoch, dass Intel momentan an der eigenen Produktionsbasis scheitert:

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  • Fabriken laufen zwar auf hoher Auslastung
  • Ertragsprobleme („Yield Issues“) bei neuen Fertigungsknoten
  • Engpässe bei fortschrittlichem Packaging und bei Speicherchips
  • Folge: Die hohe Nachfrage kann nicht vollständig bedient werden

CFO David Zinsner und CEO Lip-Bu Tan betonten, dass nicht die Nachfrage das Problem sei, sondern Kapazitätsgrenzen und Qualitätsausbeute. Damit verschenkt Intel potenzielle Umsätze – und riskiert, Marktanteile an Wettbewerber wie AMD zu verlieren, die besser liefern können.

Die Reaktion an der Börse war entsprechend heftig: Es kam zu einer Volatilitätsunterbrechung, zudem mussten gehebelte ETFs intraday neu gewichtet werden.

Erwartungsdämpfer nach Rally

Der Kurssturz trifft eine Aktie, die zuvor schon stark gelaufen war. In den vergangenen zwölf Monaten legte Intel um mehr als 120 % zu, seit Jahresbeginn steht trotz des Einbruchs noch ein Plus von 16,52 % zu Buche. Allein in den letzten 30 Tagen sprang der Kurs um fast 27 % nach oben, bevor der Rückschlag einsetzte.

Diese Vorgeschichte erklärt, warum die Enttäuschung so heftig durchschlägt: Die Turnaround-Story war im Kurs weit vorweggenommen. Viele Anleger hatten offenbar darauf gesetzt, dass Intel die eigenen Pläne schneller und reibungsloser umsetzt.

Im Branchenkontext passt das Bild: Die Halbleiterindustrie erlebt eine starke Spaltung. KI-Hardware ist gefragt wie selten, gleichzeitig ächzen die Lieferketten unter der Belastung. Intel steht dabei doppelt unter Druck – extern durch die angespannte Versorgungslage und intern durch Schwierigkeiten beim Hochfahren neuer Fertigungstechnologien. Analysten verweisen zudem darauf, dass signifikante Umsätze aus der fortschrittlichen 14A-Technologie erst ab Ende 2028 erwartet werden. Der vielzitierte „Turnaround“ wird damit zu einem mehrjährigen Prozess.

Analysten gespalten, Fokus auf operative Umsetzung

Die ersten Reaktionen von Analysten nach dem Zahlenwerk fallen vorsichtig, aber nicht einheitlich aus:

  • JPMorgan: Kurszielanhebung von 30 auf 35 US‑Dollar, Einstufung „Underweight“, mit Verweis auf den unsicheren Ausblick für 2026
  • Benchmark: Bestätigung von „Buy“ und Anhebung des Kursziels auf 57 Dollar, da die Engpässe als vorübergehend interpretiert werden
  • Morgan Stanley: Kursziel von 41 Dollar, Rating „Equal Weight“ bleibt bestehen

Auch aus technischer Sicht war die Aktie anfällig. Vor den Zahlen lag der RSI bei deutlich überkauften 76,74 Punkten. Nach dem Rückgang notiert der Titel mit einem RSI von 61,8 zwar wieder in einem neutraleren Bereich, bleibt jedoch deutlich über seinen mittelfristigen Durchschnitten: Rund 20 % über dem 50‑Tage- und knapp 70 % über dem 200‑Tage-Durchschnitt.

In den kommenden Monaten rückt damit vor allem eines in den Mittelpunkt: Intel muss zeigen, dass sich die Ausbeuteprobleme in der Fertigung und die Lieferengpässe im ersten Halbjahr 2026 stabilisieren lassen. Gelingt es dem Konzern, die Produktionskapazitäten bei neuen Knoten und im Advanced Packaging spürbar zu erhöhen, könnte sich der aktuelle Einbruch als Zwischenkorrektur in einer längerfristigen Sanierungsphase erweisen; bleiben die Fortschritte aus, dürfte der Markt seine Erwartungen an Tempo und Ausmaß des Turnarounds weiter nach unten anpassen.

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