Das Glyphosat-Drama bei Bayer nimmt eine entscheidende Wendung. Nach Monaten des Bangens genehmigte ein US-Gericht in St. Louis am Mittwoch vorläufig den milliardenschweren Sammelvergleich. Für die unter Druck geratene Aktie bedeutet das zumindest eine Atempause – doch der Weg zur finalen Lösung bleibt steinig.

Der Deal umfasst Zahlungen von bis zu 7,25 Milliarden Dollar über maximal 21 Jahre. Damit sollen sowohl laufende als auch künftige Klagen wegen Non-Hodgkin-Lymphom beigelegt werden. "Das ist der erste wichtige Schritt für die Umsetzung des Sammelvergleichs", betonte Bayer nach der Gerichtsentscheidung. Konzernchef Bill Anderson hatte sich am Vormittag bei der Zahlenvorlage zuversichtlich gezeigt – wenige Stunden später kam das grüne Licht.

Noch lange nicht durch

Die vorläufige Genehmigung ist allerdings erst der Anfang. Bis Anfang Juni haben Kläger nun Zeit, den Vergleich abzulehnen oder Einwände einzureichen. Danach folgt eine weitere Anhörung, bevor die finale Entscheidung ansteht – gegen die wiederum Rechtsmittel möglich sind. Anderson hatte bereits im Februar klargemacht: Nahezu alle Kläger müssen zustimmen, damit der Deal steht.

Hinzu kommt eine weitere Unbekannte: Im Juni entscheidet der US Supreme Court im Fall "Durnell" über ein mögliches Grundsatzurteil. Die Richter müssen klären, ob Bundesrecht bei Warnhinweisen über Bundesstaatenrecht steht. Ein positives Urteil könnte Bayer deutlich entlasten, da die US-Umweltbehörde EPA bei vorschriftsmäßer Anwendung keine Gesundheitsrisiken sieht. Viele Kläger dürften diese Entscheidung abwarten, bevor sie dem Vergleich zustimmen.

Operative Zahlen enttäuschen

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Die Rechtsrisiken belasten nicht nur die Bilanz. Bayers Rückstellungen kletterten Ende 2025 auf 11,8 Milliarden Euro – der Großteil davon für Glyphosat. Der Konzern rechnet 2026 mit einem negativen freien Cashflow zwischen 1,5 und 2,5 Milliarden Euro, da rund fünf Milliarden für Rechtsstreitigkeiten abfließen dürften. Die Nettoverschuldung wird dadurch auf 32 bis 33 Milliarden Euro steigen, nachdem sie 2025 noch auf 29,8 Milliarden gefallen war.

Auch der Ausblick aufs operative Geschäft enttäuschte Investoren. Bayer peilt für 2026 ein Ebitda vor Sondereffekten von 9,1 bis 9,6 Milliarden Euro an – weniger als Analysten erhofft hatten. JPMorgan-Experte Richard Vosser sieht Korrekturbedarf bei den Marktschätzungen um bis zu drei Prozent, wovon allerdings ein Großteil auf Währungseffekte zurückgeht.

Die Aktie sackte am Mittwoch zunächst um 7,6 Prozent ab, erholte sich nach der Gerichtsentscheidung aber auf ein Minus von 2,4 Prozent bei 37,40 Euro. Vom Zwischenhoch nahe 50 Euro Mitte Februar ist der Kurs damit deutlich entfernt. Die anfängliche Euphorie über den Vergleichsvorschlag ist längst verflogen.

Seit November summieren sich die Kursgewinne dennoch auf rund ein Drittel. Positive Studiendaten zum Gerinnungshemmer Asundexian und die Hoffnung auf ein Ende des Rechtschaos hatten die Rally befeuert. Ob sich diese Hoffnung erfüllt, dürften die kommenden Monate zeigen.

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