ASML Aktie: Finanzielle Entwicklungen
ASML steht mitten im Spannungsfeld zwischen enormen Investitionsplänen der Chipbranche und einer bereits sehr ambitionierten Bewertung. Große Kunden wie TSMC und Micron drehen ihre Investitionsbudgets deutlich nach oben – und genau darauf baut das optimistische Szenario von Morgan Stanley. Gleichzeitig warnen andere Häuser, dass der jüngste Kursanstieg schon zu viel Zukunft einpreist. Wie stichhaltig ist also der aktuelle Optimismus rund um die Aktie?
Investitionswelle als Kurstreiber
Der Kern der bullischen Argumentation: Die großen Halbleiterkunden planen deutlich höhere Ausgaben, vor allem für modernste Fertigungstechnologien, bei denen ASML mit seiner EUV-Lithografie eine Schlüsselrolle spielt.
- TSMC will die Investitionen für 2026 um 32 % auf rund 54 Milliarden US‑Dollar erhöhen. Besonders wichtig: 70–80 % dieses Budgets sollen in hochmoderne Fertigungsknoten unter 7 Nanometern fließen, die auf ASMLs EUV-Anlagen angewiesen sind.
- Micron, ein großer Speicherchiphersteller, peilt für das laufende Geschäftsjahr eine Steigerung der Investitionen um 45 % auf 20 Milliarden US‑Dollar an.
Auf Basis dieser Capex-Pläne leitet Morgan Stanley ein sehr optimistisches Ertragsszenario ab. Demnach könnte der Gewinn je Aktie von 24,78 Euro im Jahr 2025 bis 2027 auf 46 Euro nahezu klettern. Unterlegt man diese Schätzung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 44,7, ergibt sich im „Bull Case“ ein theoretisches Kursziel von 2.407 US‑Dollar – rund 70 bis 80 % über dem heutigen Niveau.
Damit wäre die Aktie in den kommenden Jahren ein klarer Profiteur der AI‑getriebenen Investitionswelle – vorausgesetzt, die Kunden halten ihre Pläne durch und ASML kann die höhere Nachfrage operativ umsetzen.
Analysten tief gespalten
Parallel zu den aggressiven Szenarien von Morgan Stanley zeigt sich die Analystenlandschaft jedoch alles andere als einig. Die Bewertungen reichen von klar positiv bis zu expliziten Verkaufsempfehlungen.
- UBS und Bernstein bleiben bei ihren positiven Einschätzungen („Buy“ bzw. „Outperform“) und sehen Kursziele um 1.400 Euro (rund 1.650 US‑Dollar). Im Mittelpunkt ihrer Argumentation steht die zentrale Rolle der EUV-Lithografie für die Produktion von Hochleistungschips im KI‑Zeitalter.
- Berenberg bestätigt ebenfalls ein „Buy“-Rating mit Kursziel 1.300 Euro. Hier wird insbesondere das faktische Monopol von ASML im High-End-Lithografie-Segment hervorgehoben.
- Deutlich vorsichtiger ist Banco Santander: Am 24. Januar 2026 stufte die Bank die Aktie auf „Underperform“ (Verkaufen) ab. Begründung: Nach der starken Rally seien die positiven Szenarien weitgehend eingepreist, das Chance-Risiko-Verhältnis kippe in Richtung Bewertungsrisiko.
Diese Spannbreite der Einschätzungen verdeutlicht, wie kontrovers der Markt aktuell auf die Kombination aus langfristiger Wachstumsperspektive und hoher Bewertung reagiert.
Bewertung und Marktdaten
Nach dem jüngsten Anstieg notiert die Aktie dicht am 52‑Wochen-Hoch. Am Freitag schloss der Titel bei 1.389,04 US‑Dollar, nur rund 0,4 % unter dem Rekordwert der vergangenen zwölf Monate. Auf 30‑Tage-Sicht steht ein Plus von gut 30 %, auf Jahressicht hat sich der Kurs fast verdoppelt.
Die Bewertung bleibt entsprechend anspruchsvoll: Mit einem KGV von über 40 ist die Aktie klar in die „Wachstumswert“-Schublade einsortiert. Das bedeutet: Der Markt unterstellt über Jahre hinweg hohe Zuwächse – Abweichungen von diesem Pfad können schnell zu stärkeren Ausschlägen führen.
Zum Vergleich: Für 2026 rechnen Konsensschätzungen bei Nvidia mit einem Wachstum von 51 %, bei TSMC mit 31 %. ASML kommt im Schnitt auf etwa 15 % erwartetes Wachstum. Kritiker argumentieren daher, dass der Bewertungsaufschlag gegenüber anderen großen Profiteuren des AI‑Trends nur bedingt durch kurzfristige Wachstumsraten gedeckt ist.
Institutionelle Zuflüsse und AI-Kontext
Trotz der hohen Bewertung steigen institutionelle Adressen weiterhin ein. Im dritten Quartal hat Davidson Kahn Capital Management eine neue Position aufgebaut und 1.288 Aktien im Wert von etwa 1,25 Millionen US‑Dollar erworben.
Das passt zu einem breiteren Sektorbild: Anbieter von Infrastruktur und Fertigungstechnologie wie ASML gelten als klassische „pick-and-shovel“-Profiteure des AI‑Booms – also als Ausrüster derjenigen, die direkt von der KI‑Nachfrage profitieren. Die Logik dahinter: Egal, welche Chipdesigner sich durchsetzen, ohne modernste Lithografieanlagen geht es nicht.
Gleichzeitig erhöht dieser Status den Druck auf das Unternehmen. Hohe Margen, starke Marktstellung und AI‑Fantasie sind bereits im Kurs reflektiert. Umso sensibler reagiert der Markt auf jedes Signal, das auf eine Abschwächung dieser Story hindeuten könnte.
Ausblick: Quartalszahlen als nächster Test
Der nächste zentrale Prüfstein steht in wenigen Tagen an: Am 28. Januar 2026 legt ASML die Zahlen zum vierten Quartal vor. Dann wird sich zeigen, ob das Unternehmen die hohen Erwartungen untermauern kann – sowohl beim Auftragseingang als auch beim Ausblick auf 2026 und 2027.
Für Anleger sind die Fronten klar gezogen: Auf der einen Seite steht ein langfristig überzeugendes AI‑Nachfrageszenario, gestützt durch massiv steigende Investitionspläne großer Kunden. Auf der anderen Seite eine Bewertung, die bereits sehr viel davon vorweggenommen hat und wenig Raum für Enttäuschungen lässt. Die anstehenden Quartalszahlen und der Ausblick dürften daher maßgeblich bestimmen, ob sich das bullische Szenario à la Morgan Stanley weiter durchsetzt oder ob die skeptischeren Stimmen kurzfristig Oberwasser gewinnen.
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