Gerresheimer Aktie: Deadline entscheidet
Der Düsseldorfer Pharmaverpackungsspezialist steht am Scheideweg. Zwei parallele BaFin-Prüfungen, massive Abschreibungen und ein verschobener Jahresabschluss haben die Aktie auf ein 10-Jahres-Tief gedrückt. Bis zum 31. März muss das Management liefern – oder es droht ein erneuter Absturz.
BaFin erhöht den Druck massiv
Ende Februar verschärfte die Finanzaufsicht die Gangart deutlich. Neben der laufenden Untersuchung des Konzernabschlusses 2024 startete die Behörde eine zweite Prüfung zum Halbjahresbericht 2025. Im Fokus stehen sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen – eine Abrechnungspraxis, bei der Umsätze vor tatsächlicher Warenauslieferung verbucht werden.
Die BaFin hat „konkrete Anhaltspunkte" für weitere Fehler im Abschluss 2023/24 gefunden. Besonders kritisch: Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro und aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro könnten fehlerhaft ausgewiesen sein.
Eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft brachte „gravierende Mängel" bei Umsatzerlösen und Vorratsbewertung ans Licht. Gerresheimer verweist auf Verstöße einzelner Mitarbeiter gegen interne Richtlinien und IFRS. Bereits für 2024 mussten 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro bereinigtes EBITDA korrigiert werden.
Prognosen drastisch gesenkt
Die Bilanzkrise schlägt unmittelbar auf die Finanzkennzahlen durch. Für 2025 erwartet das Unternehmen nun einen Umsatzrückgang am schwächeren Ende der Bandbreite von minus 4 bis minus 2 Prozent. Die EBITDA-Marge wurde auf 16,5 bis 17,5 Prozent gesenkt – nach zuvor kommunizierten 18,5 bis 19,0 Prozent.
Der Gewinn je Aktie soll deutlich zweistellig sinken, ein Verlust ist nicht ausgeschlossen. Hinzu kommen Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro, insbesondere bei der Schweizer Tochter Sensile Medical und dem US-Standort in Chicago.
Verkauf hochmargiger Assets geplant
Das neue Management versucht, die Bilanz durch Portfoliomaßnahmen zu stabilisieren. Die US-Tochter Centor, die hochmargige Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente herstellt, steht zum Verkauf. Morgan Stanley soll den Prozess noch 2026 abschließen.
Allerdings würde ein Centor-Verkauf die ohnehin angeschlagene Margenstruktur weiter belasten – das Unternehmen ist überdurchschnittlich profitabel. Den geplanten Verkauf des Moulded-Glass-Geschäfts hat das Management dagegen gestoppt. Das Werk in Chicago Heights soll Ende 2026 schließen.
Neuer Investor steigt ein
Trotz der Turbulenzen bewegt sich das Aktionariat. Am 3. März meldete der CastleKnight Master Fund LP eine Beteiligung von 4,08 Prozent, mit Schwellenübertritt vom 11. Februar 2026. Offenbar sehen manche Investoren Potenzial in einer Turnaround-Spekulation.
Nach den Abgängen von CEO Dietmar Siemssen und CFO Bernd Metzner hat Wolf Lehmann die CFO-Rolle übernommen. Uwe Röhrhoff fungiert als Interims-CEO. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz prüft derweil Schadenersatzansprüche und fordert betroffene Anleger auf, sich zu melden.
Der Fahrplan bis zur Hauptversammlung
Für 2026 projiziert Gerresheimer einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent. Der freie Cashflow soll trotz schwachem ersten Halbjahr moderat positiv ausfallen.
Der Kalender ist klar definiert: Jahresbericht bis 31. März 2026, Q1-Update am 16. April und Hauptversammlung am 3. Juni. Gelingt es dem Management, die Bücher transparent zu bereinigen und die BaFin-Fragen auszuräumen, könnte sich eine Bodenbildung einstellen. Weitere Verzögerungen oder negative Überraschungen im Prüfbericht würden dagegen einen erneuten Test der Tiefststände bedeuten.
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