Glencore Aktie: Countdown läuft
Ein Übernahme-Poker unter hohem Zeitdruck, ein Kupferpreis auf Rekordniveau und milliardenschwere Projekte in Argentinien: Bei Glencore verdichtet sich gerade vieles zu einem außergewöhnlichen Szenario. Im Zentrum steht die Frage, ob Rio Tinto die Chance nutzt und ein formelles Angebot abgibt – oder ob der Kursanstieg der vergangenen Wochen abrupt ausgebremst wird.
Der britische Takeover Code setzt eine klare Frist: Bis zum 5. Februar 2026 muss Rio Tinto entweder ein verbindliches Angebot für Glencore vorlegen oder die Gespräche offiziell beenden („Put up or shut up“). Die Zeit läuft – und der Markt hat bereits Position bezogen.
Übernahme-Countdown und Marktreaktion
Nach der Bestätigung der Gespräche Anfang Januar hat sich die Stimmung in der Aktie deutlich gedreht. Der Markt preist inzwischen eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Deal ein, was sich auch im Kursverlauf widerspiegelt: In den vergangenen zwölf Monaten legte der Titel knapp 30 % zu, allein im letzten Monat trieb die Übernahmefantasie die Notierung deutlich nach oben.
Trotz eines leichten Rückgangs in der vergangenen Woche von rund 11 % bleibt der mittelfristige Trend klar positiv. Am Freitag schloss die Aktie bei 5,75 Euro, was noch immer gut 46 % über dem 200-Tage-Durchschnitt liegt. Der starke Abstand zu den gleitenden Durchschnitten unterstreicht, wie kräftig die Rallye seit dem 52-Wochen-Tief bei 2,71 Euro ausgefallen ist.
Gleichzeitig mahnt die technische Seite zur Vorsicht:
- RSI (14 Tage) um 34 signalisiert eine Abkühlung nach der Rallye
- Volatilität (30 Tage, annualisiert) von über 75 % zeigt ein hohes Schwankungsrisiko
- Der Abstand von gut 12 % zum jüngsten 52-Wochen-Hoch deutet auf eine Verschnaufpause hin
Die Bewertung spiegelt damit klar die Übernahmehoffnungen wider – und weniger ein normales Bewertungsniveau für einen Rohstoffkonzern im Routinebetrieb.
Kupfer-Boom und El Pachón als Trumpf
Die Fantasie rund um Glencore speist sich aber nicht nur aus Rio Tinto, sondern auch aus der Rohstoffseite. Der Kupferpreis hat zuletzt die Marke von 13.000 US-Dollar je Tonne zurückerobert. In einem Umfeld, in dem die Energiewende weltweit enorme Mengen an Kupfer, Kobalt und Nickel fordert, verbessert das die Gewinnperspektiven deutlich.
Glencore ist hier strategisch gut positioniert. Das Management hat die Bedeutung der „Transition Metals“ klar in den Vordergrund gestellt und im Dezember 2025 die Wachstumsstrategie präzisiert. Die Pipeline an Greenfield-Kupferprojekten wurde dabei mit rund 13 Milliarden US-Dollar beziffert.
Kernstück dieser Pipeline ist das El Pachón Projekt in Argentinien, für das Investitionen von 9,5 Milliarden US-Dollar geplant sind. Dieses Projekt steht sinnbildlich für das, was Rio Tinto an Glencore reizt: großes, schwer zu replizierendes Wachstum im Kupferbereich, das sich organisch kaum in vergleichbarer Größenordnung aufbauen lässt.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Finanzierungsstrategie. Glencore setzt darauf, das profitable Kohlegeschäft als Cash-Cow zu nutzen, um die kapitalintensiven Projekte in den Übergangsmetallen aus dem laufenden Cashflow zu stemmen. Diese Kombination aus stabilem Cashflow und wachstumsstarken Kupferprojekten werten Marktbeobachter als wichtigen Pluspunkt im aktuellen Rohstoff-Superzyklus.
Analysten von Barclays und Berenberg haben vorgerechnet, dass ein Zusammenschluss die jährliche Kupferproduktion der kombinierten Einheit auf etwa 1,7 Millionen Tonnen nahezu verdoppeln würde. Genau diese Skalierungseffekte dürften für Rio Tinto entscheidend sein.
„Kaufen statt Graben“ – Strategischer Kontext
Die aktuelle Übernahmesituation passt in ein größeres Bild. Während in den 2000er Jahren vor allem China als Nachfragetreiber für Rohstoffe galt, ist es heute die globale Energiewende, die einen strukturellen Mehrbedarf erzeugt. Projekte in Kupfer, Kobalt und Nickel werden damit zu strategischen Assets, nicht nur zu einfachen Minen.
Viele große Bergbaugesellschaften stehen vor demselben Problem: Eigene Greenfield-Projekte sind teuer, dauern lange und bringen hohe Risiken mit sich. Gleichzeitig reichen die bestehenden Reserven oft nicht aus, um die erwartete Nachfrage bis 2030 problemlos zu decken. Vor diesem Hintergrund erscheint es für Konzerne wie Rio Tinto naheliegend, auf entwickelte Wettbewerber zu setzen – also auf Brownfield-M&A statt auf neue Funde.
Glencore bietet in diesem Umfeld eine Kombination aus bestehender Produktion, ausgebauter Infrastruktur und einer klar definierten Projektpipeline. „Kaufen statt Graben“ wird damit zur pragmatischen Antwort auf den Zeit- und Investitionsdruck in einem Markt, der durch den Übergang zu saubereren Technologien strukturell enger wird.
Termine und Szenarien der nächsten Wochen
Die kommenden Wochen bringen mehrere Wegmarken, die den Kursverlauf wesentlich beeinflussen können:
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29. Januar 2026 – Produktionsbericht 2025
Hier wird sichtbar, ob Glencore seine operativen Ziele bei den Schlüssel-Assets erreicht hat. Starke Zahlen würden das Bild eines fundamental gut aufgestellten Übernahmekandidaten untermauern. -
5. Februar 2026 – Deadline für das Rio-Tinto-Angebot
Dies ist der entscheidende Termin im Übernahmekrimi. - Szenario 1: Ein konkretes Angebot dürfte die Fantasie weiter anheizen und den Kurs stützen oder treiben.
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Szenario 2: Verstreicht die Frist ohne Angebot, könnte es zu deutlichen Gewinnmitnahmen kommen, da ein wichtiger Kurstreiber wegfällt.
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18. Februar 2026 – Vorläufige Jahreszahlen 2025
Im Fokus stehen die Kapitalallokation und mögliche Sonderausschüttungen. Vor dem Hintergrund der Übernahmediskussion dürfte der Markt genau hinsehen, wie defensiv oder offensiv das Management agiert.
Am Ende steht eine seltene Kombination: Glencore vereint aktuell starke fundamentale Rückenwinde durch den Kupfer-Boom mit hoher Übernahmefantasie – gleichzeitig hängt über der Aktie das Risiko eines Scheiterns der Gespräche, das angesichts der bereits gelaufenen Rallye spürbare Rückschläge auslösen könnte.
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