Beyond Meat gerät weiter in die Defensive. Nach neuen Problemen bei der Finanzberichterstattung und Änderungen an Kreditvereinbarungen gab die Aktie gestern spürbar nach. Die zentrale Frage für Anleger lautet dabei: Wie ernst sind die Bilanz- und Finanzrisiken inzwischen?

  • Aktie fällt um rund 5,6%
  • Finanzchefin übernimmt zusätzlich die Rolle des Hauptbuchhalters
  • Schuldenstruktur angepasst, Verwässerungsrisiko steigt
  • Hohe Verluste, schwache Nachfrage, Branche unter Druck

Wechsel im Finanzressort nach Kontrollmängeln

Beyond Meat hat die Trennung von Corporate Controller und Principal Accounting Officer Yi (Jevy) Luo mit Wirkung zum 23. Dezember bekanntgegeben. Die Personalie wurde bereits vergangene Woche per 8-K-Meldung bei der US-Börsenaufsicht SEC offengelegt.

Hintergrund ist eine im November gemeldete „wesentliche Schwäche“ im internen Kontrollsystem für die Finanzberichterstattung. Laut SEC-Unterlagen kam das Management zu dem Schluss, dass derzeit nicht ausreichend technisches Fachwissen vorhanden ist, um komplexe, nicht regelmäßig vorkommende Vorgänge korrekt zu bilanzieren. Betroffen sind insbesondere Transaktionen im Zusammenhang mit Vergütung, Schulden, Leasingverhältnissen und Optionsscheinen.

Finanzvorstand Lubi Kutua übernimmt die Funktion des Principal Accounting Officer vorübergehend zusätzlich. Für die erweiterten Aufgaben soll er keine zusätzliche Vergütung erhalten, während das Unternehmen nach einer dauerhaften Lösung sucht.

Maßnahmen zur Fehlerbehebung

Um die Kontrollschwäche zu beheben, hat Beyond Meat mehrere Schritte skizziert:

  • Aufstockung der Ressourcen in der Buchhaltung
  • Einstellung von Fachkräften mit ausgewiesener Bilanzierungs- und Börsenreporting-Expertise
  • Neue Schulungsprogramme für zentrale Finanz- und Accounting-Teams
  • Einbindung externer Rechnungslegungsspezialisten
  • Verschärfte Prüf- und Freigabeprozesse für Finanzberichte
  • Formalisierte Review-Prozesse für wesentliche, nicht routinemäßige Transaktionen

Schuldenstruktur und Verwässerungsrisiken

Zusätzlich zu den Personal- und Kontrollthemen hat Beyond Meat seine Finanzierungsvereinbarungen angepasst. Das Intercreditor Agreement wurde so geändert, dass bestimmte Second-Lien-Verbindlichkeiten künftig in Stammaktien getauscht werden können. Damit steigt das Risiko weiterer Verwässerung für bestehende Aktionäre.

Parallel dazu wurde in einer Side Letter-Vereinbarung mit dem Kreditgeber Unprocessed Foods der Ausübungspreis bestehender Optionsscheine von 3,26 US-Dollar auf 1,95 US-Dollar je Aktie gesenkt. Hintergrund sind bereits erfolgte und mögliche künftige Verwässerungsereignisse im Zusammenhang mit den bis 2030 laufenden Wandelanleihen.

Die Anzahl der durch die Warrants abgedeckten Aktien bleibt unverändert. Durch den niedrigeren Ausübungspreis nimmt jedoch die Wahrscheinlichkeit zu, dass die Optionsscheine tatsächlich ausgeübt werden und zusätzliche Aktien in den Markt kommen.

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Schwache Kennzahlen und angespannte Bilanz

Die im November veröffentlichten Zahlen zum dritten Quartal 2025 unterstreichen die schwierige Lage:

  • Nettoumsatz: 70,2 Mio. US-Dollar, ein Rückgang um 13,3 % im Jahresvergleich
  • Bruttogewinn: 7,2 Mio. US-Dollar (Marge 10,3 %) nach 14,3 Mio. US-Dollar (17,7 % Marge) im Vorjahr
  • Operativer Verlust: 112,3 Mio. US-Dollar, davon 77,4 Mio. US-Dollar nicht zahlungswirksame Wertminderungen
  • Nettoverslust: 110,7 Mio. US-Dollar bzw. 1,44 US-Dollar je Aktie

Zum 27. September 2025 verfügte Beyond Meat über rund 131,1 Mio. US-Dollar an liquiden Mitteln und rund 1,2 Mrd. US-Dollar an ausstehenden Finanzverbindlichkeiten. Zur Entlastung der Bilanz hatte das Unternehmen im Oktober ein Umtauschangebot abgeschlossen, bei dem ein Großteil der bis 2027 laufenden Wandelanleihen in neue 2030er Wandelanleihen und Aktien getauscht wurde.

Liquidität und Zahlungsziele

Daten des Kreditüberwachers Creditsafe deuten darauf hin, dass Beyond Meat seine Lieferanten im Schnitt später bezahlt als früher. Der Wert für „Days Beyond Term“ – also die Tage, um die Zahlungen über dem vereinbarten Ziel liegen – hat sich bis Mitte 2025 im Jahresvergleich auf 19 Tage verdoppelt. Der Branchendurchschnitt liegt demnach bei 12 Tagen.

Beyond Meat hat öffentlich bestritten, derzeit Pläne für einen Insolvenzantrag zu verfolgen.

Branchenumfeld belastet zusätzlich

Die gesamte Kategorie pflanzlicher Fleischalternativen steht unter Druck. Die Nachfrage liegt deutlich unter den Spitzenwerten der Jahre 2020 und 2021. Laut Reuters sind die US-Einzelhandelsumsätze mit gekühlten pflanzlichen Fleischprodukten um rund 17 % zurückgegangen.

Die Aktie von Beyond Meat hat seit Jahresbeginn 2025 etwa 70 % an Wert verloren. Damit spiegelt der Kurs sowohl unternehmensspezifische Probleme als auch den Gegenwind im Sektor wider. Nach einem Börsengang im Mai 2019 zu 25 US-Dollar und zwischenzeitlichen Höchstständen von über 230 US-Dollar notieren die Papiere inzwischen bei rund 1 US-Dollar.

Ausblick und Einschätzungen

Vor dem Hintergrund der unsicheren Geschäftsentwicklung gibt Beyond Meat nur eingeschränkte Prognosen. Für das vierte Quartal 2025 erwartet das Management Nettoumsätze zwischen 60 und 65 Mio. US-Dollar.

Parallel dazu sieht sich das Unternehmen verstärkter rechtlicher Prüfung ausgesetzt. Mehrere Kanzleien untersuchen mögliche Verstöße gegen Wertpapiergesetze im Zusammenhang mit den gemeldeten Wertminderungen und der identifizierten Kontrollschwäche in der Finanzberichterstattung.

Auf Analystenseite dominiert Zurückhaltung: Laut LSEG stufen sechs von neun Analysten die Aktie mit „Sell“ oder „Strong Sell“ ein. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 1,61 US-Dollar je Aktie und damit nur leicht über dem aktuellen Kursniveau.

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