Tesla geht mit einem ungewöhnlichen Schritt ins neue Jahr: Erstmals veröffentlicht der Konzern eine eigene Übersicht zum Analysten-Konsens für die Auslieferungen – und bereitet den Markt damit offen auf rückläufige Stückzahlen vor. Parallel dazu sorgt ein gekappter Liefervertrag bei einem wichtigen Batteriezulieferer für Stirnrunzeln. Im Zentrum steht die Frage, wie lange die hohe Bewertung noch allein durch KI- und Robotikfantasie getragen werden kann.

Offenlegung der Prognosen: Zwei Jahre Schrumpfen

Kern der Nachricht ist die offizielle Konsenszahl für das vierte Quartal 2025, die Tesla auf der Investor-Relations-Seite publiziert hat. Demnach rechnen Analysten im Schnitt mit 422.850 Fahrzeugauslieferungen. Das entspricht einem Rückgang von rund 15 % gegenüber den 495.570 Fahrzeugen aus dem Schlussquartal 2024.

Noch wichtiger: Für das Gesamtjahr 2025 werden etwa 1,64 Millionen ausgelieferte Fahrzeuge erwartet – rund 8 % weniger als die 1,79 Millionen Einheiten im Vorjahr. Tesla stünde damit vor dem zweiten Jahr in Folge mit rückläufigem Volumen. Für einen Konzern, der sich jahrelang über aggressives Wachstum definiert hat, ist das ein klarer Bruch mit der bisherigen Erfolgsstory.

Beobachter werten die Veröffentlichung dieser konsensorientierten Zahlen als bewusstes „Freimachen der Bühne“: Tesla zieht die negative Botschaft zeitlich vor, um die Erwartungen zu glätten, bevor die offiziellen Produktions- und Auslieferungszahlen kommen. Das nimmt Überraschungspotenzial aus der Meldung, signalisiert aber zugleich, dass der Dämpfer ernst zu nehmen ist.

Lieferkette unter Druck: L&F-Vertrag eingedampft

Zusätzlichen Gegenwind bringt eine Entwicklung auf der Zuliefererseite. Der südkoreanische Batteriehersteller L&F meldete in einer Pflichtmitteilung, dass ein hochvolumiger Liefervertrag für Hoch-Nickel-Kathoden mit einem ursprünglich angesetzten Wert von 2,9 Milliarden US-Dollar auf einen rein nominalen Betrag reduziert wurde.

Diese deutliche Kürzung deutet auf niedrigere Produktionsziele für 2026 hin als bislang angenommen. Am Markt wird das als Indiz gewertet, dass Tesla seine Bedarfsplanung nach unten anpasst – mit entsprechenden Folgen für Planungssicherheit und Skalierungsvorteile. Die Meldung hatte bereits Anfang der Woche für einen Kursrutsch von rund 3,3 % gesorgt.

Damit verstärkt sich das Bild: Nicht nur die kurzfristigen Auslieferungen im Jahr 2025 schwächeln, auch die mittelfristige Produktionsperspektive steht unter Fragezeichen.

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Bewertung löst sich vom Autogeschäft

Parallel zu den schwächeren operativen Daten läuft eine andere Entwicklung: Die Börse betrachtet Tesla immer weniger als klassischen Autohersteller. Der Fokus vieler Investoren verschiebt sich hin zu KI-, Robotik- und Plattformthemen – etwa dem humanoiden Roboter Optimus und dem geplanten Robotaxi-Netzwerk Cybercab.

Vor diesem Hintergrund wirkt die aktuelle Kursregion hoch ambitioniert. Gestern schloss die Aktie bei 450,12 US-Dollar und liegt damit nur gut 7 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch, gleichzeitig aber weit über dem 200-Tage-Durchschnitt von rund 320 US-Dollar. Der 14-Tage-RSI von 73,7 signalisiert zudem einen überkauften Zustand nach einer starken 30-Tage-Rally.

Die Diskrepanz zwischen schrumpfendem Kerngeschäft und hoher Bewertung sorgt inzwischen auch bei prominenten Marktteilnehmern für klare Worte. Michael Burry, bekannt aus „The Big Short“, bezeichnete Tesla als „ridiculously overvalued“ angesichts der rückläufigen Autometriken. Zugleich betonte er aber, derzeit nicht gegen die Aktie zu wetten. Seine Begründung: Tesla sei ein „short’s graveyard“ – eine Aktie, an der bereits viele Leerverkäufer gescheitert sind, weil Narrative rund um KI und Zukunftstechnologien den Kurs immer wieder stützen.

Damit verschiebt sich der Bewertungsmaßstab: Früher war Volumenwachstum der zentrale Treiber, heute müssen Margen und neue Geschäftsbereiche das hohe Kursniveau rechtfertigen – trotz negativer Volumendynamik.

Brancheneffekte und Margendruck

Der Auslieferungsrückgang ist nicht losgelöst vom Marktumfeld zu sehen. In den USA lief im September 2025 ein wichtiger Bundessteuerbonus für Elektroautos aus. Viele Käufer haben ihre Anschaffungen deshalb in das dritte Quartal vorgezogen. Die Folge: Ein künstlicher Nachfrage-Peak im Spätsommer, gefolgt von einem spürbaren Dämpfer im Schlussquartal.

Für Tesla verschärft das den Druck auf die Profitabilität. Wenn Stückzahlen zurückgehen, geraten Skaleneffekte ins Wanken. Gleichzeitig erwartet der Markt weiterhin hohe Investitionen in KI-Infrastruktur, Robotik und neue Mobilitätsdienste. Das legt die Messlatte für die kommenden Quartalsberichte deutlich höher: Margen und Cashflows müssen zeigen, dass Tesla mehr ist als ein stagnierender Autohersteller mit teuren Zukunftsprojekten.

Ausblick: Nächster Test am Freitag

Der nächste konkrete Belastungstest steht unmittelbar bevor. Am Freitag, 2. Januar 2026, will Tesla vor Börsenbeginn die offiziellen Produktions- und Auslieferungszahlen für das vierte Quartal vorlegen. Entscheidend wird, ob die tatsächliche Auslieferungszahl die nun veröffentlichte Konsensmarke von 422.850 Fahrzeugen erreicht oder verfehlt.

Auf Jahressicht kalkuliert der Konsens für 2026 derzeit mit rund 1,75 Millionen Fahrzeugen – einem leichten Plus gegenüber 2025, aber klar unter den früher kommunizierten Wachstumsambitionen. Technische Marktbeobachter achten besonders auf die Zone um 450 US-Dollar. Bleibt die Aktie nach den Zahlen darüber, wäre der Weg in Richtung 500 US-Dollar charttechnisch offen; ein Bruch darunter könnte eine ausgeprägtere Korrektur einleiten und die Dominanz der KI- und Robotikstory an der Börse erstmals ernsthaft auf den Prüfstand stellen.

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