UniCredit hat im Ringen um die Commerzbank einen wichtigen juristischen Hebel in der Hand. Seit dem 22. Februar darf die italienische Großbank ein mögliches Übernahmeangebot vollständig mit eigenen Aktien bezahlen – und muss damit nicht zwingend tief in die Bargeldkasse greifen. Genau diese neue Flexibilität verschiebt das Kräfteverhältnis im laufenden Poker.

An der Börse bleibt die Lage angespannt: Die Commerzbank-Aktie notiert heute bei 33,72 Euro (-2,66%). In den vergangenen 30 Tagen ging es um 2,80% abwärts, trotz eines kräftigen Plus von 59,58% auf 12-Monats-Sicht.

UniCredit rückt an die 30%-Schwelle heran

Der übernahmerechtliche Knackpunkt: Wer in den sechs Monaten vor einem Angebot nicht mehr als fünf Prozent der Zielgesellschaft gegen Bargeld kauft, darf später komplett in Aktien bieten. UniCredit hatte zuletzt im August 2025 eine relevante Position gegen Geldleistung aufgebaut – mit Ablauf der Frist ist die „Aktientauschsperre“ nun passé.

UniCredit hält derzeit rund 26% direkt sowie weitere knapp 4% über Finanzinstrumente. Damit ist die 30%-Schwelle in Reichweite. Ab dieser Marke wäre die Bank verpflichtet, ein Angebot für alle ausstehenden Commerzbank-Anteile vorzulegen.

Politisch bleibt das Terrain allerdings schwierig. Der Bund hält weiter 12% und lehnt eine Übernahme ab. Das macht jede Eskalation nicht nur zu einer Finanz-, sondern auch zu einer Machtfrage.

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Abwehr mit Rekordzahlen, Anleihen und Ausschüttungen

Die Commerzbank setzt dem Übernahmedruck demonstrativ operative Stärke entgegen. Für 2025 meldete sie ein operatives Rekordergebnis von 4,5 Milliarden Euro – ein Plus von 18% gegenüber dem Vorjahr. Im vierten Quartal stieg der Umsatz um 6%, getragen von Trade Finance, Wertpapiergeschäft und Zahlungsverkehr. Gleichzeitig weist die Bank eine Cost-Income-Ratio von 59% aus, Kreditausfälle lagen bei 24 Basispunkten. Die Eigenkapitalrendite (ROTE) betrug 8,7%.

Zusätzlich sendete die Bank ein Signal über den Kapitalmarkt: Zwei Anleihen mit insgesamt 1,75 Milliarden Euro wurden platziert (1 Milliarde Euro bis 2031 sowie ein Green Bond über 750 Millionen Euro bis 2037). Auffällig: Das Konsortium musste laut Angaben keine Preisstabilisierung vornehmen – die Nachfrage trug die Papiere von Beginn an.

Auch bei der Kapitalrückführung dreht die Bank auf. Geplant sind 1,10 Euro Dividende je Aktie (nach 0,65 Euro im Vorjahr) sowie laufende Aktienrückkäufe von bis zu 540 Millionen Euro. Zusammen mit dem im Dezember 2025 abgeschlossenen Programm ergibt das für 2025 eine Gesamtkapitalrückführung von 2,7 Milliarden Euro. Für 2026 stellt die Bank eine ROTE von über 11,2% in Aussicht und will 100% des Nettoergebnisses über Dividenden und Rückkäufe ausschütten.

Ausblick bremst – und die Hängepartie trifft Firmenkunden

Trotz Rekordjahr kam der Ausblick nicht so gut an wie er klingt. Der Vorstand kündigte an, das bisherige Gewinnziel von 3,2 Milliarden Euro übertreffen zu wollen. Der Marktkonsens lag allerdings bereits bei 3,4 Milliarden Euro – damit blieb die Messlatte aus Sicht vieler Beobachter zu niedrig. Dazu belastet die Beteiligung an Aquila Capital: Erneut wurden 52 Millionen Euro abgeschrieben, wodurch bereits zwei Drittel des Kaufpreises aus 2024 verloren sind.

Spuren zeigt der Dauerpoker auch im Firmenkundengeschäft. Laut einer Analyse ist bei 72,3% der untersuchten Unternehmensfinanzierungen mindestens eine der beiden Banken Teil des Konsortiums, bei 32,7% sogar beide. Das bedeutet: Die Unklarheit betrifft viele Deals direkt – und nicht nur den Aktienkurs.

Und wie geht es nun weiter? Entscheidend wird, ob UniCredit die 30%-Schwelle tatsächlich erreicht – denn dann würde aus dem strategischen Werben sehr schnell ein verpflichtender nächster Schritt.

Zum Kalender: Das laufende Aktienrückkaufprogramm endet am 26. März 2026. Die Q1-Zahlen folgen am 8. Mai 2026, die Hauptversammlung ist für den 20. Mai angesetzt. Am 21. Mai ist Dividenden-Ex-Tag, die Auszahlung ist für den 25. Mai 2026 geplant.

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