Die Bilanzkrise bei Gerresheimer bekommt eine neue Dimension. Der Aktionärsschutzverband DSW hat ein Gutachten zur Verantwortlichkeit ehemaliger Führungskräfte eingeholt und prüft Schadensersatzansprüche gegen Ex-CEO Dietmar Siemssen und Ex-CFO Bernd Metzner. Gleichzeitig verschärft die BaFin ihren Griff — und die Zahl der offenen Baustellen wächst.

Systematische Fehler, erhebliche Korrekturen

Die Finanzaufsicht weitet ihre im September 2025 eingeleitete Prüfung des Konzernabschlusses 2023/2024 aus und leitet zusätzlich eine Prüfung des Halbjahresberichts 2025 ein. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob eine Wertminderung von 196,5 Millionen Euro im Segment Advanced Technologies früher hätte gebucht werden müssen. Auch der Erwerb von Bormioli Pharma und das zugehörige Risikomanagement geraten ins Visier der Behörde.

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Eine unabhängige Rechtsanwaltskanzlei hatte zuvor festgestellt, dass Gerresheimer Umsätze aus sogenannten Bill-and-Hold-Vereinbarungen systematisch zu früh erfasste — ein Verstoß gegen IFRS-Standards. Die finanziellen Folgen sind beträchtlich: Für 2024 ergibt sich ein Korrekturbedarf von rund 35 Millionen Euro bei den Umsatzerlösen und etwa 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA. Für 2025 kommen nicht-zahlungswirksame Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro hinzu, hauptsächlich bei Sensile Medical in der Schweiz und dem Standort Chicago.

Finanzkalender und Indexzugehörigkeit in der Schwebe

Die Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2025, ursprünglich für den 26. Februar 2026 geplant, wurde verschoben. Das zieht weitere Konsequenzen nach sich: Die Quartalsmitteilung für Q1 2026 sowie die für den 3. Juni 2026 angesetzte Hauptversammlung fallen ebenfalls weg. Neue Termine stehen noch aus. Der Ausschluss aus dem SDAX gilt als wahrscheinlich — ein weiteres Belastungssignal für eine Aktie, die seit ihrem 52-Wochen-Hoch von 76,85 Euro gut drei Viertel ihres Wertes verloren hat.

Centor-Verkauf und Prognose unter Vorbehalt

Als strukturelle Gegenmaßnahme treibt Gerresheimer den Verkauf der profitablen US-Tochter Centor voran. Morgan Stanley soll noch 2026 einen Käufer finden. Das Dilemma dabei: Centor erwirtschaftet überdurchschnittliche Margen — ein Verkauf würde die ohnehin gesunkene Profitabilität des Konzerns weiter belasten. Parallel läuft ein Transformationsprogramm mit Kostensenkungen, verbessertem Working-Capital-Management und selektiverer Investitionsplanung.

Für das Geschäftsjahr 2026 stellt das Unternehmen einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent in Aussicht. Diese Prognose steht jedoch unter dem Vorbehalt laufender Untersuchungen und offener Kreditgespräche. Gerresheimer verhandelt derzeit mit seinen Gläubigern über eine Verlängerung der Einreichungsfristen für den geprüften Abschluss. Der Juni 2026 wird zum konkreten Prüfstein: Erst dann soll der testierte Abschluss vorliegen und erstmals belastbare Klarheit über die tatsächliche Tiefe der Bilanzierungsfehler bestehen.

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