Liebe Leserinnen und Leser,

es ist eine Stille, die lärmt. Wer heute Morgen einen Blick in die Frankfurter Handelssäle wirft, sieht Händler, die auf ihre Bildschirme starren wie das Kaninchen auf die Schlange. Der DAX verharrt wie festgefroren knapp unter der 25.000-Punkte-Marke – zuletzt bei 24.853 Zählern. Es ist jener klassische „Wait-and-See"-Modus, der an der Börse oft die nervenaufreibendsten Stunden markiert.

Der Grund für diese kollektive Schnappatmung liegt 6.000 Kilometer westlich. Um Punkt 14:30 Uhr unserer Zeit wird in Washington ein Datensatz veröffentlicht, der über das Zins-Wohl und Wehe dieses Frühjahrs entscheiden dürfte. Während wir warten, vollziehen sich im Hintergrund jedoch Bewegungen, die für Ihr Depot langfristig relevanter sind als die heutige Tagesvolatilität: Siemens zahlt aus, Amazon zahlt drauf, und der Krypto-Sektor zahlt Lehrgeld.

Tauchen wir ein in einen Freitag, der mehr ist als nur der Ausklang der Woche.

Das Phantom der Inflation

Der Blick der globalen Hochfinanz richtet sich starr auf das Bureau of Labor Statistics. Die Konsensprognose für die US-Inflationsrate im Januar 2026 liegt bei 2,5 Prozent. Das wäre ein Rückgang gegenüber den 2,7 Prozent im Dezember, klingt also zunächst beruhigend. Doch der Teufel steckt im Detail.

Die Märkte wandeln auf einem schmalen Grat. Ein starker US-Arbeitsmarkt – die Arbeitslosenquote fiel im Januar auf robuste 4,3 Prozent – ist eigentlich ein Zeichen wirtschaftlicher Gesundheit. In der paradoxen Logik der Notenbanken könnte genau diese Vitalität jedoch dazu führen, dass die Federal Reserve ihr Zinsziel von derzeit 3,50 bis 3,75 Prozent länger beibehält als erhofft.

Die Rechnung ist simpel, aber brutal: Liegen die heutigen Daten über den erwarteten +0,3 Prozent im Monatsvergleich, dürften die Zinssenkungsfantasien für den Spätsommer verfliegen wie Nebel in der Mittagssonne. Der Dollar zieht in Asien bereits an – ein Vorbote dessen, was passiert, wenn das Szenario „Higher for Longer" zur Gewissheit wird. Für den DAX könnte das bedeuten: Die 25.000 Punkte bleiben vorerst eine gläserne Decke.

Siemens: Die optische Täuschung

Lassen Sie sich heute nicht vom tiefroten Vorzeichen bei der Siemens-Aktie irritieren. Was auf den ersten Blick wie ein Ausverkauf aussieht, ist in Wahrheit ein Geldregen für die Aktionäre. Das Papier notiert heute „ex Dividende". Der Kursrutsch von zeitweise über 3 Prozent korrespondiert fast exakt mit der Ausschüttung von 5,35 Euro je Aktie, die gestern von der Hauptversammlung beschlossen wurde.

Das ist die gute Nachricht: Die Dividendenmaschine läuft. Eine Gesamtausschüttung von über 4 Milliarden Euro ist ein massives Signal der Stärke und unterstreicht die gestern besprochene Renaissance der Industrie. Doch Analysten, etwa von Barclays, mahnen zur Nüchternheit. Mit einem KGV von über 18 ist Siemens kein Schnäppchen mehr. Die Aktie hat in fünf Jahren fast 95 Prozent zugelegt – für Einkommensinvestoren bleibt der Titel ein Basisinvestment, aber die Zeiten der schnellen Kursverdopplung dürften vorbei sein.

Wie sich eine echte Krise anfühlt, zeigt dagegen Douglas: Hier gab es heute kein technisches Minus, sondern einen realen Absturz um 15 Prozent. Trotz leichtem Umsatzplus drückt die Profitabilität, die Gewinnprognose wurde kassiert. Es zeigt sich erneut: In diesem nervösen Marktumfeld wird jede Schwäche bei der Marge gnadenlos bestraft.

Krypto-Winter 2.0?

Werfen wir einen Blick auf die digitalen Assets, wo die Stimmung von „Gier" auf „Extreme Angst" gekippt ist. Bitcoin kämpft bei rund 66.000 US-Dollar, weit entfernt vom Allzeithoch im Oktober 2025.

Besonders hellhörig macht eine neue Analyse von Standard Chartered. Die Bank, sonst eher als Cheerleader der Krypto-Szene bekannt, hat ihr Kursziel für Ende 2026 drastisch von 150.000 auf 100.000 Dollar gekappt. Schlimmer noch: Kurzfristig hält Analyst Geoff Kendrick einen Rutsch auf 50.000 Dollar für möglich. Der Grund sind massive Abflüsse aus den ETFs und das schwierige Zinsumfeld. Auch Ethereum gerät unter die Räder und fiel unter die Marke von 1.800 Dollar.

Es scheint, als ob der Markt gerade eine schmerzhafte Bereinigung durchläuft. Für langfristige Anleger mag das eine Kaufchance sein – auch wenn Peter Schiff den Boden gewohnt pessimistisch erst bei 10.000 Dollar sieht –, aber kurzfristig heißt die Devise: Anschnallen.

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Amazon: Der teure Preis der Zukunft

Ein faszinierendes Phänomen beobachten wir jenseits des Atlantiks. Die Amazon-Aktie hat über 20 Prozent vom Hoch verloren und befindet sich technisch im Bärenmarkt. Der Grund ist paradox: Amazon wird abgestraft, weil es massiv in seine Zukunft investiert.

Für das Jahr 2026 sind Investitionen (CapEx) von unglaublichen 200 Milliarden US-Dollar geplant, primär für den Ausbau der Cloud-Sparte AWS und die KI-Infrastruktur. Das drückt kurzfristig den freien Cashflow und verschreckt Investoren, die schnelle Renditen sehen wollen. Doch strategisch baut CEO Andy Jassy hier einen Burggraben, den die Konkurrenz in fünf Jahren kaum mehr überwinden kann. Es ist das klassische Dilemma: Langfristige Vision gegen kurzfristige Quartalslogik.

Was sonst noch wichtig ist

  • Politische Signale: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat gegenüber Litauens Präsident Nauseda versichert, dass Deutschland seine Verpflichtungen zur Brigade-Stationierung ernst nimmt. Ein wichtiges Signal der Kontinuität in unruhigen geopolitischen Zeiten.
  • Handelskrieg light: Die Trump-Administration macht Ernst und hat einen 15-prozentigen Zoll auf Importe aus Taiwan festgeschrieben. Im Gegenzug verpflichtet sich Taiwan zu massiven Käufen von US-Energie und Rüstungsgütern. Ein Deal, der zeigt: Moderne Handelspolitik gleicht zunehmend einem Basar.
  • Lufthansa fliegt wieder: Nach dem 24-stündigen Warnstreik der Piloten, der gestern den Flugplan lahmlegte, normalisiert sich der Betrieb. Doch der Schaden am Image und in der Bilanz bleibt haften.

Schlussgedanke

Dieser Freitag, der 13., macht seinem Ruf als Tag der Unsicherheit alle Ehre – allerdings weniger aus Aberglauben, sondern aufgrund harter ökonomischer Datenpunkte. Wir befinden uns in einer Phase der Neukalibrierung. Ob Zinsen, Krypto-Bewertungen oder die Margen im Einzelhandel: Die Märkte suchen nach einem neuen Gleichgewicht.

Für Sie als Anleger bedeutet das: Lassen Sie sich von der heutigen Volatilität um 14:30 Uhr nicht verrückt machen. Die großen Trends – KI-Infrastruktur (trotz der Amazon-Delle), die Neuausrichtung der deutschen Industrie (siehe Siemens) und die geopolitische Neuordnung – laufen weiter, unabhängig davon, ob die Inflation heute 0,1 Prozentpunkte höher oder niedriger ausfällt.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und eine glückliche Hand bei Ihren Entscheidungen.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann