Das ifo-Paradoxon: Wenn Hoffnung an 15 Prozent zerschellt
Liebe Leserinnen und Leser,
88,6 Punkte. Eine Zahl, die an diesem Montagmorgen aus München kam und eigentlich Anlass zur Freude geben sollte. Der ifo-Geschäftsklimaindex, unser zuverlässigstes konjunkturelles Stimmungsbarometer, kletterte auf den höchsten Stand seit August 2025. ifo-Präsident Clemens Fuest sprach von den „ersten Anzeichen einer Erholung". Für einen kurzen Moment schien es, als würde die deutsche Wirtschaft endlich die Kurve kriegen.
Doch wer zur Mittagszeit auf die Kurstafeln blickte, sah vor allem eines: Rot. Der DAX gab ein halbes Prozent ab und notierte bei rund 25.142 Punkten. Das Rekordhoch von Mitte Januar bei 25.507 Punkten – wieder ein Stück weiter entrückt.
Die Erklärung für diese Dissonanz haben Sie am Wochenende an dieser Stelle bereits gelesen. Die 15-Prozent-Zölle, die Donald Trump per Exekutiverlass aktiviert hat, überlagern jeden noch so positiven Datenpunkt aus der Heimat. Lassen Sie uns heute gemeinsam analysieren, wie dieses juristische Tauziehen die Märkte lähmt – und wo sich zwischen den Schlagzeilen dennoch Chancen verbergen.
Das juristische Katz-und-Maus-Spiel
Erinnern Sie sich an meine Zeilen vom Freitag? Der Supreme Court hatte Trumps globale Zölle auf Basis des Notstandsgesetzes IEEPA mit 6 zu 3 Stimmen für verfassungswidrig erklärt. Die US-Zollbehörde kündigte an, die Erhebung dieser Abgaben ab Dienstagmitternacht einzustellen. Ein Triumph der Institutionen.
Die Freude währte keine 48 Stunden. Trump griff zu „Section 122" des Trade Act von 1974 – ein verstaubtes Instrument aus der handelspolitischen Mottenkiste. Das Ergebnis: ein sofort gültiger globaler Basiszoll von 15 Prozent. Der Haken: Diese Regelung ist auf maximal 150 Tage befristet. Dann muss der Kongress entscheiden.
Für Unternehmen ist dieses Hin und Her verheerend. BDI-Präsident Peter Leibinger forderte heute die rasche Ratifizierung des ausgehandelten EU-USA-Zolldeals und warnte vor der „zusätzlichen Unsicherheit". Zu Recht. Denn Planungssicherheit ist die Währung, die in den Chefetagen am meisten zählt – und die gerade am schnellsten an Wert verliert.
Zwei Gesichter der deutschen Exportwirtschaft
Wie unterschiedlich die protektionistischen Tendenzen bereits durchschlagen, offenbaren die Jahresbilanzen zweier Schlüsselbranchen.
Der Maschinenbau trägt schwer. Die Exporte sanken 2025 um 1,8 Prozent auf 198,5 Milliarden Euro. Der Einbruch im US-Geschäft um glatte 8 Prozent schmerzt besonders. VDMA-Chefvolkswirt Johannes Gernandt formulierte es unverblümt: Die amerikanischen Zölle träfen die Branche „ins Mark".
Die Elektro- und Digitalindustrie hingegen lieferte ein Kontrastprogramm. Die Ausfuhren stiegen um 5,1 Prozent auf den Rekordwert von 257,5 Milliarden Euro. Bemerkenswert: Die USA haben China mittlerweile als größten Abnehmer deutscher Elektronikgüter überholt. Es zeigt sich einmal mehr: Wer die richtigen Zukunftstechnologien im Portfolio hat, kann sich auch im rauesten handelspolitischen Klima behaupten.
Der tiefe Fall des Abnehm-Königs
Einen veritablen Schock erlebten die Aktionäre von Novo Nordisk. Die Papiere des dänischen Pharmakonzerns brachen in Kopenhagen um 13 Prozent ein – auf ein Niveau, das wir seit Sommer 2021 nicht mehr gesehen haben.
Was war geschehen? Im Milliardenmarkt der Abnehmspritzen verzeiht der Markt keine Enttäuschungen. Novo Nordisks Hoffnungsträger „Cagrisema" verfehlte in einer Phase-3-Studie den primären Endpunkt. Die Probanden verloren zwar beachtliche 23 Prozent ihres Körpergewichts nach 84 Wochen – doch der eindeutige Beweis der Überlegenheit gegenüber Eli Lillys Konkurrenzprodukt Zepbound blieb aus.
Es ist eine harte Lektion in Sachen Erwartungsmanagement: Wenn eine Aktie auf Perfektion gepreist ist, reicht ein „sehr gut" schlicht nicht mehr aus.
Gold glänzt, Bitcoin blutet
Die geopolitische Gemengelage hinterlässt tiefe Spuren bei den Anlageklassen. Am Donnerstag stehen in Genf die nächsten Nukleargespräche mit dem Iran an, während ein militärisches Ultimatum aus Washington im Raum schwebt.
Gold reagiert als klassischer Krisenprofiteur. Die Feinunze kletterte zuletzt auf über 5.180 US-Dollar – ein Drei-Wochen-Hoch. Der sichere Hafen zieht wieder Kapital an.
Bei Bitcoin sieht das Bild völlig anders aus. Die Kryptowährung rutschte zeitweise um fast 5 Prozent und notiert nun deutlich unter der psychologisch wichtigen Marke von 65.000 Dollar. Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache: In den letzten fünf Wochen haben Investoren 3,8 Milliarden Dollar aus US-gelisteten Bitcoin-ETFs abgezogen. Die Trump-Rally ist Geschichte, geschätzte 2 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung sind verdampft. Das Narrativ von Bitcoin als „digitalem Gold" bekommt in Krisenzeiten erneut tiefe Risse.
Die jüngsten geopolitischen Spannungen eröffnen nicht nur für Gold neue Perspektiven – auch der Verteidigungssektor erlebt einen fundamentalen Wandel. Carsten Müller analysiert in seinem kostenlosen Webinar „Bytes statt Bomben", wie die NATO-Ostflanke mit digitaler Verteidigungstechnologie gesichert wird und welche vier spezialisierten Technologieunternehmen davon profitieren könnten. Er zeigt konkret, wie Drohnenabwehr, KI-gestützte Aufklärung und automatisierte Schutzsysteme einen Milliardenmarkt schaffen, der bis 2030 auf über 160 Milliarden Dollar anwachsen soll. Sie erfahren, welche Unternehmen bereits heute NATO-Verträge halten und wie sich diese „New Defence"-Revolution von klassischer Rüstung unterscheidet. Müller rechnet mit einem kombinierten Gewinnpotenzial von bis zu 934 Prozent für diese vier Spezialisten. Details zur New Defence-Analyse
Der Ausblick: Tarifstreit und KI-Gigant
In Deutschland beginnt ab heute die fünfte und entscheidende Tarifrunde zwischen der Deutschen Bahn und der GDL. Scheitern die Verhandlungen, drohen im März massive Streiks.
Doch die globale Finanzwelt richtet ihren Blick auf den Mittwoch: Am 25. Februar legt Nvidia seine Zahlen für das vierte Quartal vor. Der Konsens erwartet einen Umsatz von rund 65,7 Milliarden Dollar. Mit einer impliziten Volatilität von knapp 60 Prozent preisen die Optionsmärkte heftige Kursbewegungen ein. Nvidias Ausblick wird nicht nur über das Schicksal der eigenen Aktie entscheiden, sondern den Takt für den gesamten Technologiesektor in den kommenden Wochen vorgeben.
Behalten Sie also nicht nur die politischen Ticker aus Washington im Auge, sondern auch die fundamentalen Signale aus dem Silicon Valley. Die 25.000-Punkte-Marke des DAX wird von beiden Seiten unter Beschuss genommen.
Ich wünsche Ihnen einen klaren Kopf für diese ereignisreiche Handelswoche!
Herzlichst, Ihr
Eduard Altmann








