Bloom Energy sorgt mit einem Schlag für neue Dimensionen im Brennstoffzellen-Geschäft. Ein gigantisches Rechenzentrumsprojekt in Wyoming und ein Milliardenvertrag mit American Electric Power (AEP) haben die Erwartungen an Wachstum und Profitabilität nach oben geschoben. Kein Wunder, dass der Kurs zuletzt regelrecht nach oben gezogen wurde – doch wie solide sind die neuen Hoffnungen tatsächlich unterlegt?

Mega-Projekt in Wyoming als Wachstumstreiber

Auslöser der jüngsten Rally war die Genehmigung eines Rechenzentrumsstandorts nahe Cheyenne im US-Bundesstaat Wyoming. Die Bezirksverwaltung von Laramie County winkte die Pläne für ein 1,8-Gigawatt-Rechenzentrum durch, das als Teil eines noch größeren Campus mit 2,7 Gigawatt Leistung vollständig mit eigener Stromerzeugung versorgt werden soll.

Nach Einschätzung von Morgan-Stanley-Analyst David Arcaro sollen in diesem Komplex rund 900 Megawatt an Festoxid-Brennstoffzellen von Bloom Energy verbaut werden. Er beziffert das potenzielle Umsatzvolumen daraus auf etwa 3 Milliarden US-Dollar über mehrere Jahre. Die Dimension ist bemerkenswert: Der Data-Center-Campus soll fast das Dreifache des heutigen gesamten Stromverbrauchs des Bundesstaats Wyoming abdecken.

Damit rückt Bloom Energy in eine Schlüsselrolle für die Energieversorgung großer Rechenzentren auf Basis eigener, verteilter Erzeugung – ein Feld, das im Zuge des KI- und Cloud-Booms enorm an Bedeutung gewinnt.

AEP zieht Milliarden-Option

Parallel dazu meldete American Electric Power eine entscheidende Weichenstellung. Eine nicht-regulierte AEP-Tochter hat ihre Option zum Kauf von 900 Megawatt Festoxid-Brennstoffzellen von Bloom ausgeübt. Der Deal hat ein Volumen von rund 2,65 Milliarden US-Dollar und knüpft direkt an das Wyoming-Projekt an.

Vertragsstruktur und Absicherung

Die Vereinbarung baut auf einem bereits im November 2024 geschlossenen Rahmenvertrag auf, der ursprünglich 1 Gigawatt Brennstoffzellenlieferungen sowie eine erste Tranche von 100 Megawatt vorsah. Mit der jetzt gezogenen Option füllt AEP dieses Volumen weiter auf.

Gleichzeitig gab der Versorger einen 20-jährigen Stromabnahmevertrag (Power Purchase Agreement) mit einem nicht genannten, aber als „High Investment Grade“ bezeichneten Kunden bekannt. Dieser Kunde will die gesamte Stromproduktion der geplanten Brennstoffzellenanlage in Wyoming abnehmen.

Wichtig für das Risiko-Profil: Laut AEP-Unterlagen steht der Abnahmevertrag unter bestimmten Bedingungen, die voraussichtlich bis zum zweiten Quartal 2026 erfüllt sein sollen. Sollten diese Bedingungen nicht eintreten, erhält AEP eine finanzielle Kompensation für sämtliche getätigten Investitionen und Kosten. Das reduziert das Projektrisiko auf der Kundenseite und stützt indirekt auch Bloom.

Preisniveau unter Analystenschätzung

Mizuho bestätigte nach der Meldung seine neutrale Einstufung für Bloom Energy, analysierte aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Vertrages genauer. Der durchschnittliche Verkaufspreis an AEP liegt demnach bei rund 2.950 US-Dollar pro Kilowatt und damit etwa 4,8 % unter der vorherigen Mizuho-Schätzung von 3.100 US-Dollar für die Jahre 2026 bis 2028.

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Das zeigt: Zwar sichert sich Bloom ein massives Auftragsvolumen, muss dafür aber mit einem etwas niedrigeren Preisniveau leben, als es einige Analysten zuvor angenommen hatten.

Kursverlauf: Von Pennystock-Niveau zum Hoch

An der Börse hat sich Bloom Energy in den vergangenen zwölf Monaten zu einem Paradebeispiel extremer Volatilität entwickelt. Die Aktie verzeichnete im letzten Jahr 76 Einzelbewegungen von mehr als 5 % an einem Tag und fiel im April 2025 zeitweise in den Bereich von gut 15 US-Dollar, bevor sie sich anschließend vervielfachte.

Inzwischen hat sich der Kurs an seinem 52-Wochen-Hoch festgebissen: Am Freitag schloss die Aktie bei 134,07 US-Dollar und liegt damit rund 495 % über dem Niveau vor einem Jahr. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt knapp 140 %, der 14-Tage-RSI von 92,1 signalisiert einen deutlich überkauften Markt.

Bewertung und Analystenlage

Auf Basis der aktuellen Prognosen wird Bloom Energy beim jüngsten Schlusskurs mit etwa dem 125-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt. Damit gehört das Papier zu den teuersten Energiewerten im Markt, gemessen an klassischen Bewertungskennziffern.

Der Bewertungsaufschlag spiegelt sich auch im Verhältnis zu den Analystenzielen wider: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 115 US-Dollar und damit bereits unter dem aktuellen Kursniveau. Die starke Rally der letzten Wochen hat die Konsensschätzungen damit faktisch überholt.

Auch inhaltlich sind die Meinungen geteilt. Von 26 Analysten, die Bloom Energy beobachten, haben fünf derzeit Verkaufsempfehlungen oder sogar „Strong Sell“-Ratings ausstehen. Bank of America etwa bleibt bei „Sell“, hat das Kursziel nach den Zahlen zum dritten Quartal zwar von 26 auf 39 US-Dollar angehoben, warnt aber, dass Anleger im Kurs derzeit eine Art „fünf Jahre ohne Fehl und Tadel“ einpreisen und große Kundenmeldungen eher als sichere Zusatzaufträge statt als mögliche Projekt-Pipelines behandeln. Die Botschaft: Der Markt setzt sehr viel Perfektion voraus.

Kapazitätsausbau und Kostenstruktur

Operativ arbeitet Bloom Energy daran, die Produktionskapazitäten dem wachsenden Auftragsvolumen anzupassen. Aktuell fertigt das Unternehmen in Fremont, Kalifornien, rund 1 Gigawatt Brennstoffzellenkapazität pro Jahr. Öffentlich kommuniziertes Ziel ist es, diese Kapazität bis Dezember 2026 auf 2 Gigawatt zu erhöhen.

Chief Commercial Officer Aman Joshi sieht dabei nach eigenen Angaben keine finanziellen Hürden. Als Basis nennt er rund 595 Millionen US-Dollar an liquiden Mitteln zum 30. September sowie eine Ende Dezember abgeschlossene, mehrwährungsfähige Kreditlinie über 600 Millionen US-Dollar mit Wells Fargo. Damit verfügt Bloom über einen erheblichen Finanzierungspuffer für den geplanten Hochlauf.

UBS-Analyst Manav Gupta verweist zudem darauf, dass das Unternehmen seine Kosten in den vergangenen Jahren im Schnitt um etwa 10 % pro Jahr senken konnte. Er erwartet weitere Effizienzgewinne, wenn Skaleneffekte stärker greifen. Langfristig könnte das Werk in Fremont auf bis zu 5 Gigawatt Produktionskapazität ausgebaut werden, was den Spielraum für zusätzliche Großaufträge deutlich erweitern würde.

Ausblick: Zahlen und mögliche neue Kunden

Der nächste konkrete Prüfstein steht bereits fest: Am 26. Februar 2026 legt Bloom Energy Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vor. Die Analystenkonsensschätzungen gehen von rund 1,9 Milliarden US-Dollar Umsatz für 2025 und etwa 2,46 Milliarden US-Dollar für 2026 aus, also weiter kräftigem Wachstum.

Auf der Nachfrageseite sehen einige Beobachter zusätzliche Fantasie. UBS-Analyst Gupta rechnet damit, dass bestehende Großkunden wie Oracle und AEP ihre Bestellungen in den kommenden Monaten aufstocken könnten. Zudem erwartet er, dass große Cloud- und Internetkonzerne wie Google, Microsoft oder Meta als neue Rechenzentrumskunden für Bloom hinzukommen. Ob und in welchem Umfang solche Verträge tatsächlich unterschrieben werden, dürfte entscheidend dafür sein, ob die aktuell sehr hohe Bewertung der Aktie auf diesem Niveau zu halten ist.

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