CTS Eventim crasht, Delivery Hero kontert — Turbulenter Freitag im MDAX
Minus 25 Prozent bei einem der bekanntesten MDAX-Titel, gleichzeitig ein Kurssprung beim ewigen Sorgenkind Delivery Hero. Der heutige Handelstag im deutschen Mittelwerteindex liefert drastische Kontraste — befeuert von einer dichten Berichtssaison und geopolitischen Spannungen rund um den Iran-Konflikt. Der MDAX verlor zeitweise rund 1,9 Prozent und schnitt damit schwächer ab als der DAX. Wer in den vergangenen 24 Stunden nicht auf die Zahlen geschaut hat, reibt sich die Augen.
Delivery Hero: Foodpanda-Verkauf und starke Guidance als Stütze
Delivery Hero sticht heute positiv heraus. Die Aktie legte über sechs Prozent zu und kletterte auf 16,69 Euro — ein ungewohntes Bild für einen Titel, der seit Jahresbeginn knapp 27 Prozent eingebüßt hat.
Der Impuls kommt von zwei Seiten. Erstens: Die Jahreszahlen 2025 überzeugten. Der Bruttowarenwert erreichte rund 49,2 Milliarden Euro, der Segmentumsatz stieg auf 14,8 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA landete bei 903 Millionen Euro, der freie Cashflow bei 250 Millionen Euro. Zweitens: Die Prognose für 2026 liegt mit einem bereinigten EBITDA von 910 bis 960 Millionen Euro am oberen Rand der Analystenerwartungen.
Zusätzlich sorgt der Verkauf des Taiwan-Geschäfts der Tochter Foodpanda an Grab für 600 Millionen US-Dollar für Erleichterung. Der Erlös fließt in den Schuldenabbau. JPMorgan bestätigte die Einstufung „Overweight" mit einem Kursziel von 28 Euro. Gemessen am aktuellen Kurs impliziert das erhebliches Aufwärtspotenzial — allerdings handelt es sich beim heutigen Plus eher um eine technische Erholung nach einem extrem schwierigen Jahresstart.
Wacker Chemie: Charttechnischer Aufwärtstrend trotz Verlustzahlen
Wacker Chemie gehört mit einem Plus von knapp einem Prozent auf 81,55 Euro ebenfalls zu den Gewinnern. Bemerkenswert: Der Kurs hat Anfang der Woche die 200-Tage-Linie nach oben gekreuzt und bewegt sich nun in kurz-, mittel- und langfristigen Aufwärtstrends. Seit dem 52-Wochen-Tief bei 59,50 Euro im April 2025 hat sich die Aktie um über 37 Prozent erholt.
Das klingt paradox angesichts des Zahlenwerks für 2025:
- Umsatz: 5,49 Milliarden Euro (minus vier Prozent)
- EBITDA: 427 Millionen Euro (minus 43 Prozent)
- Nettoverlust: 805 Millionen Euro — der höchste seit Jahren
Die Erklärung liegt im Ausblick. Das Management erwartet für 2026 ein Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich und ein EBITDA zwischen 550 und 700 Millionen Euro. Ein Effizienzprogramm soll bis Ende 2027 jährlich über 300 Millionen Euro einsparen. Die Dividende wurde gestrichen, der Sparkurs verschärft — und genau das kam an. Der Markt honorierte, dass die Guidance nicht so düster ausfiel wie befürchtet.
RTL: Sonderdividende und Streaming-Wende im Blick
RTL Group legt moderat auf 35,60 Euro zu. Der Medienkonzern steckt mitten in einem strategischen Umbruch. Der Verkauf von RTL Nederland an DPG Media brachte rund 1,1 Milliarden Euro ein und ermöglicht eine Sonderausschüttung von 5,00 Euro je Aktie, geplant für Mai 2026.
Für 2026 peilt das Management einen Umsatz von 6,1 bis 6,2 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes EBITA von rund 725 Millionen Euro an. Die Streaming-Sparte soll erstmals profitabel arbeiten — die Anlaufverluste sanken 2025 bereits auf 47 Millionen Euro.
Charttechnisch bewegt sich die Aktie direkt an der Widerstandszone um 35 Euro. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber wäre ein konstruktives Signal. Bernstein hob das Kursziel zuletzt von 30 auf 37 Euro an, behielt aber die Einstufung „Market-Perform" bei. Die Sky-Deutschland-Integration wird zeigen, ob RTL den Transformationskurs halten kann.
CTS Eventim: Historischer Absturz nach enttäuschendem Ausblick
Auf der Verliererseite dominiert ein Name alles: CTS Eventim. Mit einem Minus von fast 25 Prozent erlebte der Ticketvermarkter sein größtes Einzeltagsdebakel seit Jahren. Die Aktie notiert so tief wie zuletzt im Oktober 2023.
Die Zahlen für 2025 waren dabei auf den ersten Blick ordentlich. Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf 3,1 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA kletterte um acht Prozent auf 584 Millionen Euro. Beides über den Analystenerwartungen. Der Nettogewinn brach allerdings um 13 Prozent auf rund 277 Millionen Euro ein — und das hatte Konsequenzen.
CTS Eventim schüttet traditionell 50 Prozent des Nettogewinns aus. Die Dividende sinkt daher von 1,66 auf 1,44 Euro je Aktie. Schwerer wiegt der schwache Ausblick: Nur ein leichter Anstieg bei Umsatz und operativem Ergebnis wird erwartet. Das Management warnt explizit vor mehreren Risikofaktoren:
- Geopolitische Spannungen und schwache Konjunktur könnten den Ticketabsatz belasten
- Steigende Inflation schmälert die Konsumlaune
- KI-generierte Musik könnte mittelfristig das Live-Event-Geschäft beeinträchtigen
JPMorgan hält dennoch an der Einstufung „Overweight" mit einem Kursziel von 110 Euro fest. Ein mutiges Signal — die Kluft zwischen Kursziel und aktuellem Kurs ist enorm.
Aixtron: Malaysia-Expansion trifft auf Gewinnmitnahmen
Aixtron verlor heute über sechs Prozent und notiert bei 33,33 Euro. Für einen Titel, der seit Jahresbeginn um 70 Prozent zugelegt hat und seit dem 52-Wochen-Tief bei 9,13 Euro auf mehr als das Dreieinhalbfache gestiegen ist, kommt ein Rücksetzer nicht überraschend.
Den konkreten Anlass liefert die Ankündigung einer neuen Fertigungsanlage in Malaysia. Geschätzte Investitionskosten: rund 40 Millionen Euro, verteilt auf die zweite Jahreshälfte 2026 und die erste Hälfte 2027. Vorstandschef Grawert betonte, dass keine Personalreduzierungen in Europa geplant seien. JPMorgan wertet den Schritt als sinnvolle Diversifizierung der Produktionsbasis und bestätigt das Kursziel von 36,50 Euro.
Das fundamentale Bild bleibt allerdings zweigeteilt. Für 2026 plant Aixtron mit einem voraussichtlich unter dem Vorjahr liegenden Umsatz und einer EBIT-Marge von 16 bis 19 Prozent. Eine nennenswerte Gewinnsteigerung zeichnet sich noch nicht ab. In Kombination mit der ambitionierten Bewertung nach dem Kursanstieg überwiegt kurzfristig das Gewinnmitnahme-Sentiment.
Carl Zeiss Meditec: MDAX-Abstieg verschärft die Abwärtsspirale
Carl Zeiss Meditec fiel heute um knapp fünf Prozent auf 24,14 Euro. Die Aktie hat seit Jahresbeginn fast 39 Prozent verloren und notiert nur noch gut drei Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 65,65 Euro beträgt mittlerweile über 63 Prozent.
Gleich mehrere Faktoren belasten. Seit dem 23. März ist der Medizintechnikhersteller nicht mehr im MDAX, sondern im kleineren SDAX gelistet. Dieser Indexabstieg zwingt passive Fonds zu Umschichtungen und erzeugt zusätzlichen Verkaufsdruck. Heute kommt der Ex-Dividende-Tag hinzu — die Jahresdividende von 0,55 Euro je Aktie ist am 31. März zahlbar. Dieser technische Abschlag überlagert sich mit dem fundamentalen Druck.
Operativ ist die Lage ernst. Im ersten Quartal 2025/26 sank der Umsatz um knapp fünf Prozent auf 467 Millionen Euro. Die EBITA-Marge brach von 7,2 auf 1,7 Prozent ein, woraufhin das Management die Jahresziele vollständig zurücknahm. Schwache Nachfrage in den USA und Probleme in China belasten das Geschäft. Am 12. Mai will der Konzern mit den Halbjahreszahlen eine aktualisierte Prognose sowie konkrete Restrukturierungsmaßnahmen vorlegen — darunter Kostensenkungen und eine Neuausrichtung der Forschung. Bis dahin fehlt ein klarer Boden.
Berichtssaison und Iran-Konflikt prägen die kommenden Wochen
Der heutige Freitag zeigt das gespaltene Gesicht des MDAX in konzentrierter Form. Die Iran-Krise treibt die Energiepreise, erhöht den Inflationsdruck und erschwert erhoffte Zinssenkungen. Auf Einzeltitelebene entscheidet die Qualität der Prognosen über Wohl und Wehe: Wer enttäuscht — wie CTS Eventim oder Carl Zeiss Meditec — wird gnadenlos abgestraft. Wer operative Fortschritte liefert, kann sich auch im schwachen Umfeld behaupten. Berichtssaison und Geopolitik bleiben die bestimmenden Kräfte für MDAX-Anleger.
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