Zwei deutsche Food-Tech-Pioniere, zwei völlig unterschiedliche Schicksale. Während Delivery Hero diese Woche mit einem überraschend starken Free Cashflow aufhorchen ließ, markierte HelloFresh ein neues 52-Wochen-Tief. Doch wer hat langfristig die besseren Karten?

Der Paukenschlag der Woche

Delivery Hero sorgte am Donnerstag für ein regelrechtes Beben. Die vorläufigen Jahreszahlen übertrafen beim Free Cashflow die Erwartungen deutlich – über 200 Millionen Euro statt der angepeilten 120 Millionen. Doch der Markt reagierte paradox: Die Aktie stürzte um mehr als 7 Prozent ab. Der Grund? Das Gross Merchandise Value verfehlte mit 49,2 Milliarden Euro die Analystenprognosen knapp.

HelloFresh durchlebt derweil einen schleichenden Vertrauensverlust. Mit 4,69 Euro markierte die Aktie am Mittwoch ein frisches Jahrestief. Das einstige Börsenliebling der Pandemie-Ära kämpft gegen schrumpfende Kundenzahlen und einen brutal umkämpften Markt.

Wer wächst, wer schrumpft?

Die Wachstumsdynamik könnte unterschiedlicher kaum sein. Delivery Hero steigerte den Umsatz 2025 um beeindruckende 20,9 Prozent auf vergleichbarer Basis. Das Quick-Commerce-Segment – also die ultraschnelle Lieferung von Lebensmitteln – wuchs sogar um 30 Prozent.

HelloFresh hingegen verzeichnete ein Umsatzminus von 4,5 Prozent. Das Meal-Kit-Modell, einst Wachstumsmotor, verliert an Zugkraft. Die Kunden kehren dem Abo-Modell den Rücken – ein strukturelles Problem, das sich nicht einfach wegsparen lässt.

Kennzahl Delivery Hero HelloFresh
Umsatzwachstum 2025 +20,9 % -4,5 %
Free Cashflow >200 Mio. € negativ
Marktkapitalisierung 6,80 Mrd. € 723 Mio. €

Die Bilanz entscheidet

Hier zeigt sich der fundamentale Unterschied. Delivery Hero sitzt auf einem Bargeldpolster von 2,1 Milliarden Euro und hat erstmals einen deutlich positiven Free Cashflow erwirtschaftet. Das bereinigte EBITDA überschritt die Marke von 900 Millionen Euro.

HelloFresh operiert unter Druck. Die Quick Ratio von nur 0,39 signalisiert ein erhebliches kurzfristiges Liquiditätsrisiko. Unter dem Strich stand 2025 ein Nettoverlust von knapp 60 Millionen Dollar. Die Schuldenquote liegt bei kritischen 116 Prozent des Eigenkapitals.

Was sagen die Analysten?

Die institutionellen Reaktionen auf Delivery Hero fielen gemischt aus. Die Stagnation im hochprofitablen MENA-Geschäft – das Quartalswachstum lag bei null – sorgt für Stirnrunzeln. Dennoch: Die EBITDA-Prognose für 2026 liegt bei rund einer Milliarde Euro.

Für HelloFresh hagelte es drastische Kursziel-Senkungen. Von ehemals 10,50 Euro auf nur noch 5,50 Euro – ein Schnitt um fast die Hälfte. Das Konsensrating kippt zunehmend in Richtung Verkaufsempfehlung.

Technisch am Scheideweg

Beide Aktien befinden sich in kritischen Chartregionen. Delivery Hero hat die psychologisch wichtige 20-Euro-Marke nach unten durchbrochen. Der nächste Support liegt beim Tagestief von 18,86 Euro, darunter droht ein Test des 52-Wochen-Tiefs bei 15,73 Euro.

HelloFresh operiert praktisch im freien Fall. Das frische Jahrestief bei 4,69 Euro bietet kaum historischen Halt. Die 50-Tage-Linie bei 5,56 Euro fungiert als massiver Widerstand. Mit einem Beta von nur 0,21 vollzieht das Papier Marktaufschwünge nicht mit – ein Zeichen extremer relativer Schwäche.

Die Bewertungsfrage

Kennzahl Delivery Hero HelloFresh
EV/Sales 0,68x 0,15x
EV/EBITDA 9,2x 2,4x
Current Ratio 1,12 0,78

HelloFresh wird auf einem extremen Distressed-Niveau gehandelt. Ein EV/Sales von 0,15 – der Markt preist praktisch ein Katastrophenszenario ein. Bei einem erfolgreichen Turnaround wäre das Aufholpotenzial enorm. Doch genau hier liegt das Problem: Der Turnaround muss erst gelingen.

Delivery Hero erscheint mit einem EV/EBITDA von 9,2 fair bewertet. Die Skalierung funktioniert, der Cashflow fließt. Das Risiko liegt in der hohen Verschuldung durch Wandelanleihen von 2,8 Milliarden Euro.

Wer hat die Nase vorn?

Für wachstumsorientierte Anleger bietet Delivery Hero die überzeugendere Story. Der Sprung in die Free-Cashflow-Positivität ist ein Meilenstein. Das Quick-Commerce-Geschäft wächst rasant, die AdTech-Sparte verspricht margenstarke Zusatzerlöse.

HelloFresh ist ein reiner Turnaround-Trade. Die Aktie setzt auf radikale Kostensenkungen und eine operative Neuausrichtung. Wer hier einsteigt, wettet darauf, dass das Management das Ruder herumreißen kann – gegen den Trend eines schrumpfenden Meal-Kit-Marktes.

Das Fazit

Im direkten Duell punktet Delivery Hero mit operativer Stärke und finanzieller Stabilität. Die Aktie hat zwar kurzfristig Federn gelassen, doch die fundamentale Entwicklung stimmt. HelloFresh hingegen kämpft ums Überleben in einem strukturell schwierigen Markt.

Für risikobereite Anleger mit Turnaround-Fantasie mag HelloFresh reizvoll erscheinen. Die nüchterne Analyse spricht jedoch klar für Delivery Hero – zumindest solange HelloFresh keinen überzeugenden Plan präsentiert, wie das Geschäftsmodell wieder wachsen soll.

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