Tesla liefert schwache Zahlen, die Börse reagiert trotzdem mit Kursgewinnen. Während das Kerngeschäft mit Elektroautos sichtbar an Dynamik verliert, setzen viele Anleger zunehmend auf Software, KI und Robotik als nächste Ertragsquelle. Die entscheidende Frage dahinter: Wie groß darf die Lücke im Autogeschäft werden, bevor die Zukunftsfantasie an ihre Grenzen stößt?

Schwache Auslieferungen, gebremste Wachstumsstory

Die jüngst veröffentlichten Auslieferungszahlen für das vierte Quartal zeichnen ein klares Bild: Im Kerngeschäft läuft es deutlich schlechter als von der Wall Street erwartet. Tesla lieferte im Schlussquartal 418.227 Fahrzeuge aus und blieb damit spürbar unter den rund 440.000 Einheiten, mit denen Analysten gerechnet hatten. Der Rückstand untermauert die Nachfrageprobleme bei einem inzwischen in die Jahre gekommenen Modellportfolio.

Auch der Blick auf das Gesamtjahr 2025 fällt ernüchternd aus. Tesla kam auf etwa 1,64 Millionen ausgelieferte Fahrzeuge und damit rund 9 % weniger als die 1,8 Millionen des Vorjahres. Die jahrelange Wachstumsstory über immer neue Auslieferungsrekorde ist damit vorerst zum Stillstand gekommen. Von dem früheren, fast explosionsartigen Expansionskurs ist Tesla im Hardwaregeschäft klar abgerückt.

Wichtige Kennzahlen im Überblick:

  • Q4-Auslieferungen: 418.227 Fahrzeuge (deutlich unter Konsens von ~440.000)
  • Gesamtjahr 2025: ca. 1,64 Mio. Fahrzeuge (rund 9 % weniger als 2024)
  • Marktposition: beim Volumen klar von BYD überholt

BYD zieht vorbei – symbolischer Machtwechsel

Besonders schmerzhaft für die Wahrnehmung der Marke: Beim weltweiten Absatz von reinen Elektroautos ist Tesla den Spitzenplatz los. Der chinesische Wettbewerber BYD meldete für 2025 rund 2,26 Millionen batterieelektrische Fahrzeuge und liegt damit klar vor Tesla.

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Dieser Wechsel an der Spitze ist mehr als eine Randnotiz. Er macht die verschärfte Konkurrenz im Elektroautomarkt sichtbar, vor allem außerhalb der USA. Während Tesla sein Modellprogramm im Kern seit Jahren nur behutsam verändert, drängen Wettbewerber mit günstigeren und moderner wirkenden Modellen in den Markt. Das Ende der Volumenführerschaft kratzt damit direkt an der jahrelang gepflegten Erzählung von Hyperwachstum und Dominanz im EV-Sektor.

Europa als Problemzone

Besonders schwierig gestaltet sich die Lage in Europa. In der EU und im Vereinigten Königreich ist Teslas Marktanteil nach aktuellen Daten auf nur noch 1,7 % geschrumpft. In wichtigen Ländern wie Frankreich sind die Neuzulassungen deutlich zurückgegangen. Kritiker verweisen dabei auf ein „abgestandenes“ Angebot rund um Model 3 und Model Y, das gegen neue europäische und chinesische Modelle an Attraktivität verloren habe.

Hinzu kommt eine mögliche Belastung der Marke durch die öffentliche Rolle von CEO Elon Musk. Analysten sehen dessen politische Positionierungen als Faktor, der einen Teil der europäischen Kundschaft abgeschreckt haben dürfte. In der Folge verzeichnete Tesla im Dezemberquartal einen Rückgang der Verkäufe um 16 % im Jahresvergleich – ein klarer Hinweis darauf, dass Image und Produktangebot in Europa unter Druck stehen.

Warum die Tesla-Aktie trotzdem steigt

Trotz dieser klar negativen Fundamentaldaten legt der Aktienkurs aktuell leicht zu. Am Donnerstag schloss die Tesla-Aktie bei 449,72 US‑Dollar, auf Wochensicht liegt sie zwar im Minus, auf Sicht von zwölf Monaten aber immer noch deutlich im Plus. Dass der Kurs unmittelbar nach den Auslieferungszahlen zulegt, deutet auf eine veränderte Perspektive der Anleger hin: Tesla wird an der Börse zunehmend weniger als reiner Autobauer gesehen.

Im Fokus stehen stattdessen vor allem drei Themen:

  • Erwartungen an den Start von „Full Self-Driving“ (FSD) in Europa, derzeit für Februar 2026 anvisiert
  • Fantasie rund um das humanoide Roboterprogramm
  • Eine „sell the rumor, buy the news“-Reaktion, da ein schwaches Jahr 2025 vielfach bereits eingepreist war

Damit rückt die Bewertung stärker auf künftig erwartete Software- und KI-Erlöse sowie Robotik-Anwendungen. Der Haken: Die rückläufigen Autoverkäufe belasten ausgerechnet jenen Bereich, der aktuell noch den Großteil des Cashflows liefert. Je stärker das klassische Autogeschäft schwächelt, desto mehr müssen FSD, KI-Anwendungen und Robotik in den kommenden Jahren tatsächlich an Ergebnissen liefern, um die aktuelle Bewertung zu rechtfertigen.

Fazit und Ausblick

Tesla steht an einem Wendepunkt: Die Zahlen zeigen klar nach unten, die Marktführerschaft ist weg, vor allem in Europa bröckelt die Stellung spürbar. Gleichzeitig halten sich die Kursverluste in Grenzen, weil ein wachsender Teil des Marktes die Aktie primär als KI- und Robotik-Story betrachtet. Entscheidend wird nun, ob Tesla die für 2026 anvisierten FSD-Pläne in Europa und die Robotikprojekte in absehbarer Zeit in konkrete, skalierbare Umsätze überführen kann – denn das schwächere Autogeschäft lässt immer weniger Raum für Enttäuschungen.

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