Der Chemiekonzern rutscht an der Börse auf neue Tiefstände, während Analysten reihenweise den Daumen senken. Im Zentrum der Sorgen steht das Aminosäure-Geschäft – insbesondere Methionin –, das durch den massiven Kapazitausbau in China unter Druck gerät. Hinzu kommen schwächere Preistrends und eine zunehmend angespannte technische Lage. Wie robust ist die aktuelle Dividendenpolitik unter diesen Rahmenbedingungen noch?

Die Fakten im Überblick

  • Neues Allzeittief im Januar 2026, Kurs nur knapp über dem 52‑Wochentief
  • Deutliche Kurszielsenkungen mehrerer großer Investmentbanken
  • China baut Methionin-Kapazitäten stark aus, global droht Überangebot
  • Berenberg liegt mit EBITDA- und EPS-Schätzungen klar unter dem Konsens
  • Kurs deutlich unter langfristigen Durchschnitten, RSI signalisiert starke Schwäche
  • Hohe Dividendenrendite, aber Risiko möglicher Kürzungen und Portfolioeingriffe

Analysten werden deutlich pessimistischer

Die Stimmung im Analystenlager hat sich in den letzten Monaten klar eingetrübt. Mehrere Häuser haben ihre Empfehlungen und Kursziele spürbar zurückgenommen.

  • Berenberg stufte Anfang Januar 2026 von „Hold“ auf „Sell“ ab und setzt das Kursziel auf 11,60 Euro.
  • Kepler Cheuvreux empfiehlt seit Dezember 2025 „Reduce“ mit Ziel 12,60 Euro.
  • J.P. Morgan wechselte Ende November 2025 von „Overweight“ auf „Neutral“ und nennt 14,00 Euro als Kursziel.
  • Morgan Stanley hob zwar auf „Equal-Weight“ an, senkte das Kursziel aber gleichzeitig auf 14,70 Euro.

Damit bleibt nur noch Citi mit einem „Buy“-Rating und einem Kursziel von 17,00 Euro auf der positiven Seite. Insgesamt zeichnet sich damit ein klares Bild: Die Mehrheit der Analysten rechnet mit anhaltenden Belastungen und begrenztem Aufwärtspotenzial.

China belastet Methionin-Margen

Im Mittelpunkt der Skepsis steht das Methionin-Geschäft. Berenberg warnt explizit vor den Folgen der Kapazitätsexpansion chinesischer Anbieter. Bis Anfang der 2030er Jahre könnten in China rund 1,5 Millionen Tonnen zusätzliche Methionin-Kapazität entstehen.

Damit würde die weltweite Kapazität um mehr als 50 % steigen. Nach Einschätzung von Berenberg dürfte die chinesische Produktionskapazität auf etwa 2,3 Millionen Tonnen pro Jahr wachsen – rund das 2,5‑Fache der erwarteten inländischen Nachfrage von 0,9 Millionen Tonnen bis 2030. Ein solches Überangebot erhöht den Wettbewerbsdruck und setzt Preise und Margen im globalen Markt unter Druck.

Breiter Preisdruck im Portfolio

Der Gegenwind ist nicht auf Methionin beschränkt. Nach deutlichen Preissteigerungen 2021 (+10 %) und 2022 (+18 %) verzeichnete der Konzern 2023 und 2024 jeweils Preisrückgänge von 2 %. Für 2026 und 2027 erwartet Berenberg weitere leichte Rückgänge im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Diese Entwicklung schlägt sich direkt in den Ergebnisprognosen nieder:

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  • EBITDA 2026: 1,79 Mrd. Euro, rund 5 % unter dem aktuellen Konsens
  • EBITDA 2027: 1,77 Mrd. Euro, etwa 10 % unter Konsens
  • EPS 2026: 1,07 Euro (nach einer Kürzung der Schätzung um 5,2 %)
  • EPS 2027: 1,04 Euro (nach einer deutlichen Reduktion um 19,7 %)

Die Botschaft: Berenberg rechnet mit einem nachhaltig niedrigeren Ertragsniveau, vor allem wegen des strukturellen Preisdrucks.

Charttechnik: Schwacher Trend, tiefer RSI

Charttechnisch ist das Bild angespannt. Die Aktie befindet sich seit Mitte Juni 2025 in einem klaren Abwärtstrend. Heute liegt der Kurs bei 13,16 Euro und damit rund 41 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 22,26 Euro. Vom 52‑Wochentief bei 12,62 Euro trennen den Titel dagegen nur wenige Prozentpunkte.

Auffällig ist der Abstand zu den längerfristigen Durchschnitten:

  • 50‑Tage-Durchschnitt: 13,34 Euro (rund 1 % über dem Kurs)
  • 200‑Tage-Durchschnitt: 15,83 Euro (rund 17 % über dem Kurs)

Der Kurs notiert damit deutlich unter den zentralen Trendmarken. Ergänzend signalisiert der 14‑Tage-RSI mit einem Wert von 15,8 eine stark überverkaufte Situation. Technisch ist die Aktie somit klar schwach, kurzfristige Gegenbewegungen sind aus dieser Konstellation heraus aber nicht ausgeschlossen.

Dividende unter Beobachtung

Ein Blick auf die Dividende zeigt zunächst ein positives Bild: Auf Basis einer erwarteten Ausschüttung von 1,17 Euro je Aktie ergibt sich eine hohe Dividendenrendite. Genau hier setzen aber die Warnungen der Analysten an.

Berenberg hält Dividendenkürzungen und Asset-Verkäufe für wahrscheinlich, um die strukturellen Herausforderungen zu adressieren. Die Experten sprechen sich für einen „radikaleren Ansatz“ aus, der nicht nur deutliche Einschnitte bei der Ausschüttung, sondern auch eine mögliche Aufspaltung des Unternehmens umfassen könnte. Hintergrund ist die Einschätzung, dass das bestehende Portfolio in seiner jetzigen Form die Profitabilitätsziele unter den erschwerten Marktbedingungen nur schwer erreichen kann.

Fazit und Ausblick

Die Kombination aus strukturellem Preisdruck im Methionin-Geschäft, spürbar gesenkten Ergebnisprognosen und einem klar negativen Chartbild erklärt die Schwäche der Evonik Aktie der vergangenen Monate. Der aktuelle Kurs von 13,16 Euro spiegelt diese Sorgen bereits deutlich wider, wie der große Abstand zum 52‑Wochen-Hoch und zu den langfristigen Durchschnitten zeigt.

Kurzfristig rücken nun die nächsten Quartalszahlen am 4. März 2026 in den Fokus. Entscheidend wird sein, ob das Management konkrete Maßnahmen zu Portfolio, Kostenstruktur und Dividendenpolitik präsentiert und damit Vertrauen in die mittelfristige Ertragskraft zurückgewinnen kann.

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