Billigimporte aus Asien zwingen eine Fabrik in die Sommerpause, während wenige hundert Kilometer weiter Millionenaufträge für Rechenzentren unterschrieben werden. Selten war die Kluft innerhalb des Industriesektors so greifbar wie an diesem Donnerstag. Fünf Aktien, fünf Geschichten — und ein gemeinsamer Nenner: Die Gewinner der KI-Infrastrukturwelle entfernen sich immer schneller von den Verlierern im klassischen Stahlgeschäft.

Thyssenkrupp: Billigstahl-Flut erzwingt erneuten Produktionsstopp

Schon wieder geht das Licht aus. Thyssenkrupp Steel legt die Produktion von kornorientiertem Elektrostahl im französischen Isbergues von Juni bis September still. Rund 600 Beschäftigte sind betroffen und erhalten staatliche Unterstützung aus Paris.

Es ist bereits der zweite Stopp innerhalb von drei Monaten. Seit Januar läuft das Werk nur noch auf halber Kapazität. Angelo Di Martino, Chef der Tochtergesellschaft Thyssenkrupp Electrical Steel, spricht von einer „ruinösen Importflut". Die Zahlen untermauern das: Seit 2022 haben sich die Einfuhren in die EU verdreifacht und machen inzwischen über 50 Prozent des europäischen Marktvolumens aus. In ganz Europa gibt es nur noch zwei Hersteller dieses Spezialmaterials, das in Transformatoren, Umspannwerken und Windkraftanlagen verbaut wird.

Die Aktie notiert heute bei 7,92 Euro — ein Minus von knapp 25 Prozent auf Monatssicht und nur noch knapp über dem 52-Wochen-Tief. Thyssenkrupp hat bereits eine Nettoverlustwarnung von 400 bis 800 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2025/26 ausgegeben, getrieben von Restrukturierungskosten bei Steel Europe. Barclays hob das Kursziel im Februar zwar leicht auf 9,50 Euro an, J.P. Morgan beließ es im März bei „Hold".

Ein Lichtblick bleibt langfristig: Studien prognostizieren eine Verdreifachung der globalen Nachfrage nach kornorientiertem Elektrostahl bis 2050. Ob Thyssenkrupp dann noch zu den Produzenten gehört, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell die EU Schutzmaßnahmen ergreift.

ABB: Rechenzentren als Wachstumsmotor

Während Thyssenkrupp Kapazitäten stilllegt, fährt ABB die Auftragsbücher hoch. Auf der Energiekonferenz CERAWeek in Houston unterzeichnete der Technologiekonzern gestern eine erweiterte Partnerschaft mit VoltaGrid. Kern der Vereinbarung: 35 zusätzliche Synchronkondensatoren mit Schwungradtechnologie sowie vorgefertigte eHouse-Einheiten für globale Stromerzeugungsprojekte. Die Aufträge werden im zweiten Quartal 2026 verbucht.

Die Technologie ist für KI-Rechenzentren unverzichtbar. Synchronkondensatoren wirken wie Stoßdämpfer im Stromnetz — sie liefern sofortige Trägheit und stabilisieren die Spannung durch Blindleistungsmanagement. Genau das brauchen die energiehungrigen Chips der nächsten Generation. Der Trend dahinter: Rechenzentren verbrauchten 2024 rund 1,5 Prozent des weltweiten Stroms. In den USA sollen sie bis 2030 fast die Hälfte des Zuwachses bei der Stromnachfrage ausmachen.

Im vierten Quartal stieg ABBs Nettogewinn auf 1,27 Milliarden Dollar — gegenüber 987 Millionen im Vorjahr — bei einem Umsatzplus von 9 Prozent. Die Aktie gab heute zwar um 3,5 Prozent auf 70,50 Euro nach, liegt seit Jahresbeginn aber rund 12 Prozent im Plus. Analysten stufen das Papier mehrheitlich als „Strong Buy" ein. Der nächste Quartalsbericht am 22. April wird zeigen, wie stark die VoltaGrid-Kooperation bereits auf die Zahlen durchschlägt.

Hochtief: Britische Großaufträge gegen heimischen Gegenwind

Während deutsche Baukonjunkturdaten wenig Euphorie verbreiten, setzt Hochtief konsequent auf Internationalisierung. Gemeinsam mit Vinci Building und Cityheart hat das Aspire-Konsortium den Zuschlag für ein 50-jähriges Public-Private-Partnership-Projekt der University of Southampton erhalten. Volumen: rund 200 Millionen Euro. Es umfasst 1.092 neue Studierenden-Apartments, die Sanierung von 399 Bestandszimmern und die Restaurierung des denkmalgeschützten Stoneham House.

Erst Anfang März hatte Hochtief zudem einen Vertrag über bis zu 900 Millionen Euro für den Ausbau der East-Link-Bahnstrecke nahe Stockholm unterschrieben. CEO Juan Santamaría positioniert diese Projekte als Beleg für die End-to-End-Fähigkeit des Konzerns — von Planung über Bau und Finanzierung bis zum Betrieb.

Die operative Basis ist solide:

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  • Operativer Nettogewinn 2025: 789 Mio. Euro (+26 %), über der eigenen Prognose
  • Auftragseingang: +32 % gegenüber Vorjahr, Rekord-Auftragsbestand von 73 Mrd. Euro
  • Guidance 2026: 950–1.025 Mio. Euro operativer Nettogewinn (20–30 % Wachstum)
  • Umsatz 2025: 38,24 Mrd. Euro (+14,8 % ggü. Vorjahr)

Bei einem Kurs von 392,20 Euro handelt die Aktie gut 5 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch, hat auf Jahressicht aber um über 130 Prozent zugelegt. Barclays bestätigte erst in den letzten Stunden das „Hold"-Rating.

Stadler Rail: Verdoppelter Gewinn, verbranntes Cash

Starke Margen, schwacher Cashflow — Stadler Rails Geschäftsjahr 2025 liefert Anlegern Grund zur Freude und zur Sorge zugleich. Am 18. März präsentierte der Schienenfahrzeughersteller einen Umsatzanstieg von 13 Prozent auf 3,7 Milliarden Franken bei verdoppeltem Nettogewinn.

Die Schattenseite: Der freie Cashflow rutschte auf minus 588 Millionen Franken ab — nach plus 140 Millionen im Vorjahr. Die Nettoliquidität drehte von plus 368 Millionen auf minus 275 Millionen Franken. Das Management erklärt den Einbruch mit der natürlichen Abarbeitung des Auftragsbestands: In Vorjahren vereinnahmte Anzahlungen fließen nun in den Produktionshochlauf.

Strategisch stellt sich Stadler gegen Handelsrisiken auf. In Salt Lake City hat das Unternehmen eine eigene Aluminium-Schweißwerkstatt für Wagenkästen in Betrieb genommen. Der lokale Wertschöpfungsanteil für US-Aufträge steigt damit auf über 70 Prozent — ein klarer Schutzschild gegen mögliche Zölle.

Für 2026 peilt Stadler einen Umsatz von über 5,0 Milliarden Franken an, was einem Sprung von 36 Prozent entspräche. Die EBIT-Marge soll auf über 5 Prozent klettern. Das Management warnt allerdings, dass auch der Cashflow 2026 durch den Produktionshochlauf belastet bleiben könnte. Die Aktie pendelt bei 22 Euro nahe ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 20,60 Franken — unterhalb des aktuellen Niveaus. Die nächsten zwei Quartale werden entscheidend: Kehrt der Cashflow nicht in den positiven Bereich zurück, dürfte die Geduld der Investoren an ihre Grenzen stoßen.

Weichai Power: Umsatzwachstum trifft auf Gewinnrückgang

Heute veröffentlicht Weichai Power seine mit Spannung erwarteten Jahreszahlen für 2025. Die bereits bekannten Vorabdaten zeigen ein zweigeteiltes Bild: Der Umsatz stieg auf 231,81 Milliarden Renminbi (Vorjahr: 215,69 Mrd.), der Gewinn sank dagegen deutlich auf 10,93 Milliarden Renminbi — nach 14,28 Milliarden im Vorjahr.

Die Diskrepanz spiegelt die Kosten des strukturellen Umbaus wider. Der chinesische Industriekonzern profitiert von Pekings politisch getriebener Transformation im Schwerlasttransport, kämpft aber mit Margendruck und Gegenwind im Auslandsgeschäft. An der Börse reagierten Anleger erstaunlich gelassen: Die Aktie liegt seit Jahresbeginn rund 40 Prozent im Plus und notiert bei 2,92 Euro — trotz des heutigen Rückgangs von gut 5 Prozent.

Ein überraschender Wachstumstreiber zeichnet sich ab: KI-Rechenzentren brauchen Hochleistungs-Dieselgeneratoren. Marktforscher beziffern den globalen Markt für Rechenzentrums-Dieselmotoren bis 2028 auf 83,4 Milliarden Renminbi. Weichais M-Serie großvolumiger Motoren verkaufte in den ersten neun Monaten 2025 über 7.700 Einheiten — ein Plus von mehr als 30 Prozent. Davon gingen über 900 an Rechenzentrumsprojekte, dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum.

Mit einem Forward-KGV von 15,6 wird Weichai allerdings deutlich über dem Drei-Jahres-Durchschnitt von 13,2 gehandelt. Die jüngste Analysteneinschätzung lautet „Hold" mit einem Kursziel von 29 Hongkong-Dollar.

Industriesektor zwischen Importdruck und Infrastruktur-Boom

Die fünf Aktien verdichten sich zu einem klaren Muster. Auf der Gewinnerseite stehen ABB und Hochtief — der eine als Profiteur der KI-Infrastrukturwelle mit einem diversifizierten Umsatz von über 33 Milliarden Dollar, der andere mit einem Rekord-Auftragsbestand und aggressiver internationaler Expansion. Stadler Rail kämpft im Mittelfeld: operative Erholung ja, aber der Cash-Abfluss von 588 Millionen Franken überschattet die ambitionierten Wachstumsziele.

Thyssenkrupp bleibt der klarste Nachzügler. Verlustwarnung, Produktionsstopps, ein Kurs 40 Prozent unter dem Oktoberhoch 2025 — die Problemliste wird länger, nicht kürzer. Weichai Power wiederum verkörpert die Komplexität des chinesischen Industrieumbaus: starkes Umsatzwachstum und eine vielversprechende Positionierung im Rechenzentrumsgeschäft auf der einen Seite, schrumpfende Gewinne und eine ambitionierte Bewertung auf der anderen.

Die kommenden Wochen liefern klare Katalysatoren. Bei Thyssenkrupp entscheidet die EU-Handelspolitik, ob der Sommerstopp in Isbergues zum Dauerzustand wird. ABBs Quartalsbericht am 22. April quantifiziert erstmals den Beitrag der wachsenden Rechenzentrum-Pipeline. Und Stadler Rails Cashflow-Entwicklung in den nächsten zwei Quartalen wird zeigen, ob der Markt dem Wachstumsversprechen des Managements noch vertraut.

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