Ein markantes Umkehrsignal im Chart, eine stark gelaufene Aktie und gleichzeitig schwindende Übernahmefantasie durch UniCredit – die Lage bei der Commerzbank ist alles andere als eindimensional. Während kurzfristig die Technik Rückenwind liefert, rückt strategisch wieder stärker das Bild einer eigenständigen Bank in den Vordergrund. Wie fügt sich das zusammen?

Technische Lage: Hammer am Unterstützungsbereich

Im Handel am 8. Januar 2026 hat sich im Chart ein sogenannter „Candlestick Hammer“ gebildet. Dieses Muster tritt häufig nach Konsolidierungsphasen auf und gilt in der Charttechnik als Hinweis auf eine mögliche kurzfristige Trendwende nach oben.

Wesentlich ist dabei, dass der Kurs im Tagesverlauf auf 35,62 Euro anziehen konnte und damit eine wichtige Unterstützungszone bestätigt wurde. Der Bereich um die 50-Tage-Linie spielt dabei eine zentrale Rolle: Der einfache 50-Tage-Durchschnitt liegt aktuell bei rund 34,61 Euro, der Kurs notiert mit 35,45 Euro leicht darüber. Diese Verteidigung des gleitenden Durchschnitts stützt das Bild eines intakten Aufwärtstrends.

Wichtige technische Eckpunkte:

  • Aktueller Kurs: 35,45 Euro (gestern 34,90 Euro)
  • 50-Tage-Durchschnitt: 34,61 Euro (Kurs knapp darüber)
  • 52-Wochen-Hoch: 41,58 Euro (Abstand rund -15 %)
  • 52-Wochen-Tief: 16,26 Euro (Abstand rund +118 %)

Trotz einer jüngsten 7-Tage-Schwäche von rund 2,6 Prozent bleibt die 12-Monats-Performance mit gut 118 Prozent deutlich positiv. Aus technischer Sicht spricht das kurzfristige Hammer-Signal eher für eine Fortsetzung dieses größeren Aufwärtstrends als für eine unmittelbare Trendwende nach unten.

UniCredit: Übernahmefantasie wird ausgebremst

Auf der fundamentalen Seite sorgt vor allem Großaktionär UniCredit für Gesprächsstoff. Die italienische Bank hält derzeit rund 29 Prozent an der Commerzbank. Das Bundeskartellamt hatte bereits am 14. April 2025 grünes Licht für einen Ausbau dieser Beteiligung auf bis zu 29,99 Prozent gegeben. Damit waren Spekulationen um eine mögliche spätere Komplettübernahme neu entfacht worden.

UniCredit-CEO Andrea Orcel hat diese Fantasie jedoch zuletzt deutlich relativiert. Im Zentrum seiner Aussagen steht die Bewertung: Aus seiner Sicht ist die aktuelle Marktkapitalisierung der Commerzbank ambitioniert, zumindest was eine aggressive Aufstockung oder einen schnellen nächsten Übernahmeschritt betrifft.

Die Folge am Markt:
Statt einer baldigen, prämiengetriebenen Übernahmestory rückt wieder stärker das Szenario einer eigenständig agierenden Commerzbank in den Vordergrund. Der Kurs spiegelt damit weniger reine M&A-Hoffnungen wider, sondern zunehmend die operative Stärke und Ertragskraft des Instituts im „Stand-Alone“-Modell.

Anleiheplatzierung: Signal für solides Marktvertrauen

Parallel zur Debatte um die Aktionärsstruktur zeigt sich die Bank am Kapitalmarkt handlungsfähig. Jüngst platzierte sie erfolgreich einen „Dual Tranche Covered Bond“, also Pfandbriefe in zwei Laufzeitsegmenten bis 2031 und 2036.

Die Anleihe wurde Berichten zufolge deutlich überzeichnet. Das deutet auf eine hohe Nachfrage institutioneller Investoren nach qualitativ hochwertigen, besicherten Papieren hin – gerade vor dem Hintergrund eines politisch unsicheren Umfelds. Bemerkenswert ist dabei, dass die Emission „at or close to fair value“ erfolgen konnte.

Anzeige

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Commerzbank?

Für die Commerzbank bedeutet das:

  • uneingeschränkter Zugang zu Refinanzierungsmitteln
  • Ausgabe zu marktgerechten Konditionen
  • Bestätigung, dass Kreditqualität und Sicherheitenstruktur von Investoren als solide eingeschätzt werden

Damit wird die operative Stärke auf der Finanzierungsseite untermauert – unabhängig davon, ob sich die Eigentümerstruktur mittelfristig verändert oder nicht.

Analystenbild: Breite Spanne bei Kurszielen

Die Sicht der Analysten auf die Commerzbank ist derzeit alles andere als homogen. Einige Häuser – etwa Deutsche Bank Research – sehen das Potenzial für Kurse jenseits von 37 Euro. Andere Experten halten die Bewertung dagegen für ausgereizt, wenn man die Übernahmeprämie aus dem Kurs herausrechnet, und nennen faire Werte eher im Bereich von 28 bis 33 Euro.

Diese breite Spanne der Kursziele verdeutlicht die zentrale Unsicherheit:
Wie stark ist der aktuelle Kurs durch operative Fortschritte und Gewinndynamik gerechtfertigt – und welcher Anteil entfällt auf zusätzliche Fantasie durch einen möglichen späteren UniCredit-Schritt? Solange diese Frage offen bleibt, dürfte die Aktie sensibel auf neue Aussagen des Großaktionärs reagieren.

Marktumfeld: Rückenwind für Banktitel

Das übergeordnete Marktumfeld spielt der Commerzbank aktuell in die Karten. Der DAX notiert stabil über 25.000 Punkten und markierte im Tagesverlauf neue Höchststände. Stabile bis solide Wirtschaftsdaten dämpfen Rezessionssorgen und stützen insbesondere zyklische Branchen wie Banken.

In dieser Konstellation profitiert die Commerzbank zweifach:
Zum einen technisch durch das Verteidigen wichtiger gleitender Durchschnitte und die Ausbildung eines potenziell bullischen Candlestick-Musters. Zum anderen fundamental durch ein Umfeld, in dem das Kreditgeschäft und die Nachfrage nach Bankdienstleistungen tendenziell stabil bleiben.

Fazit: Zwischen Kursdynamik und Bewertungsdisziplin

Unterm Strich trifft bei der Commerzbank derzeit ein konstruktives Chartbild auf eine strategische Abkühlung der Übernahmefantasie durch UniCredit. Kurzfristig spricht der Hammer am Unterstützungsbereich dafür, dass Rücksetzer vorerst begrenzt bleiben könnten, solange der Kurs über der 50-Tage-Linie notiert.

Mittelfristig wird entscheidend sein, ob das Institut die jüngst gezeigte operative Stärke – etwa über erfolgreiche Emissionen wie den Dual Tranche Covered Bond – in nachhaltig höhere Erträge übersetzen kann. Gelingt das, könnte die Bewertung auch ohne zusätzliche M&A-Prämie stützend wirken; fällt die operative Entwicklung dagegen hinter die Erwartungen zurück, droht die aktuell ambitionierte Bewertung zunehmend hinterfragt zu werden.

Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 8. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 8. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Commerzbank: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...