Deutsche Bank Aktie: Politischer Spagat
Zwischen unabhängiger Analyse und politischer Rücksichtnahme: Die Deutsche Bank ist in einen geopolitischen Konflikt zwischen Washington und Europa geraten. Auslöser war ein Research-Report zu möglichen Verkäufen von US-Assets durch europäische Investoren – und ein darauf folgender Anruf von CEO Christian Sewing bei US-Finanzminister Scott Bessent. Wie belastbar ist die Unabhängigkeit von Bank-Research, wenn zentrale Kundenbeziehungen auf dem Spiel stehen?
CEO-Distanzierung nach brisantem Research
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos schilderte US-Finanzminister Scott Bessent am 21. Januar 2026 einen ungewöhnlichen Vorgang: Christian Sewing habe ihn persönlich kontaktiert, um sich von einem Bericht der eigenen Research-Abteilung zu distanzieren.
Bessent machte dabei klar, dass es sich aus seiner Sicht um eine Einzelmeinung handelte. Die Vorstellung, dass Europäer in größerem Stil US-Assets verkaufen könnten, sei von „einem einzelnen Analysten der Deutschen Bank“ gekommen, so Bessent. Sewing habe betont, dass die Bank diesen Report nicht unterstütze.
Der Vorgang steht vor dem Hintergrund eines bereits seit 2025 verschärften Tons gegenüber großen Banken unter der Trump-Administration. Schon damals hatte der Präsident Institute wie Goldman Sachs öffentlich attackiert, wenn Analysen als politisch unerwünscht galten.
Der Saravelos-Report im Kern
Auslöser des Konflikts war eine Analyse von George Saravelos, globaler Leiter der FX-Forschung des Instituts. Der am 19. Januar 2026 veröffentlichte Report beleuchtete die Folgen von Trumps Zolldrohungen gegen mehrere europäische Länder im Zusammenhang mit dem Grönland-Streit.
Zentrale Punkte des Reports:
- Europäische Länder halten US-Anleihen und -Aktien im Volumen von rund 8 Billionen US-Dollar
- Die geoökonomische Stabilität der westlichen Allianz könnte „existenziell gestört“ werden
- Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, warum Europäer US-Assets weiterhin in diesem Umfang halten sollten
Die Bank reagierte offiziell mit einem Hinweis auf die Unabhängigkeit ihrer Research-Einheit. Man betonte, einzelne Notizen spiegelten nicht zwingend die Meinung des Managements wider. Zu etwaigen Gesprächen mit Regierungsvertretern äußerte sich ein Sprecher nicht.
Damit blieb der politische Kern des Vorgangs unausgesprochen: Die Deutsche Bank bewegt sich zwischen der formalen Unabhängigkeit ihres Research und der Notwendigkeit, zentrale Beziehungen in den USA nicht zu gefährden.
Politischer Druck und besondere Rolle der Deutschen Bank
Der Fall reiht sich in ein Muster ein, das seit Trumps Amtszeit klarer zu Tage tritt. Banken, deren Analysen politisch sensibel sind, geraten schneller ins Visier der Administration. Research, das früher als reine Marktmeinung galt, bekommt damit direkt politische Relevanz.
Die Deutsche Bank ist dabei besonders exponiert. Als einer der offiziellen Primary Dealer für US-Staatsanleihen ist sie eng an das US-Finanzministerium angebunden. Diese Rolle macht die Geschäftsbeziehung strategisch wichtig – und erhöht den Anreiz, Konflikte mit Washington zu vermeiden.
Laut einem Bericht von Bloomberg stand Sewing vor einer heiklen Abwägung: Rückendeckung für den eigenen Analysten oder Rücksicht auf einen Schlüsselkunden. Die nun bekannt gewordene Distanzierung legt nahe, dass die Beziehung zum US-Finanzministerium Priorität hatte.
Kursbild: Rücksetzer nach starkem Jahr
An der Börse verlief die Woche für die Aktie unruhig, ohne jedoch aus technischer Sicht ein klares Alarmsignal zu senden. Am Freitag schloss der Titel bei 32,88 Euro, ein Minus von 1,54 % zum Vortag.
Im Überblick:
- 7 Tage: -1,92 %
- 30 Tage: -16,79 %
- 12 Monate: +72,06 %
- Abstand zum 52-Wochen-Hoch bei 39,66 Euro: -17,08 %
- Abstand zum 52-Wochen-Tief bei 17,85 Euro: +84,23 %
Damit hat die Aktie nach einem sehr starken Zwölfmonatsverlauf zuletzt deutlich Luft abgegeben, bleibt aber klar über ihren längerfristigen Durchschnittswerten. Der Kurs liegt nur knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 32,60 Euro und rund 12 % über der 200-Tage-Linie (29,26 Euro). Der RSI von 55,9 signalisiert ein neutrales Momentum, von Übertreibungen ist charttechnisch aktuell wenig zu sehen.
Ausblick: Zahlen und Termine im Fokus
Operativ rückt nun der 29. Januar 2026 in den Mittelpunkt, wenn das Institut seine vorläufigen Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2025 vorlegt. Der aktuelle Analystenkonsens vom 16. Januar geht von einem spürbaren Gewinnanstieg aus.
Wichtige anstehende Termine:
- 29. Januar 2026: Vorläufige Jahreszahlen 2025, Pressekonferenz und Analysten-Call (11:00 Uhr CET)
- 30. Januar 2026: Fixed Income Investor Conference Call (15:00 Uhr CET)
- 12. März 2026: Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2025
Für das vierte Quartal 2025 erwarten 13 Analysten im Durchschnitt Erträge von 7,64 Milliarden Euro, für das Gesamtjahr rund 32,0 Milliarden Euro Umsatz. Charttechnisch bleibt nach dem Bruch der 20-Tage-Linie am 23. Januar vor allem eines entscheidend: Solange der seit April 2025 laufende Aufwärtstrend hält, bleibt der jüngste Rücksetzer ein Rücklauf in einer übergeordneten Aufwärtsbewegung – politische Störfeuer inklusive.
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