Eli Lilly steckt mitten in einem Spagat: Auf der einen Seite bremst die US-Arzneimittelbehörde eine wichtige Zulassung im boomenden Adipositas-Markt. Auf der anderen Seite geht der Konzern mit Nvidia eine milliardenschwere KI-Partnerschaft ein, die die Medikamentenentwicklung beschleunigen soll. Für Anleger stellt sich damit vor allem eine Frage: Überwiegt kurzfristig der regulatorische Gegenwind oder die langfristige Wachstumsfantasie?

FDA verschiebt Entscheidung zu Orforglipron

Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat ihre Entscheidung zum oralen Adipositas-Medikament Orforglipron auf den 10. April 2026 verschoben. Ursprünglich war mit einem Votum bereits Ende März gerechnet worden, im Rahmen des sogenannten National Priority Voucher-Programms, das Prüfzeiten eigentlich auf ein bis zwei Monate verkürzen soll.

Damit verliert Lilly zunächst Tempo im Wettlauf mit Novo Nordisk um den entstehenden Markt für orale GLP-1-Medikamente. Novo hat seine Wegovy-Tablette im Januar auf den US-Markt gebracht, nach einer FDA-Zulassung im Dezember 2025 – ein klarer Startvorteil im Segment der oralen Adipositas-Therapien.

Besonders pikant: Lilly-CEO David Ricks hatte noch am 14. Januar auf der J.P. Morgan Healthcare Conference von einer zügig verlaufenden Prüfung gesprochen und eine Zulassung im zweiten Quartal in Aussicht gestellt. Das nun bestätigte April-Datum zeigt, dass sich der Prozess zwar verzögert, aber aktuell nicht grundsätzlich infrage gestellt wird.

Marktreaktion auf den Aufschub

Die Nachricht über die Verschiebung sorgte zunächst für deutlichen Verkaufsdruck, die Aktie gab am folgenden Handelstag im US-Geschäft um rund 3,8 % nach. Am Freitag konnte der Titel einen Teil der Verluste wieder aufholen und schloss bei 1.038,40 US-Dollar, was einem leichten Tagesplus von 0,53 % entspricht.

Analysten verweisen darauf, dass der Aufschub Novo Nordisk zusätzliche Zeit gibt, Marktanteile in der oralen Adipositas-Behandlung zu sichern. Zugleich bleibt Orforglipron aus ihrer Sicht grundsätzlich konkurrenzfähig: Als niedermolekulares Präparat ist es nicht an die gleichen Ernährungsvorgaben gebunden wie die peptidbasierte Wegovy-Pille von Novo, was im Alltag ein Vorteil sein könnte.

KI-Offensive mit Nvidia

Parallel zur regulatorischen Hängepartie setzt Lilly ein deutliches strategisches Signal in Richtung Forschung und Entwicklung. Nvidia kündigte am 13. Januar an, innerhalb von fünf Jahren rund 1 Milliarde US-Dollar in ein gemeinsames Labor mit Eli Lilly zu investieren. Ziel ist es, die Wirkstoffsuche mithilfe künstlicher Intelligenz grundlegend zu beschleunigen.

In dem gemeinsamen Forschungszentrum im Silicon Valley soll Nvidias BioNeMo-Plattform genutzt werden, um Molekülstrukturen zu analysieren und potenzielle Wirkstoffkandidaten schneller zu identifizieren. Nvidia-Chef Jensen Huang spricht davon, dass KI in den Life Sciences ihren tiefgreifendsten Einfluss entfalten werde.

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Die Kooperation baut auf einer bestehenden Zusammenarbeit auf, in deren Rahmen Lilly nach Unternehmensangaben bereits den leistungsstärksten Supercomputer im Besitz eines Pharmakonzerns an seinem Hauptstandort in Indianapolis aufgebaut hat. Neu ist nun der klare Fokus auf die industrielle Skalierung von KI-gestützter Forschung.

Zum Paket gehören außerdem Partnerschaften mit Thermo Fisher Scientific zur Anbindung von Laborgeräten und mit Multiply Labs für robotergestützte Automatisierung. Insgesamt unterstreicht Lilly damit das Ziel, die traditionell oft zehn Jahre dauernde Entwicklung neuer Medikamente deutlich zu verkürzen.

Kartellklage bringt Rechtsrisiko

Für zusätzliche Unsicherheit sorgt eine neue Klage in den USA: Die Compounding-Apotheke Strive Specialties hat am 15. Januar beim Bundesgericht in San Antonio eine Kartellklage gegen Eli Lilly und Novo Nordisk eingereicht. Der Vorwurf: Beide Unternehmen sollen gemeinsam den Zugang zu individuell hergestellten Versionen ihrer GLP‑1-Gewichtsverlustmedikamente blockiert haben.

Konkret behauptet Strive, die Hersteller hätten exklusive Vereinbarungen mit wichtigen Telemedizin-Anbietern geschlossen. Diese sollen verhindern, dass Ärztinnen und Ärzte auf individuell hergestellte, sogenannte „compounded“ Alternativen ausweichen. Lilly weist die Vorwürfe als „faktisch und rechtlich falsch“ zurück, Novo bezeichnet die Anschuldigungen als „unbegründet“.

Die Klage kommt zu einem Zeitpunkt, in dem GLP-1-Medikamente im Zentrum eines Milliardenmarktes stehen und regulatorische wie rechtliche Fragen zu Versorgung und Wettbewerb zunehmend in den Fokus rücken.

Analysten bleiben zuversichtlich

Trotz des FDA-Aufschubs bleibt die Stimmung der Analysten überwiegend positiv. Mehrere Häuser haben ihre Kursziele zuletzt sogar angehoben:

  • Morgan Stanley: Anhebung von 1.171 auf 1.290 US-Dollar, Einstufung „overweight“
  • Wolfe Research: Anhebung von 1.050 auf 1.250 US-Dollar, Einstufung „outperform“
  • Deutsche Bank: Anhebung von 1.000 auf 1.200 US-Dollar, Einstufung „buy“
  • Zacks: Hochstufung von „hold“ auf „strong buy“ zum 1. Januar

Im Schnitt empfehlen 27 Analysten die Aktie zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 1.169 US-Dollar und damit klar über dem aktuellen Kursniveau. Bewertet wird vor allem das anhaltende Wachstum mit GLP‑1-Produkten wie Mounjaro und Zepbound sowie das zusätzliche Potenzial durch Orforglipron und die KI-Initiativen.

Ausblick: Zwei Termine im Fokus

Operativ richtet sich der Blick nun auf zwei klare Wegmarken. Zunächst steht der Quartalsbericht für das vierte Quartal 2025 an, bei dem der Markt weitere Hinweise zur Dynamik von Mounjaro und Zepbound erwartet. Für das Gesamtjahr 2025 peilt Lilly einen Gewinn je Aktie von 23,00 bis 23,70 US-Dollar an.

Am 10. April folgt dann der neue Entscheidungstermin der FDA für Orforglipron. Angesichts von Marktprognosen, die das Volumen des oralen Adipositas-Segments bis 2030 auf rund 22 Milliarden US-Dollar schätzen, hätte eine Zulassung erhebliches Gewicht für die mittelfristigen Wachstumsaussichten. Parallel dazu legt die strategische Allianz mit Nvidia die Grundlage dafür, dass Lilly auch jenseits seiner aktuellen GLP‑1-Erfolge eine breitere forschungsgetriebene Pipeline aufbauen kann.

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