Der Iran-Krieg geht in seine fünfte Woche. Die Rohstoffmärkte reagieren darauf so widersprüchlich wie selten zuvor: Brent Crude und WTI stellen historische Monatsrekorde auf, während Gold den schlimmsten März seit der Finanzkrise 2008 erlebt. Silber verliert fast ein Viertel seines Werts in vier Wochen. Und Uran? Das rückt durch eine mögliche US-Bodenoffensive in den Brennpunkt nuklearer Geopolitik.

Am 7. April läuft Trumps Ultimatum an Teheran ab. Bis dahin bleibt die Straße von Hormuz — Nadelöhr für rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports — faktisch blockiert. Dieser eine Faktor treibt sämtliche fünf Rohstoffe, nur eben in entgegengesetzte Richtungen.

Der Zinskanal als unsichtbarer Spaltkeil

Die Mechanik hinter der Divergenz lässt sich auf einen Nenner bringen: explodierende Energiekosten heizen die Inflation an, Zinssenkungen der Fed sind praktisch vom Tisch. Händler preisen inzwischen sogar eine mögliche Zinserhöhung ein — eine dramatische Kehrtwende gegenüber den noch Anfang des Jahres erwarteten zwei Senkungen.

Für Öl bedeutet das: steigende Nachfrage bei physischer Knappheit. Für Gold und Silber ist es Gift. Beide werfen keine laufenden Erträge ab und verlieren im Hochzinsumfeld an Attraktivität gegenüber dem erstarkenden US-Dollar. Die Sektordynamik im Überblick:

  • Brent Crude: +55 % im März, stärkster Monat seit Kontrakteinführung 1988
  • WTI: +53 %, erstmals seit Juli 2022 wieder über 100 Dollar
  • Gold: −13 % im März, schlechtester Monat seit Oktober 2008
  • Silber: −24 % im Monat, fast 30 % unter dem Allzeithoch vom Januar
  • Uran: Seitwärtsbewegung bei 84 USD/Pfund, politisch aufgeladen durch geplanten Bodeneinsatz

Gold: 13 Prozent Monatsverlust trotz Kriegseskalation

Ausgerechnet der klassische Krisenschutz versagt in dieser Krise. Gold notiert bei rund 4.489 USD pro Feinunze — ein Rückgang von über 13 Prozent im März. Vom Rekordhoch bei 5.594,82 USD Ende Januar ist das Edelmetall damit weit entfernt.

Die Gründe liegen weniger in fehlender Nachfrage als in einem toxischen Cocktail: steigende US-Anleiherenditen, ein fester Dollar und erzwungene Verkäufe von Investoren, die Verluste in anderen Anlageklassen ausgleichen müssen. Börsengehandelte Gold-ETFs verzeichnen Abflüsse.

Goldman Sachs hält dennoch an einem Jahresziel von 5.400 USD fest. Die Begründung: Zentralbanken weltweit diversifizieren weiterhin in Gold, und eine spätere geldpolitische Lockerung der Fed sei nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Auf Quartalssicht liegt das Edelmetall trotz des Monatsdebakels noch rund 5 Prozent im Plus. Seit dem Viermonatstief bei 4.099 USD am 23. März hat sich der Preis um etwa 12 Prozent erholt — getrieben von zaghaftem Optimismus über mögliche Verhandlungen zur Beendigung des Konflikts.

Silber: Vom Allzeithoch in den Crashmodus

Silber trifft es noch härter. Das Edelmetall notiert bei rund 70,50 USD pro Unze, nachdem es am 29. März auf 67,81 USD gefallen war — ein Tagesverlust von 2,55 Prozent. Im Monatsvergleich steht ein Minus von 24 Prozent.

Die Fallhöhe war enorm. Im Januar 2026 hatte Silber ein historisches Allzeithoch bei 121,64 USD erreicht. Ende Januar platzte die Blase, und der Preis halbierte sich praktisch. Das Gold-Silber-Ratio kletterte von einem Tief bei 43 zurück auf rund 66 — ein Zeichen dafür, dass Silber überproportional unter Druck steht.

Die Doppelrolle als Edel- und Industriemetall verstärkt die Verluste. Auf der Edelmetallseite drückt der Zinsdruck, auf der Industrieseite wachsen die Sorgen über eine konjunkturelle Abkühlung durch die Energiepreisexplosion. Ein Lichtblick bleibt das strukturelle Angebotsdefizit: Der Silbermarkt steht vor seinem fünften Defizitjahr in Folge, mit einem kumulierten Fehlbetrag von 820 Millionen Unzen seit 2021. Dieser physische Engpass dürfte die Abwärtsbewegung mittelfristig begrenzen.

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Brent Crude: Rekordmonat übertrifft den ersten Golfkrieg

Brent Crude schreibt Geschichte. Mit einem Monatsplus von rund 55 Prozent übertrifft der März 2026 den bisherigen Rekord von 46 Prozent aus dem September 1990 — dem Beginn des ersten Golfkriegs. Der Mai-Kontrakt notiert bei 112,78 USD pro Barrel, intraday wurden 115,55 USD erreicht.

Der Haupttreiber ist klar: die faktische Schließung der Straße von Hormuz durch den Iran. Seit Kriegsbeginn hat sich Brent um fast 60 Prozent verteuert. Die Freigabe strategischer Reserven — 400 Millionen Barrel durch die IEA, weitere 182 Millionen Barrel durch die USA — konnte den Preisanstieg bisher nur dämpfen, nicht stoppen.

Michael Haigh von der Société Générale warnt, dass zusätzliche Störungen an der Bab-el-Mandeb-Straße die Preise noch weiter treiben könnten. Goldman Sachs hat seine Ölpreisprognose angehoben: Durchschnitt 2026 jetzt 85 USD pro Barrel (+7 USD), Durchschnitt 2027 bei 80 USD (+9 USD). Diese Zahlen liegen deutlich unter den aktuellen Spotpreisen — ein Hinweis darauf, dass die Analysten mit einer Normalisierung rechnen, sobald der Konflikt endet.

WTI: Erstmals seit 2022 dreistellig

Die US-Referenzsorte WTI vollzog den Sprung über die psychologisch wichtige 100-Dollar-Marke. Am Montag schloss der Mai-Kontrakt bei 102,88 USD — der erste Schlusskurs über 100 USD seit Juli 2022. Im Monatsvergleich steht ein Plus von 53 Prozent, der stärkste Monat seit Mai 2020.

Trumps Rhetorik verschärft die Lage zusätzlich. Der Präsident drohte mit Angriffen auf Irans Energieinfrastruktur — Kraftwerke, Ölfelder und die strategisch wichtige Insel Kharg — falls Teheran nicht bis zum 7. April einlenke und die Straße von Hormuz „sofort Open for Business" sei. Gleichzeitig deutete er an, ein Deal könnte nahe sein. Diese widersprüchlichen Signale halten die Volatilität hoch.

Der Spread zwischen WTI und Brent liegt aktuell bei etwa 4,90 Prozent — ein erhöhtes Niveau, das die unterschiedliche Betroffenheit der beiden Benchmarks durch die Hormuz-Blockade widerspiegelt. Im Jahresvergleich notiert Brent 37,69 USD höher als zum selben Zeitpunkt 2025.

Uran: Bodentruppen für 400 Kilogramm Spaltmaterial?

Uran bewegt sich bei rund 84 USD pro Pfund seitwärts — eingeklemmt zwischen dem 52-Wochen-Tief bei 64,40 USD und dem Hoch bei 101,55 USD. Die eigentliche Dynamik ist politisch.

Das Wall Street Journal berichtet, Trump erwäge den Einsatz von Bodentruppen, um rund 400 Kilogramm hochangereichertes Uran aus unterirdischen Anlagen in Isfahan und Natans zu bergen. Das Material hat einen Reinheitsgrad von 60 Prozent — für Atomwaffen wären über 90 Prozent nötig. IAEA-Chef Rafael Grossi schätzt, dass sich das Uran hauptsächlich in tiefen Tunnelsystemen befindet. Eine Entscheidung Trumps steht noch aus, die Risikoanalyse für die eingesetzten Soldaten läuft.

Ein solcher Einsatz wäre beispiellos und würde die globale Wahrnehmung der Uranversorgungssicherheit grundlegend verändern. Unabhängig davon stützt die strukturelle Nachfrage den Markt: US-Technologiekonzerne unterzeichnen Verträge für kleine modulare Reaktoren, um ihre energiehungrigen Rechenzentren zu versorgen. Die USA haben zudem Genehmigungsverfahren für Uranumwandler und -anreicherer gelockert. Preisziele von über 100 USD pro Pfund kursieren, gelten aber nicht als gesicherte Konsensprognose.

Rohstoffmarkt im Ausnahmezustand — der 7. April als Wendepunkt

Alle Augen richten sich auf den Ablauf des Trump-Ultimatums am 7. April um 2.00 Uhr nachts deutscher Zeit. Die Szenarien für die einzelnen Rohstoffe sind dabei spiegelverkehrt.

Wird die Straße von Hormuz wieder passierbar, dürften Öl und Gas scharf korrigieren. Für Gold und Silber wäre eine Deeskalation hingegen ein Befreiungsschlag: sinkende Inflationserwartungen, wieder eingepreiste Zinssenkungen und eine Abschwächung des Dollars könnten die Edelmetalle stützen. Uran bliebe in jedem Fall politisch aufgeladen — ein Bodeneinsatz zur Bergung von Spaltmaterial hätte Konsequenzen weit über den Rohstoffmarkt hinaus.

Der März 2026 endet als einer der extremsten Monate in der Rohstoffgeschichte. Rekorde bei Öl, Crashszenarien bei Edelmetallen, nukleare Eskalationsrisiken bei Uran. Die kommende Woche wird zeigen, ob sich die Spaltung fortsetzt oder eine diplomatische Lösung alle fünf Rohstoffe gleichzeitig in Bewegung versetzt — nur eben in jeweils umgekehrter Richtung.

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