Bayer arbeitet sich weiter aus der Glyphosat-Falle heraus – und der Markt honoriert das. Fortschritte bei der Litigation, ein starkes Signal von Goldman Sachs und positive Impulse aus der Pharmasparte haben den Kurs in den vergangenen Monaten deutlich nach oben gezogen. Doch wie stabil ist dieser neue Optimismus, wenn zentrale Entscheidungen in den USA noch ausstehen?

Goldman-Einstufung und US-Politik als Treiber

Ein wichtiger Vertrauensbeweis kam von Goldman Sachs. Die US-Investmentbank hat Bayer in ihre „European Conviction Buy List“ aufgenommen – eine exklusive Auswahl von Titeln, denen die Analysten eine klare Outperformance zutrauen. Solche Listen sind gerade für große, institutionelle Investoren ein starkes Signal und können den Kapitalzufluss in eine Aktie spürbar beeinflussen.

Flankiert wird diese Einstufung von weiteren positiven Empfehlungen:
- JP Morgan: „Overweight“
- DZ Bank: „Kaufen“
- Merrill Lynch: „Buy“
- Barclays: „Equal Weight“ (neutral)

Parallel dazu kam politischer Rückenwind aus Washington. Aus dem US-Haushaltsgesetz 2026 wurde eine Passage gestrichen, die Pestizidhersteller umfassend vor Klagen geschützt hätte. Bayer hatte für diese Regelung intensiv lobbyiert, weil sie die Roundup-Klagen eingedämmt hätte. Dass sie nun fehlt, wirkt auf den ersten Blick nachteilig.

Trotzdem reagiert der Markt erleichtert. Hintergrund: Die US-Regierung hatte zuvor signalisiert, die Bemühungen des Konzerns um eine Entscheidung des Supreme Court zu unterstützen. Die Streichung der Gesetzespassage wird daher eher als Bestätigung dieses rechtlichen Wegs gewertet – statt als Rückschlag.

Wesentliche Fakten im Überblick:

  • Aufnahme in die „European Conviction Buy List“ von Goldman Sachs
  • Mehrere „Kauf“-Einstufungen weiterer Häuser
  • Streichung einer haftungsbegrenzenden Klausel aus dem US-Haushaltsgesetz
  • US-Regierung unterstützt den Weg vor den Supreme Court
  • Noch ca. 61.000 offene Roundup-Klagen, 132.000 bereits beigelegt

Supreme Court als möglicher Wendepunkt

Der zentrale Hebel bleibt der US Supreme Court. Anfang Dezember 2025 empfahl der Solicitor General, das höchste US-Gericht solle den Roundup-Fall prüfen. Das ist ein wichtiger Zwischenschritt, weil diese Empfehlung das Gericht in seiner Entscheidung über die Annahme des Falls beeinflussen kann.

Bayer argumentiert, dass die Zulassung von Glyphosat durch die US-Umweltbehörde EPA – ohne Krebswarnung – Bundesrecht ist und damit Vorrang vor einzelstaatlichen Schadensersatzklagen haben sollte. Eine für den Konzern positive Entscheidung könnte die rund 61.000 noch offenen Klagen massiv entwerten.

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Die Dimension des Themas zeigt ein Blick auf die bisherigen Lasten:
Der Konzern hat bereits rund 132.000 von 197.000 Fällen beigelegt und dafür etwa 11 Milliarden US-Dollar an Vergleichen gezahlt. Eine Klärung durch den Supreme Court wäre damit nicht nur juristisch, sondern auch bilanziell von hoher Tragweite.

Pharma-Pipeline liefert positive Signale

Parallel zur juristischen Baustelle liefert die Pharmasparte Argumente für eine operative Neubewertung. Im November 2025 erhielt das Lungenkrebsmedikament Sevabertinib (Markenname: Hyrnuo) die beschleunigte Zulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA. Das Mittel ist für Patienten mit HER2-mutiertem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom vorgesehen.

In der zugrunde liegenden SOHO-Studie erreichte der Wirkstoff bei therapienaiven Patienten eine Ansprechrate von 71 %. Das unterstreicht das Potenzial des Produkts in einem anspruchsvollen Indikationsgebiet und stärkt die Wahrnehmung der Pipeline.

Weitere Details zur Wachstumsstrategie und den Pipeline-Fortschritten will Pharma-Vorstand Stefan Oelrich am 13. Januar 2026 auf der J.P. Morgan Healthcare Conference in San Francisco präsentieren. Diese Konferenz gilt als wichtiger Gradmesser für die Positionierung großer Pharmawerte im internationalen Vergleich.

Charttechnik: Überkauft, aber stark

Charttechnisch hat sich das Bild in den vergangenen Monaten klar aufgehellt. Seit dem Frühjahr 2025 läuft ein stabiler Aufwärtstrend. Mit dem jüngsten Niveau von 38,18 Euro notiert die Aktie deutlich über ihren wichtigen Durchschnittslinien:

  • 50-Tage-Durchschnitt: 33,17 Euro (Abstand rund +15 %)
  • 100-Tage-Durchschnitt: 30,42 Euro
  • 200-Tage-Durchschnitt: 28,02 Euro (Abstand rund +36 %)

Auf Jahressicht ergibt sich damit ein kräftiges Plus von 93,36 %. Das 52-Wochen-Hoch bei 42,22 Euro ist zwar noch ein Stück entfernt, aber der Abstand von knapp 10 % wirkt aus technischer Sicht nicht unüberwindbar. Gleichzeitig liegt das Tief der vergangenen zwölf Monate bei 19,62 Euro – das aktuelle Kursniveau hat sich davon fast verdoppelt.

Ein Warnsignal kommt allerdings vom RSI (14 Tage) mit einem Wert von 19,6, der klar auf ein überkauftes Niveau hindeutet. Nach dem starken Anstieg steigt damit die Wahrscheinlichkeit kurzfristiger Gewinnmitnahmen. Die hohe annualisierte 30-Tage-Volatilität von 76,55 % bestätigt, dass es in beide Richtungen schnell gehen kann.

Konkreter Ausblick

Für die nächsten Wochen zeichnen sich drei zentrale Katalysatoren ab:
- Die mögliche Annahme und spätere Entscheidung des US Supreme Court im Roundup-Komplex
- Die Präsentation von Pipeline-Details und Strategie durch den Pharmavorstand am 13. Januar 2026 auf der J.P. Morgan Healthcare Conference
- Die Zahlen zum vierten Quartal 2025 am 25. Februar 2026

Operative Fortschritte in der Pharmasparte, eine klare rechtliche Weichenstellung in den USA und ein bestätigter Aufwärtstrend im Chart würden den Rebound der Aktie weiter stützen. Umgekehrt könnten Verzögerungen oder Rückschläge bei diesen Terminen den jüngsten Kursanstieg vorerst ausbremsen.

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