Apple, PayPal & Elektro-Lkw: Wenn Speicherpreise explodieren, Marktanteile bröckeln und China angreift
Liebe Leserinnen und Leser,
320 Milliarden Dollar – so hoch war Apples Marktkapitalisierung vor einem Jahr mehr als heute. Doch während der iPhone-Konzern gerade seine stärksten Quartalszahlen seit langem vorlegte, braut sich im Hintergrund eine Kostenkrise zusammen, die 2026 zur echten Belastung werden könnte. Gleichzeitig verliert PayPal im rasanten Tempo Marktanteile an Konkurrenten, und in der Lkw-Branche bereitet sich Europa auf eine Welle chinesischer Elektro-Trucks vor. Drei Geschichten, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben – doch alle zeigen, wie schnell sich Wettbewerbsvorteile in Luft auflösen können, wenn Märkte in Bewegung geraten.
Apple: Rekordzahlen heute, Margendruck morgen
Der iPhone-Konzern lieferte im ersten Geschäftsquartal 2026 eine Punktlandung ab: 143,8 Milliarden Dollar Umsatz – vier Prozent über den Erwartungen – und eine Bruttomarge von 48,2 Prozent, die Analysten um 83 Basispunkte überraschte. Der Gewinn je Aktie kletterte auf 2,85 Dollar, und CEO Tim Cook sprach von einem "außergewöhnlich starken iPhone-Zyklus". Die Aktie reagierte freundlich, Bernstein hob das Kursziel von 325 auf 340 Dollar an.
Doch hinter den Kulissen tickt eine Zeitbombe: Die Preise für Smartphone-Speicher explodieren. Seit dem zweiten Quartal 2025 sind die Vertragspreise für mobiles DRAM um 237 Prozent gestiegen, NAND-Chips verteuerten sich um rund 70 Prozent. Bernstein-Analyst Mark Newman rechnet vor, dass dies die Produktionskosten des iPhone um etwa 15 Prozent nach oben treibt. Die logische Konsequenz: Apple wird die Preise für das iPhone 18 deutlich anheben müssen – vermutlich um einen ähnlichen Prozentsatz.
Das Problem dabei: Nicht alle Kunden werden mitziehen. Newman erwartet, dass einige Käufer auf günstigere Modelle ausweichen werden, was die durchschnittlichen Verkaufspreise zwar um rund 12 Prozent steigen lässt, aber gleichzeitig die iPhone-Marge um etwa 150 Basispunkte drückt. Der volle Effekt wird erst im ersten vollen Quartal nach dem iPhone-18-Launch sichtbar werden, da Apple mit langfristigen Verträgen arbeitet und Kostensteigerungen zeitversetzt durchschlagen.
Für deutsche Anleger bedeutet das: Die aktuellen Zahlen sind beeindruckend, aber sie spiegeln noch nicht die Realität von 2026 wider. Die Frage ist, ob Apple Intelligence – die neue KI-Plattform – genug Nachfrage erzeugen kann, um höhere Preise zu rechtfertigen. Bernstein bleibt optimistisch und sieht die KI-Story als wichtiger an als die Margenrisiken. Doch die Rechnung ist simpel: Wenn Speicher teurer wird und Kunden preissensibler reagieren, schrumpft der Spielraum.
PayPal: Der schleichende Abstieg eines Pioniers
Von 90 Prozent auf 40 Prozent – so dramatisch ist PayPals Anteil an digitalen Wallet-Checkouts seit 2017 eingebrochen. Was einst als unangefochtener Standard im Online-Zahlungsverkehr galt, verliert rasant an Boden. Apple Pay hat mittlerweile einen Marktanteil von etwa 20 Prozent erobert, Shopifys Shop Pay wuchs auf einen Anteil im hohen zweistelligen Bereich, und Buy-now-pay-later-Anbieter wie Affirm und Klarna fressen sich durch die Nischen.
Bernstein diagnostiziert ein strukturelles Problem: Während der gesamte E-Commerce seit 2023 um rund sieben Prozent jährlich wächst, legte PayPals US-Geschäft nur im niedrigen einstelligen Bereich zu – und das ohne die Zahlen von Pay with Venmo. Digitale Wallets insgesamt wachsen doppelt so schnell wie der E-Commerce, was bedeutet: Künftige Gewinne gehen nicht mehr auf Kosten von Gast-Checkouts, sondern auf Kosten etablierter Anbieter wie PayPal.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Online-Handel zunehmend auf wenige Giganten konzentriert. Amazon, Walmart und Shopify vereinen mittlerweile etwa 55 Prozent des E-Retail-Volumens – 2023 waren es noch 49 Prozent. Besonders Shop Pay entwickelt sich zur direkten Bedrohung: Das Zahlungssystem erreichte 2025 ein geschätztes Volumen von 110 Milliarden Dollar und wächst mit rund 30 Prozent pro Jahr. Für PayPal bedeutet das nicht nur Mengenverlust, sondern auch Preisdruck im Geschäft mit kleinen und mittleren Händlern.
Die Bewertung der Aktie spiegelt diese Sorgen bereits wider. Bernstein sieht dennoch Potenzial für Szenarien wie Asset-Abspaltungen oder aktivistische Investoren, die Wert freisetzen könnten – vorausgesetzt, die Geschäftsentwicklung stabilisiert sich. Für Anleger bleibt die Frage: Ist PayPal ein Value-Play mit versteckten Assets oder ein strukturell geschwächter Player in einem Markt, der sich gegen ihn bewegt?
Elektro-Lkw: Chinas stiller Angriff auf Europas Straßen
Während in Deutschland noch über Ladeinfrastruktur und Förderungen debattiert wird, steht die europäische Lkw-Industrie vor einer neuen Herausforderung: Chinesische Hersteller drängen mit Macht auf den Weltmarkt – und sie bringen bereits ausgereifte Elektro-Trucks der zweiten oder dritten Generation mit. Fredrik Allard, ehemaliger Scania-Manager und heute im Vorstand von Windrose Technology, warnt: Die Wirtschaftlichkeit von Batterie-Lkw verbessert sich schneller als erwartet, und China hat einen Vorsprung von mehreren Jahren.
Der Hintergrund: In China herrscht massive Überkapazität. Die installierte Produktionskapazität liegt bei 900.000 bis einer Million Lkw pro Jahr, der Heimatmarkt absorbiert aber nur rund 600.000. Das erzeugt Preisdruck und zwingt chinesische Hersteller, internationale Märkte zu erschließen. Ihr übliches Vorgehen: Zuerst Lateinamerika und Afrika, dann Europa. Allard beschreibt die chinesischen Trucks als "zweite oder dritte Generation", weil die Elektrifizierung dort früher begann – ein klarer Entwicklungsvorsprung gegenüber europäischen Herstellern, die noch parallel in Diesel- und Elektrotechnologie investieren.
Die Kostenseite spricht zunehmend für Elektro-Lkw: Weniger bewegliche Teile bedeuten geringeren Wartungsaufwand, der Antriebsstrang macht etwa die Hälfte der Wartungskosten eines Diesel-Lkw aus. Allard sieht bereits heute Kostenparität in mehreren Einsatzbereichen – besonders bei hohen Jahreskilometern und Ladekosten unter 0,30 Euro pro Kilowattstunde. Bernstein bezeichnet seine Haltung als "deutlich optimistischer als die meisten Investoren", doch die Physik ist eindeutig: Elektromotoren nutzen Energie effizienter, und die Batteriepreise fallen weiter.
Was Europa bremst, sind nicht die Fahrzeuge selbst, sondern Infrastruktur und Politik. Der Ausbau von Ladestationen hinkt hinterher, und Förderprogramme sind instabil. Genau hier könnten chinesische Anbieter punkten: Sie arbeiten bereits mit unabhängigen Werkstätten zusammen und montieren teils Semi-Knocked-Down-Kits lokal – ein bewährtes Modell, um Servicenetzwerke aufzubauen, ohne jahrzehntelange Strukturen vorweisen zu müssen.
Für deutsche Anleger mit Blick auf Daimler Truck, Traton oder Volvo bedeutet das: Der Wettbewerb verschärft sich genau in dem Moment, in dem die Elektrifizierung Fahrt aufnimmt. Teslas Semi wird als "sehr wettbewerbsfähiges Produkt" beschrieben, dessen Europastart aber noch unklar ist. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob etablierte Hersteller ihre Netzwerke und Marken verteidigen können – oder ob die Elektrifizierung zur Eintrittskarte für neue Player wird.
Software-Aktien: Bernstein sieht Kaufchancen nach KI-Panik
Während Hardware-Hersteller mit Kostenexplosionen kämpfen, hat die KI-Angst bei Software-Aktien für Ausverkäufe gesorgt. Citi identifizierte 22 Titel, die im vergangenen Monat mindestens zehn Prozent verloren haben, obwohl die Gewinnschätzungen für 2025 bis 2027 nach oben revidiert wurden. Die Botschaft: Die Märkte bestrafen Terminal-Multiples aus Angst vor KI-Disruption, obwohl die fundamentalen Aussichten intakt sind.
Besonders interessant für Anleger: Citi hebt Dynatrace, Microsoft, Cloudflare und Rubrik als Namen hervor, die "gut positioniert für jedes KI-Szenario" sind. Auch Palantir wird genannt – ein Unternehmen, das in einem Bären-Szenario als relativer Gewinner gilt. Die Analysten argumentieren, dass etwa zehn Prozent Rückgang bei Terminal-Multiples bereits eingepreist sind, während nur ein Teil eines möglichen 20-Prozent-Rückgangs reflektiert wird.
Barclays warnt allerdings, dass die "Sell first, think later"-Mentalität noch eine Weile anhalten könnte. Die Liste der vermeintlichen KI-Verlierer wächst schnell: von Medien über Business Services und Software bis hin zu Finanzdienstleistungen, Logistik und Gewerbeimmobilien. Die Frage für Investoren: Wer ist als Nächstes dran?
Was diese Woche noch wichtig wird
Am 17. Februar legt Palo Alto Networks Zahlen vor, gefolgt von eBay am 18. Februar. Der 25. Februar wird zur Tech-Parade: Nvidia, Salesforce, Zoom, Snowflake und C3.ai berichten alle am selben Tag – ein Stresstest für die KI-Story. Besonders Nvidias Quartalszahlen dürften zeigen, ob die Nachfrage nach KI-Chips trotz steigender Preise und politischer Spannungen mit China anhält.
In Deutschland blickt die Autobranche gespannt auf die Entwicklung der Kfz-Versicherungen: Nach zwei Jahren massiver Preiserhöhungen schrieben die Versicherer 2025 erstmals wieder schwarze Zahlen – doch für über 60 Prozent der Autofahrer wurden die Beiträge erneut teurer. Die Frage ist, ob die Konsolidierung abgeschlossen ist oder weitere Runden folgen.
Drei Märkte, drei Geschichten, eine Lektion: Wettbewerbsvorteile sind fragiler, als sie scheinen. Apple muss beweisen, dass seine Marke höhere Preise trägt. PayPal kämpft gegen strukturellen Verlust. Und Europas Lkw-Bauer stehen vor der Frage, ob Tradition gegen chinesische Effizienz bestehen kann. Die kommenden Wochen werden zeigen, wer sich anpassen kann – und wer zurückfällt.
Bis morgen,
Andreas Sommer








