Die Euphorie im DAX mit neuen Rekordständen trifft auf Ernüchterung bei der Commerzbank. Nach vorsichtigen Aussagen von UniCredit-Chef Andrea Orcel zur möglichen Übernahme hat sich die Stimmung deutlich abgekühlt. Der Kurs reagiert spürbar – und zeigt, wie stark die Aktie zuletzt von Übernahmehoffnungen geprägt war.

Orcel bremst Übernahmeerwartungen

Am Mittwoch machte Andrea Orcel unmissverständlich klar, dass mit einer schnellen Komplettübernahme der Commerzbank durch UniCredit vorerst nicht zu rechnen ist. Er verwies auf bestehende Hürden und relativierte die Erwartungen an einen zügigen Fusionsprozess.

Der Markt deutete diese Signale als Hinweis auf einen längeren, unsicheren Weg. Die Folge: kurzfristige Gewinnmitnahmen und ein schwächerer Verlauf der Aktie, während der DAX gleichzeitig auf ein neues Rekordniveau von über 25.000 Punkten kletterte.

Die Diskrepanz ist auffällig:
- DAX markiert ein neues Allzeithoch
- Commerzbank-Aktie zeigt Schwäche nach deutlichen Zugewinnen der vergangenen Monate
- Auslöser sind vor allem gedämpfte M&A-Erwartungen, nicht operative Schocks

Aktuell notiert die Aktie bei 34,90 Euro und damit auf dem Niveau des gestrigen Schlusskurses. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt sie dennoch mehr als 100 Prozent im Plus – ein Hinweis darauf, wie außergewöhnlich die Rallye seit dem Einstieg von UniCredit im September 2024 verlaufen ist.

Refinanzierung läuft unabhängig weiter

Parallel zu den strategischen Diskussionen arbeitet die Bank an ihrem operativen Fundament. Am 7. Januar wurden neue Benchmark-Anleihen in Euro mandatiert:

  • eine 5-jährige Senior-Preferred-Anleihe
  • ein 10-jähriger HoldCo-Preferred-Bond

Diese Emissionen unterstreichen, dass Refinanzierung und Funding-Management unverändert vorangetrieben werden. Für Investoren ist das ein Signal, dass das Tagesgeschäft nicht durch die Übernahmedebatte blockiert wird, auch wenn die Kursfantasie derzeit vor allem von der strategischen Perspektive getrieben ist.

Nach Ausnahmejahr folgt Katerstimmung

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Das Jahr 2025 war für die Commerzbank ein Ausnahmejahr. Seit dem Einstieg von UniCredit hat sich der Kurs deutlich beschleunigt, über zwölf Monate ergibt sich ein Plus von rund 114 Prozent. Auf dieser Basis wirkt der aktuelle Rücksetzer eher wie eine Korrektur nach einer Übertreibung als wie ein Bruch der Story.

Mehrere Faktoren prägen die Einordnung:

  • Übernahmeprozesse im europäischen Bankensektor sind erfahrungsgemäß zäh und komplex.
  • Die aktuelle Bewertung enthält laut Marktbeobachtung bereits eine Übernahmeprämie.
  • Aussagen wie die von Orcel nehmen dieser Prämie kurzfristig etwas Luft.

RBC Capital Markets bleibt mit „Sector Perform“ bei einer neutralen Einstufung. Zusammen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis um 16 (auf Basis aktueller Kurse) deutet das darauf hin, dass im Kurs bereits viel Zukunft und M&A-Hoffnung eingepreist ist.

Auch im Sektorvergleich zeigt sich ein differenziertes Bild: Während die Commerzbank stark von der Fusionsdebatte beeinflusst ist, profitieren andere Institute eher von makroökonomischen Faktoren wie Hoffnungen auf sinkende Ölpreise und Infrastrukturimpulse.

Technische Lage und Ausblick

Charttechnisch rückt kurzfristig die Zone um 34,90 Euro in den Fokus. Dieser Bereich fungiert derzeit als wichtige Unterstützungsmarke.

Einige technische Kennzahlen:
- Aktueller Kurs: 34,90 Euro
- 50-Tage-Durchschnitt: 34,60 Euro (Kurs leicht darüber)
- 200-Tage-Durchschnitt: 30,78 Euro (Abstand rund 13 %)
- 52-Wochen-Spanne: 16,26 bis 41,58 Euro

Der RSI von 45,6 signalisiert ein neutrales Momentum – weder überkauft noch klar überverkauft. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 69 Prozent unterstreicht jedoch, dass die Schwankungsbreite hoch bleibt, insbesondere bei neuen Signalen aus Mailand.

In den kommenden Wochen rücken zwei Punkte in den Mittelpunkt: Zum einen, ob die Unterstützung um 34,90 Euro hält oder einen sauberen Rücksetzer einleitet. Zum anderen, ob die nächsten Quartalszahlen genügend operative Stärke zeigen, um die aktuelle Bewertung auch ohne kurzfristige Übernahmefantasie zu tragen.

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