Volkswagen Aktie: Unsichere Fahrwasser
Volkswagen steckt im wichtigsten Einzelmarkt China zunehmend in der Defensive, während Europa stabilisiert. Der Konzern verliert dort weiter Marktanteile und sogar den lange gehaltenen zweiten Platz im Hersteller-Ranking. Für die Aktie entsteht damit ein Spannungsfeld zwischen solider Basis in Westeuropa und strukturellen Problemen in Asien.
China: Marktanteile schmelzen
Die deutlichste Warnung kommt aus Peking. Neue Daten der China Passenger Car Association (CPCA) zeigen, wie stark Volkswagens Position im größten Automarkt der Welt unter Druck geraten ist.
- Marktanteil der VW-Joint-Ventures: Rückgang von 12,2 % auf 10,9 %
- China-Auslieferungen Q4 2025: minus 17,4 %
- Rang im Hersteller-Ranking: nur noch Platz 3 hinter BYD und Geely
BYD bleibt mit rund 14,7 % Marktanteil klar vorn, Geely liegt mit etwa 11 % inzwischen knapp vor Volkswagen. Der Verlust des Podiumsplatzes an einen lokalen Wettbewerber ist vor allem deshalb brisant, weil China über Jahre als Ertragsanker des Konzerns galt.
Die Zahlen machen auch deutlich: Die Verschiebung hin zu New Energy Vehicles (NEVs) verläuft für die deutschen Anbieter deutlich schwieriger als erhofft. In einem Markt, der sich rasant in Richtung Elektro- und Hybridfahrzeuge bewegt, fehlen Volkswagen aktuell Modelle und Preispunkte, die mit den lokalen Herstellern mithalten können.
Globale Auslieferungen: Schwäche in China, Stärke in Europa
Auf Konzernebene spiegelt sich die China-Schwäche in den Auslieferungszahlen für das vierte Quartal 2025 wider. Weltweit gingen die Fahrzeugauslieferungen um 4,9 % auf 2,38 Millionen Einheiten zurück (Vorjahr: 2,50 Millionen).
Während China und Nordamerika mit einem Minus von 17,4 % deutlich zurückfielen, zeigt sich Europa robuster:
- Westeuropa: plus 5,6 % Auslieferungen
- Zentral- und Osteuropa: plus 5,9 %
- China und Nordamerika: deutlicher Rückgang
Die regionalen Unterschiede sind markant. Das stabile Geschäft in Europa stützt die operative Entwicklung und verhindert, dass sich die Schwäche in China voll im Konzernbild niederschlägt. Gleichzeitig wird aber die Abhängigkeit von einem Asien-Geschäft sichtbar, das sich strukturell verändert und in dem lokale Wettbewerber immer stärker werden.
Analysten: Übergangsphase mit begrenztem Potenzial
An der Einschätzung der Aktie ändert das vorerst wenig. Bernstein Research belässt die Vorzugsaktie bei „Market-Perform“, UBS bestätigt ihre „Neutral“-Einstufung. Beide Häuser sehen den Konzern in einer anspruchsvollen Übergangsphase.
Die günstige Bewertung im Bereich um die 100-Euro-Marke allein wird aus Analystensicht nicht ausreichen, um den Kurs nachhaltig zu treiben. Entscheidend ist die Perspektive im Elektrosegment – insbesondere in China. Hier fehlen kurzfristig sichtbare Wachstumstreiber. Projekte wie der für Ende 2026 angekündigte vollelektrische „ID. Polo“ zielen eher auf die mittlere Frist und können die aktuelle Schwäche im NEV-Segment nicht zeitnah kompensieren.
Kursbild: Stabilisierung trotz Gegenwind
Im Handel heute zeigt sich der Titel vergleichsweise stabil. Die Aktie notiert mit rund 102,35 Euro nur leicht über dem Vortag und bewegt sich damit nahe am 50-Tage-Durchschnitt von 101,99 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt sie dennoch gut 11 % im Plus.
Auffällig ist der technische Rahmen:
- Abstand zum 52‑Wochen-Hoch bei 109,95 Euro: rund –7 %
- Abstand zum 52‑Wochen-Tief bei 83,16 Euro: gut +23 %
- RSI (14 Tage) bei 27,8 signalisiert ein bereits deutlich abgekühltes Momentum
Der aktuelle Kurs wirkt damit eher wie eine technische Stabilisierung im oberen Drittel der jüngsten Handelsspanne, nicht wie der Startschuss für einen neuen Aufwärtstrend. Unterstützend wirken die soliden Europa-Zahlen und der Eindruck, dass der Free Cash Flow dadurch weiterhin abgesichert bleibt.
Fazit: Europa trägt, China entscheidet
Unterm Strich bleibt die Lage zweigeteilt: Europa liefert ordentliche Zuwächse und stabilisiert das Gesamtbild, doch die Entwicklung in China ist inzwischen ein strukturelles Problem, kein kurzfristiger Ausrutscher.
Für eine nachhaltige Neubewertung der Volkswagen Aktie wird entscheidend sein, ob es dem Konzern gelingt, im chinesischen NEV-Markt mit wettbewerbsfähigen Modellen und Preisen wieder Tritt zu fassen. Solange der Marktanteil dort schrumpft und lokale Anbieter wie BYD und Geely die Richtung vorgeben, dürfte der Spielraum nach oben trotz scheinbar günstiger Bewertung begrenzt bleiben.
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