Aroundtown glänzt, Lanxess stürzt ab — MDAX-Chemie unter Iran-Druck
Ein Plus von fast sieben Prozent bei Aroundtown, ein Minus von über sechs Prozent bei Lanxess — der Quartalsauftakt im MDAX könnte kaum gegensätzlicher ausfallen. Während Immobilienwerte von Übernahmedynamik und Dividendenrückkehr profitieren, drückt der Iran-Konflikt den gesamten Chemiesektor in die Knie. Gestörte Schifffahrtsrouten, explodierende Energiekosten und eine ohnehin schwache Nachfrage treffen Lanxess, Evonik und Wacker Chemie gleichzeitig.
Aroundtown: Dividendenrückkehr und Übernahme beflügeln
Mit einem Tagesplus von 6,8 Prozent auf 2,47 Euro zählt Aroundtown zu den stärksten MDAX-Werten am heutigen Mittwoch. Zwei Katalysatoren treiben den Kurs.
Erstens: Die laufende Übernahmetransaktion bei der Wohnimmobilien-Tochter Grand City Properties nähert sich dem Ende. Aroundtown will den Anteil auf knapp 90 Prozent ausbauen. Aktionäre können bis zum 9. April eine Grand-City-Aktie gegen vier Aroundtown-Anteile tauschen — das Angebot wurde vom GCP-Vorstand einstimmig empfohlen. Mit ablaufender Frist gewinnt die Transaktion an Zugkraft.
Zweitens: Die Rückkehr zur Dividende. Erstmals seit 2021 schlägt der Konzern wieder eine Ausschüttung vor — 0,08 Euro pro Aktie für das Geschäftsjahr 2025. Ab 2026 sollen sogar 50 Prozent des operativen Ergebnisses an Aktionäre fließen. Nach Jahren der Zurückhaltung ein klares Signal.
Die operative Basis stützt die Bewertung: Nettomieteinnahmen von 1,18 Milliarden Euro und ein Mietwachstum von 3,0 Prozent. Als Immobilienunternehmen bleibt Aroundtown zudem weitgehend immun gegen den Iran-bedingten Energiepreisschock. Mit einem KGV von 4,82 — dem niedrigsten im MDAX — lockt die Aktie zunehmend Schnäppchenjäger an.
Lanxess: Zwischen Strukturkrise und Hormus-Blockade
Am anderen Ende der Skala steht Lanxess. Die Aktie verliert 6,4 Prozent auf 17,94 Euro und markiert damit den schwächsten MDAX-Wert des Tages. Der Kölner Spezialchemiekonzern steht unter mehrfachem Druck.
Die Ausgangslage war bereits desaströs: 2025 beschrieb Konzernchef Matthias Zachert als „extrem hartes" Geschäftsjahr. Unter dem Strich stand ein Verlust von 577 Millionen Euro — mehr als dreimal so viel wie das Vorjahresminus von 177 Millionen Euro. Positive Impulse erwartet das Management frühestens im zweiten Halbjahr 2026, etwa durch das Infrastrukturpaket der Bundesregierung.
Jetzt kommt der Iran-Konflikt als akute Belastung hinzu. Die Blockade der Straße von Hormus trifft Lanxess besonders hart. Die Werke lassen sich nicht mehr ausreichend auslasten. Als Reaktion verschärft der Konzern sein Sparprogramm:
- Zusätzliche Einsparungen von 100 Millionen Euro jährlich bis Ende 2028
- Abbau von 550 Stellen, davon rund zwei Drittel in Deutschland
- Gescheiterter Envalior-Verkauf belastet die Bilanz — die erhofften 1,2 Milliarden Euro für den 41-Prozent-Anteil bleiben aus
Die Analysten reagieren entsprechend. Barclays senkte das Kursziel auf 14 Euro mit Einstufung „Underweight". Auch JPMorgan sieht die Aktie skeptisch und verweist auf Überkapazitäten aus China. Deutsche-Bank-Analyst Tristan Lamotte warnte, ohne den Envalior-Ausstieg blieben die Schulden hoch. Mit einem Jahresminus von über 35 Prozent auf Zwölfmonatssicht befindet sich Lanxess trotz der jüngsten Wochenerholung in einem ausgeprägten Abwärtstrend.
Evonik: Korrektur nach Sechs-Monats-Hoch
Evonik gibt 2,6 Prozent auf 16,40 Euro ab. Noch am Vortag hatte die Aktie bei 16,83 Euro ein neues Sechs-Monats-Hoch markiert — der heutige Rücksetzer unterbricht einen Aufwärtstrend, der seit dem 25. März rund 12 Prozent Kursgewinn gebracht hatte. Seit Jahresbeginn liegt Evonik dennoch über 23 Prozent im Plus und damit deutlich besser als die Chemie-Konkurrenz.
Fundamental zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Prognose für 2025 wurde mit einem bereinigten EBITDA von 1,87 Milliarden Euro erreicht. Für 2026 erwartet das Management weiterhin zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro. Die Aktie fungiert allerdings zunehmend als Barometer für die europäische Industriestimmung — jede Meldung zu Energiepreisen oder Handelskonflikten schlägt unmittelbar auf den Kurs durch.
Die Branche insgesamt kämpft mit Grundstoffmangel. BASF hat die Preise für Inhaltsstoffe bereits um bis zu 20 Prozent erhöht. Fehlende Grundstoffe für Nylon und Klebstoffe infolge des Iran-Kriegs verschärfen die Lage. Evonik versucht gegenzusteuern: Ab dem Geschäftsjahr 2026 soll die Dividende zwischen 40 und 60 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses betragen. Für 2025 sind übergangsweise 1,00 Euro je Aktie geplant.
Wacker Chemie: Verlustjahr erzwingt Dividendenverzicht
Wacker Chemie verliert 2,2 Prozent auf 83,65 Euro. Bemerkenswert: Noch am Vortag hatte die Aktie bei 85,50 Euro ihr 52-Wochen-Hoch erreicht. Das deutliche Jahresminus des Vorjahres holt den Konzern nun ein.
Die Zahlen ernüchtern. Wegen Abschreibungen und Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Sparprogramm verbucht Wacker Chemie für 2025 einen Verlust von 805 Millionen Euro — nach 261 Millionen Euro Gewinn im Vorjahr. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung am 6. Mai deshalb vor, für 2025 keine Dividende zu zahlen. Der gesamte Bilanzgewinn von rund 815 Millionen Euro soll vorgetragen werden.
Um gegenzusteuern, hat Wacker Chemie zwei Hebel angesetzt:
- Preiserhöhungen: Ab heute, dem 1. April, steigen die Preise für Siliconprodukte — eine direkte Reaktion auf die gestiegenen Energiekosten durch den Nahost-Konflikt
- Sparprogramm: Seit Herbst 2025 sollen jährlich über 300 Millionen Euro eingespart werden, verbunden mit dem Abbau von mehr als 1.500 Stellen, überwiegend in Deutschland
Kurzfristig verunsichern Preiserhöhungen die Anleger. Die Sorge: Kunden könnten abwandern oder die Nachfrage einbrechen. Besonders die Polymer-Sparte leidet unter einer trägen Bauwirtschaft. Trotzdem hat sich die Aktie seit dem 52-Wochen-Tief bei 59,50 Euro im April 2025 um über 40 Prozent erholt — ein Zeichen, dass der Markt den Restrukturierungskurs mittelfristig honoriert.
Sektorrotation im MDAX setzt sich fort
Der Quartalsauftakt am 1. April offenbart die tiefe Spaltung im MDAX. Auf der einen Seite günstig bewertete Immobilienwerte mit Übernahmedynamik und Dividendenversprechen. Auf der anderen Seite ein Chemiesektor im Schraubstock aus struktureller Nachfrageschwäche, chinesischen Überkapazitäten und dem akuten Energiepreisschock.
Steigende Energiepreise fressen die Margen auf. Hält die Situation an, droht zusätzlich ein Nachfrageeinbruch, weil auch die Konsumlaune leidet. Bankhäuser wie Oddo BHF und Berenberg prognostizierten für 2026 ein Wachstum der MDAX-Gewinne um etwa 30 Prozent — diese Schätzungen stammen allerdings aus der Zeit vor der Eskalation im Nahen Osten.
Die Sektorrotation weg von energieintensiven Industriewerten hin zu defensiveren Titeln dürfte sich fortsetzen. Der heutige Handelstag mahnt: Nicht pauschale Indexwetten zählen, sondern die Differenzierung zwischen Branchen.
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