Gerresheimer Aktie: Gefahrensignal?
Zwei laufende BaFin-Prüfungen, ein verschobener Jahresabschluss und Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro: Gerresheimer steckt tief in der schwersten Krise seiner jüngeren Geschichte. Was begann als isoliertes Bilanzierungsproblem, hat sich zur handfesten Vertrauenskrise ausgeweitet – mit einem Stichtag, der für den Kurs alles entscheiden könnte.
Bilanzfehler, Verstöße, zweite Prüfgesellschaft
Ende Februar verschärfte die BaFin ihre Gangart deutlich. Neben der laufenden Untersuchung des Konzernabschlusses 2024 startete die Behörde eine zweite Prüfung – diesmal zum Halbjahresbericht 2025. Im Zentrum stehen sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen: eine Abrechnungspraxis, bei der Umsätze bereits vor tatsächlicher Warenauslieferung gebucht werden. Die Aufseher meldeten „konkrete Anhaltspunkte" für Fehler im Abschluss 2023/24, darunter potenziell falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro sowie aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro.
Gerresheimer räumte ein, dass einzelne Mitarbeitende interne Richtlinien und Bilanzierungsvorschriften verletzt haben. In Abstimmung mit dem bestehenden Abschlussprüfer wurde eine zweite Prüfgesellschaft beauftragt. Die Korrekturen betreffen hauptsächlich die Umsatzrealisierung sowie die Bilanzierung und Bewertung von Vorräten. Erste personelle und organisatorische Maßnahmen hat das Unternehmen bereits eingeleitet.
Drastisch gesenkte Prognosen, strategische Notmaßnahmen
Die operativen Folgen sind erheblich. Die bereinigte EBITDA-Marge für 2025 soll nur noch 16,5 bis 17,5 Prozent erreichen – statt der ursprünglich angepeilten 18,5 bis 19,0 Prozent. Beim bereinigten Gewinn je Aktie droht statt eines moderaten Rückgangs nun ein deutlich zweistelliger Einbruch, ein Verlust ist nicht ausgeschlossen. Hinzu kommen Abschreibungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro, vor allem auf die Schweizer Tochter Sensile Medical und den US-Standort in Chicago.
Zur Bilanzentlastung plant das Management den Verkauf der hochmargigen US-Tochter Centor, den Morgan Stanley noch 2026 abschließen soll. Der Haken: Gerade weil Centor profitabel ist, dürfte ein Verkauf die ohnehin geschwächte Margenstruktur weiter belasten. Den ursprünglich geplanten Verkauf des Moulded-Glass-Geschäfts hat das Management dagegen gestoppt. Das Werk in Chicago Heights soll Ende 2026 schließen.
Stichtag 31. März: Die entscheidende Bewährungsprobe
Die Aktie spiegelt das Ausmaß der Krise wider. Vom 52-Wochen-Hoch bei 82 Euro im März 2025 ist der Kurs auf zuletzt rund 19 Euro gefallen – ein Verlust von mehr als 75 Prozent in zwölf Monaten. Auf Wochensicht zeigt sich zwar eine zaghafte Erholung, doch liegt der Kurs noch immer weit unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 33,25 Euro. Der RSI von 17,7 signalisiert eine stark überverkaufte Lage – ohne dass daraus zwingend eine Trendwende folgt.
Bemerkenswert: Trotz der anhaltenden Unsicherheit stieg der CastleKnight Master Fund LP Anfang März mit einer Beteiligung von 4,08 Prozent ein. Gleichzeitig prüft die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz Schadenersatzansprüche und fordert betroffene Anleger auf, sich zu melden.
Der nächste harte Termin ist der 31. März 2026: Bis dahin muss der testierte Jahres- und Konzernabschluss vorliegen. Gelingt die fristgerechte Vorlage mit nachvollziehbaren Korrekturen, könnte das einen Teil der Unsicherheit aus dem Kurs nehmen. Verstreicht die Frist ergebnislos, dürfte der Markt den Titel erneut an seinen Jahrestiefs messen. Am 16. April folgt dann der Quartalsbericht – ein weiterer Gradmesser dafür, ob das neue Management die Transparenz liefern kann, die Investoren einfordern.
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