Liebe Leserinnen und Leser,

gestern sprachen wir an dieser Stelle noch von der trügerischen Ruhe und dem Warten auf die Wall Street. Heute wissen wir: Der Impuls, den die Märkte so sehnlichst erwartet haben, kam nicht aus New York, sondern aus Mannheim – und er fiel deutlich kühler aus als erhofft.

Während die US-Börsen nach dem „Presidents' Day" erst heute Nachmittag wieder in das Geschehen eingreifen, hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) den Optimismus der letzten Wochen einem Stresstest unterzogen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Der DAX, der gestern noch lustlos um die 24.900 Punkte pendelte, wirkt heute wie paralysiert. Die psychologisch wichtige 25.000er-Marke, die gestern noch in greifbarer Nähe schien, rückt in weite Ferne.

Doch es sind nicht nur die Konjunkturdaten, die auf die Stimmung drücken. Wir erleben heute eine jener seltenen Marktphasen, in denen positive geopolitische Nachrichten – Stichwort: Diplomatie – zu Kursverlusten führen.

Hier ist, was Sie heute wissen müssen.

1. Konjunktur: Der Mannheimer Dämpfer und die Job-Rechnung

Beginnen wir mit dem Realitätscheck. Der heute veröffentlichte ZEW-Index für Februar ist eine kalte Dusche für alle, die auf einen nahtlosen Frühlingsaufschwung gewettet haben. Die Konjunkturerwartungen sanken überraschend um 1,3 Punkte auf 58,3 Zähler. Analysten hatten fest mit einem Anstieg auf über 65 gerechnet.

Zwar hat sich die Einschätzung der aktuellen Lage leicht verbessert, verharrt aber mit -65,9 Punkten tief im roten Bereich. ZEW-Präsident Achim Wambach spricht diplomatisch von einer „Phase fragiler Erholung".

Wie brüchig das Fundament tatsächlich ist, untermauert eine aktuelle Analyse von EY, die heute für Gesprächsstoff sorgt. Die nackten Zahlen sind alarmierend: Die deutsche Industrie hat im Jahr 2025 über 124.000 Stellen gestrichen. Allein die Autoindustrie zeichnet für 50.000 dieser Abbaupläne verantwortlich. Das ist kein zyklisches Atmen mehr, das ist ein struktureller Aderlass.

Das Detail für den Alltag:
Die heute bestätigte Inflationsrate von 2,1 Prozent birgt eine bittere Pointe. Während Energie günstiger wurde (-1,7 Prozent), explodierte der Preis für Schokolade um satte 21 Prozent. In Zeiten, in denen EY-Studien Jobängste schüren, wird ausgerechnet der kleine Seelentröster zum Luxusgut. Ein Sinnbild für die gefühlte Inflation, die in keinem Warenkorb adäquat abgebildet wird.

2. Rheinmetall: Die zynische Logik des „Friedens-Risikos"

Gestern berichteten wir über SAPs strategischen Schwenk hin zur Rüstungsindustrie. Heute sehen wir die Kehrseite dieser Medaille. An der Börse gilt eine zynische Mathematik: Frieden ist schlecht fürs Geschäft.

Die Aktie von Rheinmetall verliert heute über zwei Prozent und zieht Branchenkollegen wie Hensoldt mit in die Tiefe. Der Auslöser sind Berichte über wiederaufgenommene Gespräche zwischen der Ukraine und Russland in Genf sowie eine zweite Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran.

Nachdem der Sektor monatelang von der Eskalationsspirale profitierte, preisen die Algorithmen nun das „Risiko" einer Entspannung ein. Dass der Iran gleichzeitig Raketenübungen in der Straße von Hormuz abhält, wird ausgeblendet. Der Markt handelt heute das Szenario „Hoffnung", nicht das Szenario „Realität". Für Anleger ist das eine Erinnerung daran, dass politische Börsen zwar kurze Beine haben, aber sehr schmerzhafte Tritte austeilen können.

3. Tech-Sektor: Amazons historische Schwäche

Der Blick über den Atlantik, der sich heute Nachmittag wieder klären wird, verheißt wenig Gutes. Amazon verzeichnet eine historische Verlustserie von neun Tagen in Folge – die Aktie liegt 20 Prozent unter ihrem Rekordhoch. Die Gretchenfrage, die sich Investoren stellen, lautet: Wann rechtfertigen die KI-Ausgaben die gigantischen Kosten?

Diese Skepsis infiziert nun auch den deutschen Markt. Siemens und Siemens Energy notieren im Minus. Die Sorge wächst, dass der KI-Hype in eine Phase der Ernüchterung übergeht. Morgan Stanley warnt bereits vor „strukturellen Risiken" für den Softwaresektor.

Wie nervös der Markt auf operative Schwächen reagiert, musste heute die NORMA Group erfahren. Der Verbindungstechnik-Spezialist wurde nach einer enttäuschenden Prognose und einer Dividendenkürzung auf 0,40 Euro zeitweise um fast acht Prozent abgestraft. In diesem Umfeld werden Verfehlungen nicht mehr verziehen, sondern exekutiert.

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4. Krypto: Angst frisst Gier

Auch im digitalen Sektor ist von der gestrigen Hoffnung auf einen Ausbruch wenig geblieben. Während Aktienanleger nervös sind, herrscht bei Krypto-Investoren „Extreme Fear". Bitcoin klebt bei rund 68.000 US-Dollar fest.

Die Netto-Abflüsse aus den US-Spot-ETFs in den letzten Wochen wiegen schwerer als die Hoffnung auf das Halving. Der Markt realisiert, dass die Zinswende kein Selbstläufer ist. Wenn selbst die als „digitales Gold" gepriesenen Assets in einem unsicheren Umfeld wackeln, deutet das auf eine sinkende Risikobereitschaft im gesamten Finanzsystem hin.

Das Fazit

Die Hängepartie, die wir gestern beschrieben haben, hat sich heute Vormittag als Falle entpuppt. Ohne die Liquidität der Wall Street fehlte dem DAX die Kraft für den Ausbruch, und mit den schwachen ZEW-Daten fehlt ihm nun das Argument.

Alle Augen richten sich jetzt auf die Eröffnung in New York und die im Wochenverlauf anstehenden Protokolle der US-Notenbank. Bis dahin gilt: Bleiben Sie skeptisch, vor allem wenn „gute" Nachrichten (wie Friedensgespräche) zu „schlechten" Kursen führen. Das sind oft die Momente, in denen sich für den kühlen Rechner Chancen ergeben.

Ich wünsche Ihnen einen erkenntnisreichen Handelstag.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann