Amazon Aktie: Margendruck vs. Cloud-Fantasie
Amazon steht erneut zwischen zwei Kräften: Auf der einen Seite der margenschwache Handel mit neuen Kostensorgen, auf der anderen Seite das margenstarke Cloud-Geschäft mit einem wichtigen strategischen Schritt in Europa. Im Fokus stehen dabei Berichte über harte Verhandlungen mit Lieferanten, hohe Investitionen in KI-Infrastruktur und der Start der AWS European Sovereign Cloud. Entscheidend ist nun, wie gut Amazon diese Spannungsfelder in den kommenden Quartalszahlen ausbalancieren kann.
Lieferanten unter Druck, Margen im Fokus
Auslöser der aktuellen Zurückhaltung sind Berichte über deutlich verschärfte Konditionen gegenüber Lieferanten. Demnach fordert Amazon von bestimmten Anbietern Preisnachlässe von bis zu 30 %.
Hintergrund ist die Sorge vor belastenden Zöllen und steigenden Logistikkosten. Mit den geforderten Preisreduktionen versucht der Konzern, seine Handelsmargen zu stabilisieren, bevor diese Kosten voll durchschlagen. Das signalisiert einerseits erhebliche Marktmacht im Handel, andererseits fürchten Marktteilnehmer zunehmende Spannungen mit der Lieferkette und sehen darin ein Warnsignal: Ohne solche Maßnahmen könnten die Bruttomargen in den kommenden Quartalen stärker unter Druck geraten.
Parallel dazu belastet eine Sektorrotation weg von kapitalintensiven KI-Werten. Trotz der langfristigen Chancen der Generativen KI dominiert derzeit das Narrativ „hohe Investitionen, begrenzte kurzfristige Transparenz“. Amazons milliardenschwere Infrastruktur-Ausgaben für KI-Rechenzentren drücken daher auf die Stimmung, auch wenn die Aktie auf Sicht von 30 Tagen mit rund 25 % im Plus liegt und aktuell bei 236,65 US‑Dollar notiert.
AWS European Sovereign Cloud: Strategischer Schritt für Europa
Kontrastprogramm zur Margendiskussion im Handel ist die Cloud-Sparte AWS. Bereits gestern hat Amazon offiziell den Start der AWS European Sovereign Cloud verkündet, der heute in die Marktbetrachtung einfließt.
Kernpunkte dieser neuen Infrastruktur:
- Eigenständige Cloud-Umgebung für Europa
- Ausgerichtet auf strenge Anforderungen an Datenresidenz und operative Autonomie
- Zielgruppe sind vor allem Regierungen und hochregulierte Branchen in der EU
Damit adressiert Amazon einen wachsenden Markt, in dem Datensouveränität und regulatorische Vorgaben immer wichtiger werden. Der Schritt stärkt die Position von AWS im Wettbewerb mit Microsoft Azure und Google Cloud, insbesondere bei öffentlichen Auftraggebern und kritischen Infrastrukturen.
Kurzfristig schlagen sich diese Chancen allerdings noch nicht in den Zahlen nieder. Am Markt überlagern aktuell die Sorgen um Handelsmargen und hohe Vorleistungen für KI-Rechenzentren den positiven langfristigen Effekt der neuen EU-Cloud.
Zwischen Analystenoptimismus und Marktskepsis
Die Kursreaktion verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen kurzfristigen Risiken und langfristigen Wachstumstreibern. So hat TD Cowen sein Kursziel zuletzt angehoben und dabei insbesondere das stark wachsende Werbegeschäft als Treiber für künftige operative Gewinne hervorgehoben.
Gleichzeitig gilt die aktuell kolportierte 30%-Forderung an Lieferanten selbst für Amazon als sehr offensiv – ein Vorgehen, das an frühere Profitabilitätsinitiativen in wirtschaftlich schwierigeren Phasen erinnert. Doch die Ausgangslage 2026 ist anders: Parallel zur Effizienzsuche im Handel investiert der Konzern massiv in neue Rechenzentren, um im KI-Wettbewerb nicht zurückzufallen.
Das Ergebnis ist ein deutlicher Stimmungsunterschied:
- Analysten-Seite: Fokus auf strukturelle Wachstumstreiber wie AWS-Backlog und Werbeerlöse
- Trader-Perspektive: Betonung kurzfristiger Margenrisiken, hoher Investitionen und möglicher Spannungen mit Lieferanten
Diese Differenz in der Wahrnehmung trägt zur erhöhten Volatilität bei, die sich auch in einer hohen annualisierten 30-Tage-Volatilität von knapp 60 % widerspiegelt.
Ausblick auf die Q4-Zahlen
Der nächste klare Fixpunkt ist der anstehende Q4-Bericht Ende Januar. Dann wird sich zeigen, inwieweit starkes Wachstum im Werbegeschäft und eine Beschleunigung bei AWS die steigenden Kosten der KI-Offensive ausgleichen können.
Charttechnisch bewegt sich die Aktie nach einer kräftigen Rally der vergangenen Wochen in einer Konsolidierungsphase leicht unter dem jüngsten 52‑Wochen-Hoch von 247,38 US‑Dollar. Kurzfristig dürfte der Markt besonders darauf achten, ob das Management beim Ausblick die Sorgen um Margen und Investitionen entschärfen kann und welche Rolle die neue AWS European Sovereign Cloud in der Jahresprognose für 2026 spielt.
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