Bayer erlebt den stärksten juristischen Rückenwind seit der Monsanto-Übernahme. Eine Entscheidung des US Supreme Court im Glyphosat-Komplex hat am Freitagabend eine deutliche Kursreaktion ausgelöst. Im Raum steht eine mögliche Entschärfung des milliardenschweren Rechtsrisikos – wie weit trägt dieser Schub?

Supreme Court greift Durnell-Fall auf

Der Oberste Gerichtshof der USA hat beschlossen, die Berufung von Bayer im Fall „Durnell“ anzunehmen. Im Kern geht es um die Frage, ob Bundesrecht („Federal Preemption“) Vorrang vor einzelstaatlichem US-Recht hat.

Bayer argumentiert, dass der Konzern nicht nach Landesrecht wegen angeblich unzureichender Warnhinweise („Failure-to-warn“) verurteilt werden könne, wenn die zuständige Bundesbehörde EPA das Roundup-Etikett ausdrücklich ohne Krebswarnhinweis genehmigt hat.

Dass der Supreme Court diesen Fall überhaupt verhandelt, ist für Bayer von großer Tragweite. Marktteilnehmer sehen darin ein Signal, dass ein Grundsatzurteil zugunsten des Unternehmens möglich ist. Ein Erfolg könnte:

  • die rechtliche Basis für zahlreiche noch offene Glyphosat-Klagen erheblich schwächen
  • den finanziellen Druck aus dem Glyphosat-Komplex deutlich reduzieren
  • das seit Jahren belastende Rechtskapitel perspektivisch abschließen

Damit rückt erstmals seit Langem eine strukturelle Lösung der Glyphosat-Frage in greifbare Nähe – auch wenn der Prozess selbst noch bevorsteht.

Kursentwicklung: Rally nahe Mehrjahreshoch

Bereits seit Jahresbeginn hat die Aktie deutlich aufgeholt. Der Xetra-Schlusskurs am Freitag lag bei 41,52 Euro, ein moderater Tagesrückgang von 1,38 Prozent nach vorherigen Gewinnen.

Wichtige technische Eckpunkte:

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Bayer?

  • 12-Monats-Plus von gut 100 Prozent
  • Abstand zum 52-Wochen-Tief von rund 108 Prozent
  • 52-Wochen-Hoch bei 42,22 Euro nur knapp über dem jüngsten Schlusskurs
  • Kurs rund 44 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt (28,89 Euro)

Die Erholung ist damit weit fortgeschritten, die Notierung hat sich in wenigen Monaten deutlich vom Tief bei knapp 20 Euro gelöst. Gleichzeitig signalisiert ein sehr niedriger 14-Tage-RSI von 19,6 kurzfristig ein stark überverkauftes Niveau nach der jüngsten Volatilität – die ausschlaggebende Story bleibt aber klar fundamental: die mögliche Klärung des Glyphosat-Risikos.

Operative Unterstützung: Eylea-Zulassung in der EU

Parallel zur juristischen Entwicklung kommen auch aus dem operativen Geschäft Impulse. Die EU-Kommission hat die hochdosierte 8mg-Version des Augenmedikaments Eylea in einer dritten Indikation zugelassen.

Das stärkt:

  • die Marktposition eines der wichtigsten Pharma-Produkte
  • die Verteidigung gegen anlaufende Generika-Konkurrenz
  • die Glaubwürdigkeit der von CEO Bill Anderson angekündigten Stabilisierung der Pharmasparte

Damit steht dem positiven juristischen Momentum ein konkreter operativer Fortschritt zur Seite, der die Ertragsbasis im Pharmageschäft stützt.

Analysten: Stärkeres Momentum, aber weiterhin Risiken

Die jüngsten Reaktionen aus dem Analystenlager zeigen ein zunehmend freundliches Bild, wenn auch mit unterschiedlichen Akzenten:

  • Barclays hat Bayer auf „Overweight“ hochgestuft und ein Kursziel von 45 Euro genannt – ein Niveau, das nach der jüngsten Rally in Reichweite liegt.
  • MWB Research bleibt noch optimistischer mit einem Kursziel von 54 Euro und begründet dies mit einem verbesserten Chance-Risiko-Profil im Zuge der juristischen Entwicklungen.
  • UBS verharrt dagegen bei einer neutralen Einstufung und verweist auf strukturelle Themen wie Patentabläufe (etwa bei Xarelto) und langfristige Herausforderungen, die durch den Supreme-Court-Beschluss nicht verschwinden.

Damit spiegelt sich im Analystenkonsens ein Bild aus deutlicher Entspannung beim Rechtsrisiko, aber unverändert vorhandenen strategischen Baustellen.

Fazit: Juristischer Hebel für eine bereits laufende Erholung

Die Annahme des Durnell-Falls durch den US Supreme Court ist derzeit der zentrale Kurstreiber. Sie verstärkt eine ohnehin dynamische Erholungsbewegung und könnte im positiven Fall die jahrelange Glyphosat-Belastung strukturell entschärfen.

Kurzfristig ist die Aktie nach dem starken Anstieg und der hohen Abweichung von den gleitenden Durchschnitten anfällig für Schwankungen. Mittel- bis langfristig hängt viel davon ab, wie das höchste US-Gericht die Frage der Federal Preemption beantwortet – ein Urteil in diesem Verfahren dürfte zum nächsten klaren Wegweiser für die Bewertung des Konzerns werden.

Bayer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Bayer-Analyse vom 17. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Bayer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Bayer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 17. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Bayer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...