Wenn Bambus brennt und Peking warnt: Die Woche der gefährlichen Signale
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128 Tote, 150 Vermisste, und eine Stadt, die nach Rauch riecht – vier Tage nachdem Hongkongs Wang Fuk Court in Flammen aufging, legt sich über die Finanzmetropole eine Stimmung, die weit über Trauer hinausgeht. Während am Sonntag über tausend Menschen Schlange standen, um weiße Blumen niederzulegen, verhaftete die Polizei einen 24-jährigen Studenten. Sein Vergehen? Eine Online-Petition für eine unabhängige Untersuchung des Brandes – mehr als 10.000 Menschen hatten unterschrieben, bevor die Seite geschlossen wurde.
Peking ließ umgehend wissen, was es von solchen Initiativen hält: „Wir warnen streng diejenigen, die versuchen, Hongkong durch Katastrophen zu stören", hieß es aus dem Büro für nationale Sicherheit. Die Botschaft ist glasklar – selbst Trauer und Forderungen nach Aufklärung können in der chinesischen Sonderverwaltungszone zum Sicherheitsrisiko werden.
Doch diese Woche zeigt noch andere Risse im System: Während Südostasien nach einem Tropensturm über 500 Tote beklagt und Chinas Fabrikhallen zum achten Mal in Folge schrumpfen, versucht Europa, sich als Luxusdestination und Energiespeicher-Champion neu zu erfinden. Die Frage ist nur: Wer investiert in Märkte, in denen Sicherheit – ob physisch oder politisch – zunehmend zur Verhandlungsmasse wird?
Der Brand, der nicht ausgehen darf
Die Fakten zum Feuer in Wang Fuk Court lesen sich wie eine Blaupause für institutionelles Versagen. Bereits im September 2024 hatten Bewohner bei der Arbeitsbehörde Alarm geschlagen: Das grüne Schutznetz um das Bambusgerüst, die Dämmschaumplatten an den Fenstern – alles hochentzündlich. Die Antwort der Behörde: „relativ geringes Brandrisiko", solange keine Schweißarbeiten stattfänden.
Am Mittwochnachmittag um 14:51 Uhr ging der erste Notruf ein. Fünf Minuten später, als die Feuerwehr eintraf, hatten die Flammen bereits sieben der acht 32-stöckigen Türme erfasst. Das Feuer fraß sich durch Bambus, Netz und Schaum – Materialien, die laut Polizei „vermutlich nicht den Brandschutznormen entsprachen". Binnen vier Stunden stand der gesamte Komplex in Flammen, während dichter Rauch die Rettung der oberen Stockwerke nahezu unmöglich machte.
Die Parallelen zum Grenfell Tower in London 2017 sind frappierend: Dort starben 72 Menschen, weil brennbare Fassadenverkleidung das Hochhaus in eine Todesfalle verwandelte. In Hongkong war es die Kombination aus Renovierungsinfrastruktur und mangelhafter Aufsicht. Dass die Feueralarme nicht richtig funktionierten – wie Sicherheitschef Chris Tang am Freitag einräumte – komplettiert das Bild systematischer Vernachlässigung.
Elf Verhaftungen gab es bislang, darunter drei Mitarbeiter des Bauunternehmens Prestige Construction, das den 330-Millionen-Hongkong-Dollar-Auftrag im Januar 2024 erhalten hatte. Die Arbeitsbehörde hatte zwischen Juli 2024 und November 2025 immerhin 16 Inspektionen durchgeführt und sechs Verbesserungsanordnungen erlassen. Nur: Wer kontrollierte, ob sie umgesetzt wurden?
Wenn Petitionen zu Staatsfeinden werden
Miles Kwan, der verhaftete Student, hatte zusammen mit anderen eine simple Forderung formuliert: Rechenschaft der Regierung, eine unabhängige Korruptionsuntersuchung, ordentliche Unterbringung für die Vertriebenen, Überprüfung der Bauaufsicht. 10.000 Unterschriften in wenigen Stunden – dann wurde die Petition geschlossen, Kwan festgenommen, der Vorwurf: Anstiftung zum Aufruhr.
Peking sieht in solchen Initiativen den Versuch, die Stadt „in das Chaos von 2019 zurückzustürzen" – jenes Jahr, in dem Massenproteste Hongkong erschütterten und zur Verhängung des nationalen Sicherheitsgesetzes führten. Die Logik: Wer nach einer Katastrophe Transparenz fordert, gefährdet die Stabilität. Eine zweite Petition, gestartet von einem im Ausland lebenden Bewohner, sammelt weiter Unterschriften: „Hongkonger fordern Wahrheit und Gerechtigkeit", schrieb ein Nutzer im Kommentarbereich.
Für Investoren ist diese Entwicklung ein Warnsignal. Hongkong, einst Asiens liberalster Finanzplatz, mutiert zu einer Stadt, in der selbst legitime Bürgerforderungen als Sicherheitsbedrohung gelten. Die Frage ist nicht, ob die Stadt ihre Rolle als Brücke zwischen Ost und West behält – sondern wie lange internationale Unternehmen bereit sind, in einem Umfeld zu operieren, in dem politisches Risiko selbst in Bauaufsichtsfragen mitschwingt.
Chinas Fabrikhallen: Acht Monate Schrumpfkur
Während Hongkong brennt, kühlt das chinesische Festland weiter ab. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe kletterte im November zwar von 49,0 auf 49,2 Punkte – blieb aber zum achten Mal in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50. Die Subindizes für Neuaufträge und Exportaufträge verbesserten sich leicht, verharren jedoch ebenfalls im Kontraktionsbereich.
Noch besorgniserregender: Der Dienstleistungssektor, lange Zeit Chinas Hoffnungsträger, rutschte erstmals seit Dezember 2022 unter 50 Punkte. Der kombinierte Index für Dienstleistungen und Bau fiel von 50,1 auf 49,5 – der niedrigste Stand seit mehr als zwei Jahren. Die Statistikbehörde führt dies auf das Abebben des Nationalfeiertags-Booms im Oktober zurück.
Die Zahlen offenbaren Pekings Dilemma: Jahrzehntelang konnten Chinas Politiker zwischen zwei Hebeln wählen – entweder die Exportmaschine hochfahren, wenn der Binnenkonsum schwächelte, oder staatsfinanzierte Infrastrukturprojekte anschieben. Doch mit einer globalen Konjunkturabkühlung, der anhaltenden Immobilienkrise und hochverschuldeten Lokalregierungen funktionieren beide Strategien nicht mehr.
Am Mittwoch kündigte Peking einen neuen Plan zur Konsumförderung an: Schwerpunkte sind Modernisierung von Konsumgütern in ländlichen Gebieten und Sektoren wie „Haustiere, Anime und Trendspielzeug". Klingt verzweifelt? Ist es vermutlich auch. Strukturreformen – Stärkung des Binnenkonsums, Abbau der Lokalregierungsverschuldung, Korrektur der Angebots-Nachfrage-Ungleichgewichte – wären schmerzhaft und politisch riskant, gerade während Donald Trumps Handelskrieg zusätzlichen Druck aufbaut.
Für Europa bedeutet das: Der chinesische Motor stottert genau dann, wenn wir ihn als Absatzmarkt dringend bräuchten. Deutsche Maschinenbauer, französische Luxusmarken, italienische Designmöbel – sie alle spüren die Abkühlung bereits.
Südostasien: Wenn Tropenstürme zur Systemfrage werden
Über 500 Tote in Indonesien, Malaysia und Thailand, 4 Millionen Betroffene, 150.000 Vertriebene – ein seltener Tropensturm in der Malakka-Straße hat Südostasien in dieser Woche verwüstet. In Indonesiens Sumatra-Provinzen waren Straßen so blockiert, dass Hilfsgüter per Helikopter abgeworfen werden mussten. Thailands Hat Yai erlebte mit 335 Millimetern Regen an einem Tag die heftigsten Niederschläge seit 300 Jahren.
Die Bilder aus der isolierten Stadt Palembayan in West-Sumatra zeigen ganze Landstriche, die von Fluten weggespült wurden. Als ein Marine-Helikopter auf einem Fußballfeld landete, warteten bereits Dutzende Menschen auf Lebensmittel. In anderen Gebieten kam es zu Plünderungen von Versorgungslinien, berichteten Behörden – ein Zeichen wachsender Verzweiflung.
Für Investoren wirft dies Fragen zur Infrastrukturresilienz auf. Südostasien gilt als Wachstumsregion, als Alternative zu China, als Produktionsstandort für europäische Unternehmen. Doch wenn Naturkatastrophen binnen Tagen Millionen Menschen betreffen und Lieferketten lahmlegen, wird Risikomanagement zur Überlebensfrage. Malaysia evakuierte über 6.200 eigene Staatsbürger aus Thailand – ein Hinweis darauf, wie grenzüberschreitend die Auswirkungen sind.
Gleichzeitig starben in Sri Lanka 153 Menschen durch einen Zyklon, 191 werden vermisst, über eine halbe Million sind betroffen. Der Klimawandel trifft Asien mit voller Wucht – und die wirtschaftlichen Folgekosten werden in keiner Quartalsrechnung auftauchen, bis es zu spät ist.
Europas Energiespeicher-Offensive: Zu spät oder gerade rechtzeitig?
Während Asien mit Krisen kämpft, versucht Europa, sich als Technologieführer zu positionieren. Der chinesische Energiespeicher-Riese Sungrow stellte Ende November auf einem Gipfel in Italien seine neue PowerKeeper-Serie vor – ein modulares Energiespeichersystem für Gewerbe und Industrie, das „null Verschwendung, null Ausfälle" verspricht.
Die Zahlen klingen beeindruckend: Laut Wood Mackenzie soll Europas gewerbliche Speicherkapazität zwischen 2025 und 2034 um das 13-fache auf 33 GW/77 GWh wachsen. Der Treiber: steigende Strompreise und beschleunigte Solarinstallationen. Unternehmen wollen Energiekosten kontrollieren, Eigenverbrauch maximieren, operative Resilienz sichern.
Sungrows PowerKeeper-System setzt auf ein 12,5-kWh-Modul-Design, das von 50 bis 1.000 kWh skaliert werden kann – von kleinen Supermärkten bis zu großen Fabriken. Das eingebaute automatische Transferschalter-System (ATS) unterstützt bis zu 250 kW Last und kann innerhalb von 10 Millisekunden auf Inselbetrieb umschalten, wenn das Netz ausfällt. Für einen 2.500 Quadratmeter großen Supermarkt genug, um weiterzulaufen.
Doch die Frage bleibt: Ist das die Antwort auf Europas Energieprobleme oder nur ein weiteres chinesisches Produkt, das unsere Abhängigkeit verlagert? Sungrow hat weltweit über 1.000 gewerbliche Energiespeicherprojekte installiert, 200 davon in Europa. Das Unternehmen verfügt über 280+ Mitarbeiter in Europa, zwei Service-Center, fünf Reparaturwerkstätten, 14 Service-Lager und über 220 Service-Partner.
Für europäische Unternehmen ist die Botschaft klar: Energiespeicher werden zum Wettbewerbsvorteil. Wer heute investiert, sichert sich gegen volatile Strompreise ab und erhöht seine Unabhängigkeit. Die Ironie: Während wir uns von russischem Gas befreien wollen, bauen wir neue Abhängigkeiten von chinesischer Energietechnologie auf.
Anzeige: Während Europa versucht, technologisch aufzuholen, entstehen die wirklich großen Gewinnchancen in den USA und Asien – dort, wo Innovation nicht verwaltet, sondern vorangetrieben wird. Tech-Analyst Carsten Müller hat in seinem Projekt Future Money eine Strategie entwickelt, die gezielt auf die nächste Generation von Technologie-Gewinnern setzt: 20 handverlesene Aktien aus KI-Infrastruktur, Raumfahrt, Biotech und Robotik. Seine bisherigen Empfehlungen zeigen eindrucksvoll, was möglich ist: Palantir brachte +1186%, Rocket Lab +1019%, AST SpaceMobile sogar +1604%. Die Strategie basiert auf einer dreistufigen Analyse – bahnbrechende Technologie, nachweisbares Momentum und konkrete Auslöser. Sie können sich die komplette Liste der 20 Zukunftsaktien heute kostenlos sichern und erfahren, welche Unternehmen das Potenzial haben, zu den nächsten Apples oder Microsofts zu werden. Kostenloser Zugang zum NextGen-20-Depot
Was diese Woche wirklich bedeutet
Die Ereignisse dieser Woche zeichnen ein Bild fragmentierter Risiken: Hongkong, wo legitime Bürgerforderungen kriminalisiert werden. China, dessen Wirtschaft trotz aller Stimulusprogramme nicht in Gang kommt. Südostasien, wo Klimaereignisse Millionen betreffen. Europa, das zwischen Energieunabhängigkeit und technologischer Abhängigkeit laviert.
Für Investoren heißt das: Geografische Diversifikation wird wichtiger, aber auch komplexer. Politische Risiken lassen sich nicht mehr von wirtschaftlichen trennen. Und Resilienz – ob in Lieferketten, Energieversorgung oder institutionellen Strukturen – wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Die kommende Woche bringt wichtige Wirtschaftsdaten aus der Eurozone, während die EZB-Ratssitzung am 12. Dezember näher rückt. Die Frage ist nicht, ob die Zinsen sinken – sondern ob Europa stark genug ist, um die globalen Verwerfungen abzufedern, die sich gerade zusammenbrauen.
Einen nachdenklichen Start in die neue Woche wünscht Ihnen
Eduard Altmann








