Trumps 15-Prozent-Konter und das Pulverfass am Golf
Liebe Leserinnen und Leser,
15 Prozent. 25.261 Punkte. 13 auf dem Angst-Index. Drei Zahlen, die das absurde Theater dieses Wochenendes auf den Punkt bringen. Während wir an diesem Sonntagmittag auf eine Woche zurückblicken, die als juristischer Triumph des Freihandels in die Geschichte eingehen sollte, dreht sich das Rad der Eskalation bereits weiter.
Die Finanzmärkte leiden derzeit an einer gefährlichen Form der selektiven Wahrnehmung. Man klammert sich an charttechnische Meilensteine, während sich am geopolitischen Horizont gleich mehrere Stürme zusammenbrauen.
Die 24-Stunden-Illusion: Vom Gerichtssaal auf Truth Social
Erinnern Sie sich an meine Zeilen von gestern? Ich schrieb, der Supreme Court habe Trumps Zollpolitik für verfassungswidrig erklärt – ein institutioneller Erdstoß. Der DAX honorierte diese vermeintliche Rückkehr zur Normalität, sprang über die magische Marke und schloss bei 25.261 Punkten.
Doch die Freude währte exakt bis zum Wochenende. Wer glaubte, die US-Administration würde eine juristische Niederlage klaglos hinnehmen, wurde am Samstag eines Besseren belehrt. Per Exekutiverlass – diesmal gestützt auf Section 122 des Handelsgesetzes – kündigte Trump zunächst 10 Prozent und wenig später via Social Media satte 15 Prozent globale Übergangszölle an. Gültig ab kommendem Dienstag.
Die Folgen dieses handelspolitischen Ping-Pongs zeigen sich bereits: Indische Handelsunterhändler haben ihre für morgen geplante Reise nach Washington kurzerhand abgesagt. Man müsse zunächst das „rechtliche und kommerzielle Chaos" bewerten. Eine diplomatische Ohrfeige, die eines verdeutlicht: Die Unsicherheit selbst ist das Gift für die Weltwirtschaft. Die Frage der Rückerstattung der bereits unrechtmäßig kassierten Milliarden – Schätzungen gehen von bis zu 130 Milliarden Dollar aus – dürfte die US-Gerichte noch Jahre beschäftigen.
Pulverfass Persischer Golf: Der unterschätzte Funke
Während Börsianer noch die Zoll-Mathematik studieren, bereitet sich der Nahe Osten auf das Schlimmste vor. In Teheran hamstern die Menschen Lebensmittel und dichten ihre Fenster ab. Eine massive US-Militärpräsenz und die offene Drohung Trumps, einen Militärschlag zu führen, treiben die Eskalationsspirale.
Die Rhetorik hat einen neuen Siedepunkt erreicht. Alireza Tangsiri, Chef der iranischen Revolutionsgarden, droht unverhohlen mit der Blockade der Straße von Hormus. Gleichzeitig erklärte Teheran die Marine- und Luftstreitkräfte aller EU-Staaten zu „Terrororganisationen" – eine direkte Vergeltung für das Verbot der iranischen Schifffahrtslinie IRISL in europäischen Häfen.
Ein ehemaliger CIA-Offizier goss am Wochenende weiter Öl ins Feuer und behauptete, eine US-Entscheidung für einen Angriff am Montag oder Dienstag sei bereits gefallen. Ob Tatsache oder psychologische Kriegsführung, sei dahingestellt. Der Ölpreis (Brent) kletterte bereits am Freitag um 3 Prozent auf über 69 Dollar – getrieben auch von gescheiterten Friedensgesprächen zwischen Russland und der Ukraine.
Apropos Ukraine: Ein tödlicher Terroranschlag in Lwiw und massive russische Drohnenangriffe auf die Energieinfrastruktur unterstreichen die anhaltende Fragilität an Europas Ostflanke. Rheinmetall (+5,1 Prozent) und Renk (+4,8 Prozent) waren nicht umsonst die Top-Performer im DAX am Freitag. Der Markt preist den Frieden aus.
Während die klassischen Rüstungskonzerne wie Rheinmetall bereits stark gelaufen sind, habe ich eine umfassende Analyse zur nächsten Generation der Verteidigungstechnologie durchgeführt. Experte Carsten Müller zeigt in seinem kostenlosen Webinar „Bytes statt Bomben", wie die NATO-Ostflanke mit vollautomatisierten Drohnenabwehrsystemen und KI-gestützter Sensorik gesichert wird – und welche 4 spezialisierten Tech-Unternehmen diese Revolution anführen. Müller analysiert detailliert, warum diese New-Defence-Champions mit Software-Margen statt klassischer Hardware-Produktion ein Gewinnpotenzial von bis zu 934 Prozent bieten könnten. Sie lernen konkret, welche Firmen die digitale Schutzmauer an der Grenze bauen und warum staatliche Milliardenprogramme diese Unternehmen zu den Gewinnern des Verteidigungsbooms 2.0 machen. Das Webinar zeigt Ihnen die Namen, WKN und Einstiegschancen dieser 4 Spezialisten, die von den meisten Bankberatern noch gar nicht erfasst wurden. Kostenlose Analyse zur New-Defence-Revolution
Krypto: Der Realitätsschock
Gestern sprach ich an dieser Stelle noch von „extremer Angst" im Krypto-Markt und der Umverteilung von zittrigen Händen zu kapitalstarken Adressen. Heute wissen wir: Die Angst war berechtigt.
Bitcoin ist auf rund 67.000 Dollar abgerutscht – ein Verlust von 50 Prozent gegenüber dem Allzeithoch im vergangenen Oktober. Mit einem Minus von 24 Prozent in den ersten 50 Tagen verzeichnet die Leitwährung den schlechtesten Jahresstart ihrer Geschichte.
Der „Crypto Fear & Greed Index" notiert bei 13 und fiel zeitweise sogar auf einstellige Werte – das niedrigste Niveau seit dem Marktcrash 2019. Der 14-Tage-RSI rutschte unter 30, ein Signal extremer Überverkauftheit, das historisch oft monatelange Konsolidierungsphasen einläutete. Die Lektion: Hochspekulative Assets werden im Angesicht globaler Krisen und unklarer Zinsperspektiven als Erstes liquidiert.
Europas Antwort: Strenge Kassen, heikle Reise
Wie reagiert Europa auf diese tektonischen Verschiebungen? In Berlin regiert das Prinzip der fiskalischen Strenge. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil erteilte am Sonntag den Forderungen Emmanuel Macrons nach neuen gemeinsamen EU-Schulden eine unmissverständliche Absage. Man folge der harten Linie von Kanzler Friedrich Merz: Das vorhandene Geld müsse reichen.
Für Merz selbst beginnt morgen eine diplomatische Gratwanderung: Er reist nach Peking. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer warnte im Vorfeld bereits eindringlich vor wachsenden Risiken im China-Geschäft durch staatliche Eingriffe und ungleiche Wettbewerbsbedingungen. In einer Zeit, in der die USA sich mit 15-Prozent-Zöllen einigeln, muss die deutsche Exportnation dringend neue Balancen finden.
Was die neue Woche bringt
Die Börsen haben am Freitag eine Welt gefeiert, die am Samstag schon nicht mehr existierte. Wenn am morgigen Montag die asiatischen und europäischen Märkte die neuen 15-Prozent-Zölle und die akute Kriegsgefahr am Golf einpreisen müssen, wird sich zeigen, wie belastbar die 25.000-Punkte-Marke des DAX wirklich ist. Die technische Erholung, von der Analysten am Freitag noch sprachen, steht auf einem geopolitischen Fundament aus Treibsand.
Achten Sie am Dienstag auf die offiziell inkrafttretenden US-Zölle und die Töne, die Kanzler Merz aus Peking anschlägt. Und behalten Sie den Ölpreis im Auge – er ist derzeit der ehrlichste Seismograph für die Spannungen im Nahen Osten.
Ich wünsche Ihnen einen klaren Kopf für eine zweifellos turbulente Handelswoche und einen schönen Rest des Sonntags.
Herzlichst,
Ihr
Eduard Altmann








