RENK, Palantir & Tesla Solar: Wenn Rüstungsmilliarden auf Weltraum-Visionen treffen
Liebe Leserinnen und Leser,
150 Millionen Dollar in Michigan, KI-Software bei Militäroperationen und 100 Gigawatt Solarkapazität für Rechenzentren im All – drei Meldungen, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben. Doch sie alle erzählen dieselbe Geschichte: Wie geopolitische Spannungen, technologische Großprojekte und staatliche Sicherheitsinteressen die Investitionsströme der kommenden Jahre prägen werden. Während RENK seine US-Präsenz massiv ausbaut und Palantir mitten in einer heiklen Militäroperation steckt, plant Tesla einen Solar-Coup, der selbst für Elon Musk außergewöhnlich klingt. Willkommen in einer Woche, in der Verteidigungsbudgets und Zukunftswetten die Schlagzeilen bestimmen.
RENK dreht am großen Rad: 150 Millionen für Michigan
Der deutsche Rüstungszulieferer RENK macht Ernst mit seiner US-Expansion. Bis 2030 fließen insgesamt 150 Millionen Dollar in den Bundesstaat Michigan – 70 Millionen in Sachanlagen, 80 Millionen in Forschung und Entwicklung. Das Ziel: bis zu 270 neue Arbeitsplätze und eine deutlich gestärkte Position im amerikanischen Verteidigungsmarkt. CEO Alexander Sagel verkündete die Pläne gemeinsam mit Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer, die von einem wichtigen Beitrag zur nationalen Sicherheit der USA sprach.
RENK ist kein Unbekannter in den Staaten. Bereits heute beschäftigt der Konzern über 540 Mitarbeiter in Michigan allein, verteilt auf die Standorte Muskegon, Sterling Heights und Roseville. Insgesamt arbeiten mehr als 700 Fachkräfte für die fünf hundertprozentigen US-Tochtergesellschaften in Michigan, Indiana, Ohio und South Carolina. Der Fokus liegt klar auf Antriebstechnik und Mobilitätssystemen für militärische Anwendungen – ein Bereich, der von der anhaltend hohen Nachfrage im Verteidigungssektor profitiert.
Interessant wird es beim Blick auf die strategischen Ambitionen: Sagel prüft zusätzliche Möglichkeiten für Fusionen und Übernahmen im Bundesstaat. RENK will offenbar nicht nur organisch wachsen, sondern gezielt Technologie und Know-how einkaufen. Das Timing könnte kaum besser sein – ein NATO-Großauftrag für Rheinmetall verlieh zuletzt auch anderen deutschen Rüstungswerten Rückenwind. Die RENK-Aktie legte am Freitag auf XETRA um 1,11 Prozent auf 57,54 Euro zu. Für deutsche Anleger bleibt das Unternehmen damit ein interessanter Stellvertreter für die Rüstungskonjunktur diesseits und jenseits des Atlantiks.
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Palantir in der Maduro-Operation: KI-Software mit Beigeschmack
Während RENK seine Kapazitäten ausbaut, gerät Palantir in eine heikle Debatte. Laut Wall Street Journal kam bei der US-Militäroperation zur Gefangennahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro KI-Software des OpenAI-Rivalen Anthropic zum Einsatz – und zwar über die Palantir-Plattform. Das Pentagon griff demnach auf Anthropics ChatGPT-Konkurrenz Claude zu, die seit einer Kooperationsvereinbarung aus dem Jahr 2024 in die Palantir-Systeme integriert ist.
Technologie von Palantir, die Daten aus verschiedenen Quellen bündelt und auswertet, wird breit von US-Sicherheitsbehörden genutzt. Wofür genau Claude bei der Operation eingesetzt wurde, bleibt unklar – die Software kann unter anderem Dokumente analysieren und Informationen zusammenfassen. Das Problem: Anthropics Nutzungsrichtlinien verbieten den Einsatz von Claude für Gewaltanwendung, Waffenentwicklung oder Überwachung.
Anthropic beharrt auf diesen Regeln. Man könne sich nicht dazu äußern, ob Claude in einer bestimmten Operation eingesetzt worden sei, betonte die Firma. Zugleich müsse jegliche Nutzung – egal ob in der Privatwirtschaft oder durch Regierungen – im Rahmen der Nutzungsrichtlinie bleiben. Man arbeite mit den Partnern daran, das sicherzustellen. Anthropic-Chef Dario Amodei warnt seit jeher vor den Risiken Künstlicher Intelligenz und setzt sich für mehr Leitplanken bei der KI-Entwicklung ein – eine Haltung, die ihn auch auf Kollisionskurs mit dem KI-Beauftragten des Weißen Hauses, David Sacks, brachte.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte im Januar erklärt, das Pentagon wolle keine KI-Modelle nutzen, "die es nicht erlauben, Kriege zu führen". Das Ministerium schloss dabei auch einen Vertrag mit Elon Musks KI-Firma xAI zur Nutzung deren Software. Für Palantir-Anleger bleibt die Frage: Wie weit reicht die Verantwortung eines Plattformanbieters, wenn Dritte seine Technologie für umstrittene Zwecke nutzen? Die Debatte dürfte weitergehen – und die Aktie könnte volatil bleiben, sollten weitere Details ans Licht kommen.
Tesla Solar: 100 Gigawatt für Rechenzentren im Weltraum?
Elon Musk wäre nicht Elon Musk, wenn er nicht regelmäßig mit Ankündigungen überraschen würde, die selbst für seine Verhältnisse ambitioniert klingen. Teslas Plan, 100 Gigawatt Solarfertigungskapazität aufzubauen, gehört definitiv dazu. Laut Morgan Stanley ist die Entscheidung jedoch weniger Größenwahn als strategisches Kalkül – getrieben von Geopolitik, Lieferkettenrisiken und dem explodierenden Strombedarf von Rechenzentren der nächsten Generation.
"Wir glauben, dass Teslas Entscheidung, Kapital für Solarfertigung bereitzustellen, in einer strategischen Langfristperspektive rund um sich verändernde Geopolitik und Rechenzentren-Nachfrage wurzelt", schrieb Analyst Andrew Percoco. Tiefere vertikale Integration könnte zudem Teslas Energiegeschäft stärken. Morgan Stanley sieht in den Solar-Ambitionen einen potenziellen Wertzuwachs von 25 bis 50 Milliarden Dollar für die Tesla-Energy-Bewertung, die die Bank derzeit mit 140 Milliarden Dollar ansetzt.
Der Clou: Ein erheblicher Teil der 100 Gigawatt Kapazität soll laut Morgan Stanley für Rechenzentren im Weltraum verwendet werden – mit einem kleineren Anteil für irdische Anlagen. Das passt zu Musks erklärtem Ziel, eine signifikante Menge solarbetriebener Rechenzentren ins All zu schicken und damit Energie-Engpässe zu umgehen, die Teslas breitere Ambitionen behindern könnten. Während der globale Solarmarkt derzeit im Überangebot steckt, würde Teslas neue Kapazität weitgehend für diese spezialisierten Anwendungen reserviert – und damit von traditionellen Angebots-Nachfrage-Dynamiken isoliert.
Die Investition wäre kostspielig: 30 bis 70 Milliarden Dollar könnten nötig sein, und die Summe ist nicht in Teslas Investitionsbudget für 2026 enthalten. Doch Morgan Stanley argumentiert, dass die langfristigen Vorteile die Kosten rechtfertigen könnten – besonders wegen der strategischen Verbindung zu Teslas Energiespeichergeschäft. Einmal skaliert, könnte Tesla Solar 25 Milliarden Dollar Umsatz und 3 bis 4 Milliarden Dollar zusätzliches EBIT generieren. Für Anleger bleibt die Frage: Ist das visionär oder größenwahnsinnig? Die Antwort dürfte davon abhängen, wie ernst man Musks Weltraum-Pläne nimmt.
Anstehende Termine: NVIDIA und Salesforce im Fokus
Die kommende Woche bringt einige wichtige Quartalszahlen. Am 17. Februar legt Palo Alto Networks seine Bücher offen, gefolgt von eBay am 18. Februar. Doch das eigentliche Highlight kommt am 25. Februar: NVIDIA präsentiert seine Ergebnisse – ein Termin, der traditionell die Märkte bewegt. Am selben Tag berichten auch Salesforce, IonQ, Zoom, Snowflake und C3.ai. Der 26. Februar bringt dann Zahlen von NEL, SoundHound AI und D-Wave Quantum.
Für deutsche Anleger bleibt die Frage, wie sich die Rüstungskonjunktur, die KI-Debatte und Teslas Solar-Ambitionen auf die Portfolios auswirken. RENK zeigt, dass die Verteidigungsausgaben auch hierzulande Profiteure finden. Palantir erinnert daran, dass technologische Führerschaft nicht ohne ethische Debatten zu haben ist. Und Tesla? Nun, Tesla bleibt Tesla – mit allen Chancen und Risiken, die das mit sich bringt.
Bis nächste Woche,
Andreas Sommer








