BayWa Aktie: Tiefer Umbau
BayWa steckt in einer tiefgreifenden Restrukturierung, die Bilanz, Struktur und Führung gleichzeitig betrifft. Hohe Verluste, Schuldenabbau, der Verkauf von Sparten und ein überraschender CEO-Abgang treffen dabei auf neue Investitionen in profitable Bereiche und Effizienzmaßnahmen. Im Hintergrund belasten staatsanwaltschaftliche Ermittlungen zusätzlich das Bild. Wie ist dieses Gemisch aus Fortschritten und Risiken einzuordnen?
Restrukturierung: Schuldenabbau und Portfoliobereinigung
Im Zentrum des Umbauplans steht der Abbau der hohen Verschuldung und die Fokussierung auf renditestärkere Bereiche. Die wichtigsten finanziellen Schritte seit Ende 2025:
- Verkauf Cefetra-Gruppe: Erlös von 125 Millionen Euro an First Dutch
- Effekt auf Verschuldung: Bankverbindlichkeiten sinken um mehr als 650 Millionen Euro, davon rund 500 Millionen Euro durch Entkonsolidierung
- Kapitalerhöhung: Rund 179 Millionen Euro im November 2025
- Beteiligung der Großaktionäre: BRB und RAI zeichneten neue Aktien im Volumen von 125 Millionen Euro
- Zielgröße: Schuldenabbau um insgesamt 4 Milliarden Euro bis 2028
Damit zeigt der Konzern, dass er Bilanzrisiken aktiv adressiert. Der Verkauf der Getreidehandelstochter Cefetra war dabei ein zentraler Hebel, um die Verschuldung spürbar zu reduzieren und das Portfolio zu verschlanken.
Parallel investiert BayWa selektiv weiter in Kernsegmente. Die Tochter Abemec B.V. steckt 1,5 Millionen Euro in die Modernisierung und Erweiterung ihres Standorts im niederländischen Hoogeloon. Ziel ist der Ausbau der Servicekapazitäten für Landmaschinen in einer intensiv landwirtschaftlich genutzten Region. Das Management im Bereich Agricultural Equipment betont die langfristige Profitabilität des Standorts – trotz laufender Spar- und Umbaumaßnahmen.
Zahlen legen Ausmaß der Krise offen
Die Finanzkennzahlen zeigen, wie tief der Einschnitt ist. Für 2024 meldete BayWa:
- Umsatz: 21,1 Milliarden Euro (Vorjahr: 23,9 Milliarden Euro)
- EBIT: -1,1 Milliarden Euro (belastet durch außerplanmäßige Abschreibungen)
- Jahresergebnis: rund -1,6 Milliarden Euro
- Verwässertes Ergebnis je Aktie: -15,53 Euro
Auch 2025 startete schwach: Im ersten Quartal ging der Umsatz um 9,2 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro zurück. Das Management stellt jedoch in Aussicht, dass sich die Ergebnisqualität nach Abschluss der Transformationsmaßnahmen deutlich verbessern soll. Die geplanten Schritte zielen klar darauf ab, Ertrag und Kapitalstruktur bis 2028 spürbar zu stabilisieren.
Führungsvakuum und Ermittlungen
Zusätzliche Unsicherheit erzeugt die Führungsebene. Anfang Januar einigten sich Aufsichtsrat und CEO Dr. Frank Hiller auf eine sofortige Trennung. Sein Dienstvertrag läuft formal noch bis Ende Juli 2026, operative Aufgaben wurden jedoch auf die übrigen Vorstände verteilt. Hintergrund ist zunehmende Unzufriedenheit der Aktionäre, da Hiller nach Einschätzung des Unternehmensumfelds mehrfach die Chance verpasste, seine Zukunftsvision klar zu kommunizieren.
Nur wenige Tage später berichtete die Süddeutsche Zeitung über staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen den Konzern. Ermittler durchsuchten private Räumlichkeiten im Zusammenhang mit den Untersuchungen. Konkrete Vorwürfe sind bislang nicht öffentlich bekannt. Die Kombination aus CEO-Abgang und Ermittlungen verstärkt den Eindruck einer Übergangsphase mit erhöhten Unsicherheiten.
In einer Ad-hoc-Mitteilung stellte BayWa gleichzeitig klar, dass die Restrukturierung weiterhin planmäßig verlaufe und organisatorisch abgesichert sei, da die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden intern verteilt wurden.
Operative Effizienz: IT-Partnerschaft mit Cognizant
Auf der operativen Seite versucht das Unternehmen, Kostenstrukturen zu verschlanken und Prozesse zu standardisieren. Ende 2025 schloss BayWa einen Fünfjahresvertrag mit dem US-Dienstleister Cognizant. Der Partner übernimmt zentrale IT-Services und soll so Effizienzgewinne ermöglichen. Die Vereinbarung ist ein weiterer Baustein in der umfassenden Transformationsagenda.
Fazit: Restrukturierungsfall mit klaren Eckpunkten
Die BayWa Aktie bleibt ein klassischer Restrukturierungswert: hohe Verluste, deutlicher Umsatzrückgang und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen auf der Risikoseite, zugleich spürbarer Schuldenabbau, Kapitalmaßnahmen, Portfolioverkäufe und gezielte Investitionen in rentable Segmente auf der Fortschrittsseite. Bis 2028 soll die Transformation abgeschlossen sein, mit einem geplanten Schuldenabbau von 4 Milliarden Euro und einer nachhaltig verbesserten Ergebnisqualität als Kernzielmarken.
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