Amazon stellt sich mit dem größten Stellenabbau seiner Unternehmensgeschichte neu auf. Parallel investieren die US-Amerikaner Milliarden in KI-Infrastruktur, während das Kerngeschäft im Cloud-Bereich unter wachsendem Wettbewerbsdruck steht. Wie stimmig ist dieser Kurs?

Größter Stellenabbau der Firmengeschichte

Amazon plant konzernweit rund 30.000 Stellen im Konzernbereich zu streichen. Das entspricht knapp 10 % der globalen Büro-Belegschaft und ist der größte Personalabbau seit Gründung des Unternehmens vor rund 30 Jahren.

Laut einem Reuters-Bericht von vergangener Woche handelt es sich um eine zweite Welle von Entlassungen. Betroffen sind vor allem:

  • Amazon Web Services (AWS)
  • das Retail-Geschäft
  • Personalabteilung (HR)

CEO Andy Jassy begründete den Schritt offiziell mit kulturellen Faktoren und nicht mit finanziellen Problemen oder reinen KI-Effizienzgewinnen. Gleichzeitig stand die im Oktober 2025 gestartete erste Entlassungsrunde explizit im Zusammenhang mit dem Vormarsch neuer KI-Software. Intern hieß es dazu, diese Generation von KI sei „die transformativste Technologie seit dem Internet“.

Wichtige Eckpunkte der Restrukturierung:

  • Geplante Personalreduktion: rund 30.000 Stellen
  • Anteil: fast 10 % der Corporate-Belegschaft
  • Betroffene Bereiche: AWS, Retail, HR
  • Größter Stellenabbau der Unternehmensgeschichte
  • Vorherige große Welle: 27.000 Stellen in 2022

Aktie erholt sich nach Ankündigung

Trotz der Jobabbau-Pläne legte die Aktie zuletzt zu. Am 23. Januar schloss das Papier bei 239,16 US-Dollar, ein Tagesplus von 2,06 %. Die Handelsspanne lag zwischen 234,57 und 240,45 US-Dollar. Zuvor war am 21. Januar ein Wochentief von 226,88 US-Dollar markiert worden.

Die Kursreaktion deutet darauf hin, dass ein Teil des Marktes die Kostensenkungen als potenziell margenstärkend für die kommenden Jahre interpretiert.

Lebensmitteleinheit mit Rückenwind

Neben dem Stellenabbau gibt es im Handelsgeschäft auch positive Signale. Morgan-Stanley-Analyst Brian Nowak verweist auf Drittanbieterdaten des Research-Hauses Numerator: Demnach haben sich die Fleisch- und Frischeumsätze von Amazon in einzelnen Wochen der zweiten Jahreshälfte 2025 im Jahresvergleich verdoppelt.

Diese Entwicklung folgt auf eine Neuausrichtung des Lebensmittelangebots, die das Unternehmen Ende 2024 umgesetzt hat.

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AWS wächst langsamer als die Konkurrenz

AWS bleibt das Gewinnzentrum des Konzerns. Im dritten Quartal 2025 steuerte die Cloud-Sparte 11,4 Milliarden US-Dollar zum operativen Ergebnis bei und stand damit für rund 65 % des gesamten operativen Gewinns.

Gleichzeitig verschiebt sich die Wettbewerbslage:

  • AWS-Umsatzwachstum Q3 2025: rund 20 % gegenüber Vorjahr
  • Microsoft Azure: Wachstum von über 30 %
  • Google Cloud: rund 35 % Wachstum

AWS kommt aktuell auf etwa 30 % Marktanteil im Cloud-Segment. Die höheren Wachstumsraten der Wettbewerber verringern jedoch den Vorsprung. Setzt sich dieser Trend fort, könnte AWS seine führende Marktposition bis etwa 2027 verlieren.

Juristische Risiken bleiben bestehen

Auf der Rechtsseite laufen mehrere Verfahren, die Amazon über Jahre beschäftigen dürften. Der Kartellprozess der US-Wettbewerbsbehörde FTC als Bench-Trial ist nun für den 29. März 2027 angesetzt. Das geht aus einer Terminverfügung von US-Bezirksrichter John Chun aus Dezember 2025 hervor. Der Starttermin wurde damit vom ursprünglich vorgesehenen Februar 2027 nach hinten verschoben.

Ein Bundesrichter ließ zuletzt den Kern der FTC-Klage zu und strich lediglich einige bundesstaatliche Teilforderungen. Im Fokus stehen Amazons Marktplatzpraktiken – insbesondere die Vorgabe an Händler, Fulfillment by Amazon (FBA) zu nutzen.

Zusätzlich liegt seit November 2025 eine geplante Sammelklage vor, in der dem Unternehmen ein fehlerhafter Umgang mit Behinderungen und entsprechenden Arbeitsplatzanpassungen vorgeworfen wird. Damit steigen die rechtlichen Aufwände weiter an.

Milliarden für KI-Infrastruktur

Parallel zum Personalumbau fährt Amazon seine Investitionen in Infrastruktur deutlich hoch. Für 2025 sind CapEx-Ausgaben von 125 Milliarden US-Dollar veranschlagt, mit weiter steigender Tendenz in 2026.

Im Zentrum steht der Ausbau von AWS:

  • Bis 2027 soll die elektrische Leistungskapazität im Vergleich zu 2022 verdoppelt werden.
  • 2025 wurden 3,8 Gigawatt zusätzliche Kapazität aufgebaut – mehr als jeder andere große Hyperscaler.
  • Laut Berechnungen von Oppenheimer kann ein Gigawatt Kapazität langfristig rund 3 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz generieren.

Die Folge: Hohe Abschreibungen aus diesem Investitionsprogramm drücken die kurzfristigen Ergebnisse deutlich. Die zugrunde liegende Annahme ist, dass die zusätzliche Kapazität ab den Jahren 2027/2028 spürbar zum Gewinn beiträgt.

Damit verbindet Amazon harte Kosteneinschnitte im Personalbereich mit einem aggressiven Ausbau der KI- und Cloud-Infrastruktur – mit klarer Verschiebung des Ergebnisfokus in die zweite Hälfte des Jahrzehnts.

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