Eli Lilly Aktie: Steigende Sorgenfalten?
Eli Lilly gerät gleich von zwei Seiten unter Druck: Die US-Gesundheitsbehörde verschiebt eine wichtige Entscheidung zu einem neuen Abnehm-Medikament, gleichzeitig sieht sich der Konzern mit einer Kartellklage konfrontiert. Beides trifft den Pharmariesen just in dem Moment, in dem der Wettbewerb im Milliardenmarkt für GLP‑1-Wirkstoffe deutlich anzieht. Wie stark bremsen Regulierung und Rechtstreit die Wachstumsstory kurzfristig aus?
FDA-Verzögerung bei Orforglipron
Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ihre Entscheidung über Orforglipron, die orale Abnehm-Pille von Eli Lilly, auf den 10. April 2026 verschoben. Zuvor war mit einem Bescheid bis Ende März gerechnet worden. Damit verliert Lilly wertvolle Zeit im direkten Wettbewerb mit Novo Nordisk, dessen Wegovy-Pille bereits seit Ende vergangenen Jahres in den USA zugelassen ist und ausgerollt wird.
Die Verzögerung wiegt umso schwerer, weil der Markt für Abnehm-Pillen als gewaltig gilt:
- Schätzungen zufolge könnten entsprechende Präparate innerhalb von zehn Jahren mehr als 150 Milliarden US‑Dollar Umsatz pro Jahr erreichen
- Oral einzunehmende Medikamente dürften den potenziellen Patientenkreis deutlich erweitern
- Novo Nordisk nutzt den Zeitvorsprung und treibt die Markteinführung von Wegovy in Pillenform aggressiv voran
Formell liegt die Verschiebung noch innerhalb des Schnellprüfverfahrens der US-Regierung, das eigentlich schnellere Entscheidungen für besonders relevante Medikamente vorsieht. Dennoch verweist der Schritt auf allgemeine Engpässe in den Zulassungsprozessen, von denen derzeit mehrere Pharmaunternehmen betroffen sind.
Kartellklage verschärft den Druck
Zusätzlich belastet eine neue Kartellklage. Die Compounding Pharmacy Strive Specialties hat am 14. Januar 2026 beim Bundesgericht für den Western District of Texas Klage eingereicht. Der Vorwurf: Eli Lilly und Novo Nordisk sollen gemeinsam den Zugang zu kostengünstigeren, individuell hergestellten Versionen ihrer GLP‑1-Medikamente behindert haben.
Zentrale Vorwürfe der Klage
Laut Klageschrift sollen die beiden Unternehmen:
- Exklusive Vereinbarungen mit großen Telemedizin-Plattformen abgeschlossen haben, die diese daran hindern, mit Compounding Pharmacies zusammenzuarbeiten
- In die Geschäftsbeziehungen der Compounder zu Zahlungsdienstleistern und Technologiefirmen eingegriffen haben
- Zusammengesetzte GLP‑1-Präparate öffentlich als unsicher dargestellt haben, um Patienten von der Nutzung abzuhalten
Eli Lilly weist die Vorwürfe deutlich zurück und bezeichnet die Klage als „falsch, sowohl in den Fakten als auch im Recht, und als Versuch, von eigenem Verhalten abzulenken“. Der Konflikt ist nicht neu: Lilly hatte Strive bereits im Oktober 2025 vor einem Bundesgericht in Arizona wegen angeblich irreführender Werbeaussagen verklagt. Ein weiteres Verfahren in Delaware wurde im selben Monat aus formalen Zuständigkeitsgründen abgewiesen.
Aktienkurs nach Rally unter Druck
Nach der Kombination aus FDA-Verzögerung und neuer Kartellklage hat die Aktie kurzfristig nachgegeben. Mit rund 1.033 US‑Dollar schloss der Titel gestern zwar spürbar unter dem jüngsten Rekordhoch, liegt aber weiterhin deutlich – fast 100 Prozent – über dem 52‑Wochen-Tief vom August 2025. Auf Sicht von zwölf Monaten steht trotz der aktuellen Schwächephase ein Plus von gut 40 Prozent zu Buche.
Der Relative-Stärke-Index (RSI) von 28,5 signalisiert kurzfristig einen überverkauften Zustand, während der Kurs klar über allen wichtigen gleitenden Durchschnitten verläuft. Das unterstreicht: Die jüngste Korrektur trifft eine Aktie, die zuvor eine außergewöhnlich starke Rally hinter sich hatte.
Strategie läuft weiter auf Hochtouren
Trotz der Gegenwinde aus Regulierung und Justiz hält Eli Lilly den Expansionskurs mit hohem Tempo. Am 12. Januar 2026 kündigte das Unternehmen eine Partnerschaft mit NVIDIA über ein KI-Co-Innovation-Lab im Volumen von 1 Milliarde US‑Dollar an. Ziel ist es, mit Hilfe der BioNeMo-Plattform und der Vera-Rubin-Infrastruktur von NVIDIA die Wirkstoffforschung zu beschleunigen und komplexe pharmazeutische Fragestellungen datengetrieben anzugehen.
Nur wenige Tage zuvor, am 7. Januar 2026, meldete Lilly eine verbindliche Vereinbarung zur Übernahme von Ventyx Biosciences für rund 1,2 Milliarden US‑Dollar. Mit dem Zukauf erweitert der Konzern seine Pipeline um mehrere orale Small-Molecule-Wirkstoffe gegen entzündungsbedingte Erkrankungen. Strategisch stärkt Lilly damit sein Standbein in der Behandlung chronischer Entzündungen und ergänzt das dominante Kardio‑Metabolik-Geschäft.
Verschärfter Wettbewerb im GLP‑1-Markt
Parallel wird der Wettbewerb im GLP‑1-Segment intensiver. Auf der J.P. Morgan Healthcare Conference in dieser Woche bezifferte Novo-Nordisk-CEO Mike Doustdar die Zahl der US‑Patienten, die derzeit zusammengesetzte GLP‑1-Medikamente nutzen, auf rund 1,5 Millionen. Genau dieses Segment versuchen beide Konzerne über Telemedizin-Partnerschaften und juristische Schritte gegen Compounder zu adressieren.
Die Verzögerung bei Orforglipron verschafft Novo Nordisk zusätzlichen Spielraum, die Marktposition von Wegovy in Pillenform zu festigen. In einem Markt, in dem der frühe Marktzugang den Ton setzen kann, verschiebt sich damit vorerst der taktische Vorteil. Für Eli Lilly wird der April-Termin der FDA zu einem klaren Fixpunkt: Eine Zulassung könnte den aktuellen Gegenwind abschwächen, eine weitere Verzögerung oder Auflage dagegen den Wettbewerbsvorteil des Rivalen weiter ausbauen.
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