In der Episode #1119 der Wiener Börse Party liefert Moderator Christian Drastil einen dichten Überblick über einen turbulenten Verfallstag, ordnet die jüngsten Kursbewegungen historisch ein und präsentiert ein aufschlussreiches Interview von Christine Petzwinkler mit Marinomed-CEO Andreas Grassauer zur angekündigten Kapitalerhöhung.

Verfallstag bringt hohe Volumina, aber keine Kursfreude

Der Freitag, 20. März, markierte einen Verfallstag an der Wiener Börse – und der verlief nach einem vielversprechenden Start enttäuschend. Um 15:21 Uhr notierte der ATX bei 5.228 Punkten, was einem Minus von 0,67 Prozent entsprach. Damit lag der österreichische Leitindex rund 100 Punkte unter seinem Jahresstartwert. Die anfängliche Stärke am Morgen konnte sich am Nachmittag nicht halten.

Dieser Artikel ist eine Added Value Version zu den Key-Insights einer Podcastfolge von audio-cd.at, aufgewertet durch Archivbausteine. Die hier veröffentlichten Gedanken/Schlüsse sind weder als Empfehlung noch als ein Angebot oder eine Aufforderung zum An- oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen und sollen auch nicht so verstanden werden. Der Handel mit Finanzprodukten unterliegt einem Risiko. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren.

Auf der Gewinnerseite standen die BAWAG mit einem Plus von 1,16 Prozent, gefolgt von Strabag und der Addiko Bank mit jeweils 0,6 Prozent Zuwachs. Auch der deutsche DAX rutschte ins Minus – dort führten Heidelberg Materials mit plus zwei Prozent, Infineon mit plus einem Prozent und Continental mit plus 0,6 Prozent die Gewinnerliste an.

Bemerkenswert war das Handelsvolumen: Bereits am Vortag wurden an der Wiener Börse 504 Millionen Euro umgesetzt, deutlich über dem Jahresdurchschnitt von 357 Millionen Euro. Für den Verfallstag selbst wurde ein nochmals höheres Volumen erwartet. Der Donnerstag ging dabei als neuntschwächster Tag in der ATX-Total-Return-Geschichte ein – gemessen an den absoluten Punkteverlusten. Mit 396,29 Minuspunkten gab es nur achtmal größere Tagesverluste, wobei das hohe Indexniveau diese absolute Zahl relativiert.

Marinomed: Kapitalerhöhung soll Finanzierungslücke schließen

Die wichtigste Unternehmensnachricht kam von Marinomed. Das Biotech-Unternehmen kündigte an, sich über eine Kapitalerhöhung frisches Kapital sichern zu wollen. Konkret sollen bis zu 459.985 neue Aktien zu einem Ausgabepreis von 14 Euro platziert werden.

Im Gespräch mit Chefredakteurin Christine Petzwinkler erläuterte CEO Andreas Grassauer die Hintergründe: Der Bruttoemissionserlös soll bei mindestens zwei Millionen Euro liegen. Eine Million davon hat bereits ein Ankerinvestor zugesagt, der bisher noch nicht in Marinomed investiert war. „Er unterstützt uns, eine Transaktionssicherheit zu erreichen", so Grassauer.

Dem CEO war es wichtig zu betonen, dass bei dieser Kapitalerhöhung auch Kleinanleger die Möglichkeit zur Zeichnung erhalten. Es werden Bezugsrechte im Verhältnis 4 zu 1 eingeräumt. Das frische Kapital ist für die Erfüllung des Sanierungsplans und die Schließung einer entstandenen Finanzierungslücke vorgesehen.

Die Hintergründe der Finanzierungslücke bei Marinomed

Die Lücke entstand laut Grassauer durch eine Kombination aus anstehenden Zahlungsverpflichtungen und verzögerten Einnahmen. Im Zuge des Sanierungsverfahrens seien bis Mai des nächsten Jahres noch 5,2 Millionen Euro zu zahlen, wobei die nächsten Zahlungen im zweiten und vierten Quartal fällig werden.

Gleichzeitig verzögern sich Zahlungen aus der Karagelo-Transaktion mit Unita. Insgesamt erwartet Marinomed Zahlungseingänge in Höhe von rund 15 Millionen Euro aus der Unita-Vereinbarung. Allerdings seien dabei Umsätze aus den Jahren 2025 und 2026 zu berücksichtigen, was bedeutet, dass ein Teil der potenziellen Zahlungen erst 2027 fließen wird. Die klare Zielsetzung formulierte der CEO unmissverständlich: „Wir wollen ein profitables Unternehmen sein." Weitere Produktupdates, darunter Informationen zu den sogenannten Cyber-Tagen, finden sich im ausführlichen Artikel auf der zugehörigen Plattform.

Trump als „bester Mitarbeiter" – DADAT-Chef mit pointierter Analyse

Einen augenzwinkernden Moment lieferte DADAT-CEO Ernst Huber im gettex-Podcast. Auf die Frage nach seinem wichtigsten Mitarbeiter gab er eine überraschende Antwort: „Ich sage immer ein bisschen, der Trump ist eigentlich unser bester Mitarbeiter, der sorgt für Turbulenz, der sorgt für Umsätze."

Die Aussage mag provokant klingen, spiegelt aber eine Realität des Online-Brokerage-Geschäfts wider: Politische Unsicherheit und Marktvolatilität treiben die Handelsaktivität und damit die Umsätze der Broker in die Höhe. Erwähnt wurde in diesem Zusammenhang auch, dass die DADAT kürzlich ein Krypto-Onboarding anbietet, das der Podcast-Host selbst mit Kundenbetreuerin Ulrike Fischer durchlaufen hat.

Historischer Rückblick: Der 20. März 2020 und seine Rekorde

Zum sechsten Jahrestag der Covid-Krise ordnete der Podcast die damaligen Marktbewegungen ein. Der 20. März 2020 war ein gewaltiger Gegenbewegungstag nach oben, der bei mehreren ATX-Titeln Rekorde setzte. Die FACC verzeichnete ihren besten Handelstag überhaupt mit einem Plus von 26 Prozent. Der Flughafen Wien legte an diesem Tag 28,2 Prozent zu – ebenfalls ein Allzeit-Tagesrekord. Selbst die OMV schaffte mit 20,5 Prozent und der Verbund mit 20,2 Prozent jeweils ihren besten Handelstag. Der ATX insgesamt verbuchte mit 10,7 Prozent Plus seinen drittbesten Tag.

Doch diese Erholung kam nach verheerenden Verluststrecken. Die Serien, die rund um diesen Tag endeten, waren beeindruckend negativ: CA Immo verlor 43,4 Prozent am Stück über 11 Tage, die S Immo sogar 51 Prozent in ebenfalls 11 Tagen. Wienerberger büßte 49,7 Prozent in 12 Tagen ein, und die Addiko Bank fiel um 42,9 Prozent in 9 Handelstagen. Auch eine historische Notiz zum 20. März 2018 wurde erwähnt: An diesem Tag markierte die FACC ihr damaliges Hoch bei 24,25 Euro – das Ende der ersten ATX-Ära des Unternehmens.

Research-Updates: Jefferies und Berenberg mit neuen Einschätzungen

Trotz der dünnen Nachrichtenlage, die an Freitagen und Verfallstagen üblich ist, gab es zwei bemerkenswerte Analystenkommentare. Jefferies bestätigte nach dem heftigen Kursrutsch des Vortages die Kaufempfehlung für Kontron mit einem Kursziel von 27 Euro. Die Analysten sahen keine operative Grundlage für den starken Kursrückgang. Berenberg wiederum bestätigte die Kaufempfehlung für Palfinger, reduzierte jedoch das Kursziel von 45 auf 42 Euro.

Zusammenfassung: Ein Verfallstag zwischen Volatilität und Strategie

Der Handelstag bot ein typisches Bild für einen Verfallstermin: hohe Volumina, volatile Kursbewegungen und eine dünne Nachrichtenlage abseits der Marktmechanik. Die Marinomed-Kapitalerhöhung sticht als bedeutendste Unternehmensmeldung hervor – mit einem klaren Plan zur Schließung der Finanzierungslücke, einem gesicherten Ankerinvestor und dem ausdrücklichen Einbezug von Kleinanlegern. Historisch erinnert der Tag an die extremen Ausschläge der Covid-Krise vor sechs Jahren, während die aktuellen Analysteneinschätzungen zu Kontron und Palfinger Orientierung in einem nervösen Marktumfeld bieten. Die DADAT-Anekdote zum „besten Mitarbeiter Trump" unterstreicht dabei, dass Volatilität für Broker nicht nur Risiko, sondern auch Geschäftschance bedeutet.