Liebe Leserinnen und Leser,

gestern Mittag hielten die Frankfurter Händler kollektiv den Atem an. Das „14:30-Uhr-Ultimatum", von dem wir gestern sprachen, ist verstrichen – und es endete glimpflicher als befürchtet. Doch kaum löste sich der Knoten der Zinsangst, zog sich eine andere Schlinge zu: Die Politik ist mit Wucht zurück auf dem Börsenparkett.

Während der Blick der Finanzwelt gestern starr auf die US-Verbraucherpreise gerichtet war, braute sich in Europa ein Sturm zusammen, der weniger mit Mathematik, dafür umso mehr mit Macht zu tun hat. Friedrich Merz hat in München den Ton gesetzt, und die Märkte haben sofort reagiert – allerdings nicht dort, wo man es erwartet hätte.

Wir gehen mit einem DAX ins Wochenende, der zwar bei 24.915 Punkten und einem leichten Plus von 0,25 Prozent schloss, aber die Wunden der letzten 48 Stunden noch offen trägt. Lassen Sie uns die Ereignisse sortieren.

Der Kanzler und der Kohlenstoff

Wenn ein Regierungschef spricht, hören die Märkte zu. Wenn Friedrich Merz spricht, gehen sie neuerdings in Deckung – zumindest in bestimmten Sektoren. Am Rande des Gipfels energieintensiver Industrien und im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) hat der Kanzler den EU-Emissionshandel (ETS) ins Visier genommen. Seine Forderung nach einer grundlegenden Überarbeitung und einer zeitlichen Streckung der CO2-Bepreisung wirkte wie ein Brandbeschleuniger an den Rohstoffmärkten.

Die Reaktion war brutal und unmittelbar: Der Preis für CO2-Zertifikate sackte am Freitag und Samstagmorgen um rund 7 Prozent auf ca. 71 Euro pro Tonne ab – der tiefste Stand seit August 2025. Was für den Verbraucher nach Entlastung klingt, ist für Investoren in grüne Technologien ein Schock. Planungssicherheit? Fehlanzeige.

Das prominenteste Opfer im DAX war bereits am Donnerstag Heidelberg Materials. Die Aktie des Baustoffriesen brach um rund 10 Prozent ein. Die Logik der Anleger ist gnadenlos: Wenn die Politik an den Stellschrauben des wichtigsten Klimaschutzinstruments dreht, werden Kalkulationen zur Makulatur. Die Unsicherheit ist zurück, und Geld hasst nichts mehr als das Ungefähre.

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Die trügerische Ruhe der Inflation

Kommen wir zu den Daten, auf die wir gestern so gespannt gewartet haben. Das Bureau of Labor Statistics meldete für den Januar eine US-Inflationsrate von 2,4 Prozent (Kernrate 2,5 Prozent). Das liegt leicht unter den Prognosen und klingt eigentlich nach einer Punktlandung.

Warum also keine Euphorie? Warum bleibt der DAX unter der psychologisch wichtigen Marke von 25.000 Punkten?

Das Problem liegt in der Interpretation. Eine Inflation von 2,4 Prozent bei einem gleichzeitig robusten Arbeitsmarkt (4,3 Prozent Arbeitslosenquote) nimmt der US-Notenbank jeglichen Druck, die Zinsen schnell zu senken. Analysten von Oxford Economics und Wells Fargo warnen bereits, dass die Fed ihre Zinspause bis Juni verlängern könnte. Die Hoffnung auf billiges Geld weicht der Realität von „Higher for Longer". Die „letzte Meile" der Inflationsbekämpfung erweist sich als zäh, und die Märkte realisieren, dass die Zinswende eher ein Marathon als ein Sprint wird.

München: Transatlantische Kältefront

Wer die Nachrichten aus dem Bayerischen Hof verfolgt, spürt: Die Zeiten der diplomatischen Floskeln sind vorbei. Kanzler Merz wählte in seiner Eröffnungsrede zur 62. Münchner Sicherheitskonferenz drastische Worte. Er sprach von einer „neuen Weltunordnung" und einem „tiefen Graben" zwischen Europa und den USA.

Für Anleger ist hier eine feine Nuance entscheidend: Während US-Außenminister Marco Rubio die Europäer politisch in die Mangel nimmt, lobte US-NATO-Botschafter Matthew Whitaker den Kanzler explizit als „besseren Partner als Merkel" – vor allem wegen seiner Härte in der Energiefrage gegenüber Russland.

Diese geopolitische Verschiebung zementiert einen Trend: Rüstungs- und Infrastrukturwerte bleiben langfristig im Fokus. Es ist kein Zufall, dass Siemens kürzlich SAP als wertvollsten DAX-Konzern abgelöst hat. Die „Old Economy", die Hardware der Industrie, ist in dieser neuen, raueren Weltordnung wieder die harte Währung.

Fluchtburg Telekom & Krypto-Kater

In unsicheren Zeiten suchen Anleger nach Festungswerten. Die Deutsche Telekom erwies sich gestern als solcher Fels in der Brandung und legte um über 6 Prozent zu. Trotz gemischter Zahlen der US-Tochter T-Mobile (weniger Neukunden als erhofft) honorieren Investoren den stabilen Cashflow. In einer Welt voller Variablen ist die Dividende aus Bonn eine der wenigen Konstanten.

Ganz anders die Lage bei den digitalen Assets: Der Krypto-Markt leckt noch immer seine Wunden. Bitcoin pendelt an diesem Wochenende um die 67.000 US-Dollar, der „Fear & Greed Index" steht auf „Extreme Fear". Die massiven ETF-Abflüsse der letzten Tage zeigen deutlich: Institutionelles Geld nimmt Risiko vom Tisch.

Was bleibt?

Wir erleben eine Phase der Neukalibrierung. Die Volatilität ist zurück, getrieben von einer toxischen Mischung aus Zins-Skepsis in den USA und politischer Unberechenbarkeit in Europa.

Achten Sie in der kommenden Woche besonders auf zwei Dinge: Wie reagieren die europäischen Energieversorger weiter auf Merz' CO2-Vorstoß? Und: Können die Tech-Werte die hohen Zinsen weiter ignorieren oder folgt hier die nächste Korrektur?

Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes – vielleicht nutzen Sie die Zeit, um einmal nicht auf die Kurse, sondern auf die großen geopolitischen Linien zu schauen, die gerade in München neu gezogen werden.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann