Tesla steht an einem spannenden Wendepunkt: Die Auslieferungen schrumpfen, der Elektroauto-Markt wird härter – gleichzeitig preist die Börse Milliardenfantasien rund um autonome Robotaxis und KI-Roboter ein. Während Konkurrent BYD im klassischen Autogeschäft vorbeizieht, hängt Teslas Bewertung fast vollständig an der Frage, ob der Sprung zur „KI-Mobilitätsplattform“ gelingt.

Schwächere Auslieferungen, BYD übernimmt Spitze

Der Kern der aktuellen Fundamentaldaten ist klar: Tesla liefert weniger Autos aus. Im vierten Quartal 2025 gingen die Auslieferungen auf 418.227 Fahrzeuge zurück, ein Minus von 16 % gegenüber dem Vorjahresquartal.

Auf Jahressicht 2025 kam Tesla auf 1,636 Millionen Fahrzeuge – ein Rückgang um 8,6 % im Vergleich zum Vorjahr. Damit verliert das Unternehmen offiziell den Titel als größter Hersteller von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV):
Der chinesische Wettbewerber BYD setzte im gleichen Zeitraum rund 2,26 Millionen reine E-Autos ab, ein Plus von 28 %.

Die unterschiedlichen Wachstumsraten zeigen den Bruch deutlich:

  • Tesla: -8,6 % jährlicher Volumenrückgang
  • BYD: +28 % jährliches Volumenwachstum

In wichtigen Märkten wie Europa geht Tesla zudem Marktanteil verloren. Dort sank der Anteil 2025 von 2,4 % auf 1,7 %. Das klassische Autogeschäft liefert also derzeit wenig Rückenwind – im Gegenteil, es setzt die Wachstumsstory unter Druck.

Nvidia, CES und der Kampf um Autonomie

Parallel verlagert sich der Fokus am Markt deutlich in Richtung autonomes Fahren und KI. Auf der CES 2026 in Las Vegas hat Nvidia seine Plattform „Alpamayo“ für autonomes Fahren vorgestellt. Die Ankündigung sorgte zu Wochenbeginn für spürbaren Druck auf den Tesla-Kurs, weil Anleger fürchteten, dass Autonomie-Lösungen zum Standardprodukt werden und Teslas Vorsprung schwinden könnte.

Elon Musk widersprach dieser Lesart deutlich. Seiner Einschätzung nach stellt Nvidias System für Teslas Full-Self-Driving-Software (FSD) „mindestens für 5 bis 6 Jahre“ keine echte Konkurrenz dar. Das Argument: Nvidia liefert Bausteine – Hardware und Modelle –, doch traditionelle Hersteller würden Jahre benötigen, um diese tief in ihre Fahrzeuge, Software und Flotten zu integrieren. Tesla sieht sich hier durch seine vertikale Integration im Vorteil.

Nvidia-Chef Jensen Huang beschreibt Alpamayo dagegen als „ChatGPT-Moment für physische KI“ und positioniert die Plattform als Enabler für Hersteller wie Mercedes-Benz, die ab Mitte 2026 fortgeschrittene autonome Funktionen ausrollen wollen. Der Wettbewerb um die technologische Führungsrolle im autonomen Fahren ist damit klar eröffnet – und genau auf dieses Spielfeld setzt die Börse Tesla derzeit.

Analysten tief gespalten

Wie stark die Meinungen auseinandergehen, zeigt der Blick auf die Analystenlandschaft. Die Einschätzungen zu Tesla verteilen sich derzeit auf 40 % Kauf-, 36 % Halte- und 24 % Verkaufsempfehlungen – eine ungewöhnlich breite Spanne.

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Die aktuellen Kursziele machen diese Divergenz greifbar:

  • Bullisches Lager:
    Pierre Ferragu (New Street Research) hat sein Kursziel von 520 auf 600 US-Dollar angehoben. Er begründet das mit einem angenommenen „Vorsprung von zwölf Jahren“ bei autonomen Technologien gegenüber der Konkurrenz.
    Dan Ives (Wedbush) geht noch weiter und sieht eine mögliche Bewertung von 3 Billionen US-Dollar im Jahr 2026 – allerdings unter der klaren Bedingung, dass der geplante Robotaxi-Dienst „Cybercab“ erfolgreich ausgerollt wird.

  • Bärisches Lager:
    Gordon Johnson (GLJ Research) hat sein Kursziel zwar leicht auf 25,28 US-Dollar erhöht, hält aber am Verkaufsvotum fest. Dieses Ziel impliziert einen Kursrückgang von rund 95 % gegenüber dem aktuellen Niveau und stützt sich vor allem auf die rückläufigen Auslieferungen und die hohen Bewertungsaufschläge im Vergleich zum schrumpfenden Kerngeschäft.

Für Anleger bedeutet das: Die Bewertung hängt extrem von der Einschätzung ab, wie realistisch und wie schnell Tesla seine KI- und Robotaxi-Pläne umsetzen kann.

Politischer Rückenwind für Robotaxis

Während das Autogeschäft schwächelt, entsteht auf der regulatorischen Seite ein potenzieller Katalysator für Teslas Robotaxi-Story. In Washington befasst sich der Energy and Commerce Subcommittee des US-Repräsentantenhauses derzeit mit Vorschlägen, die Obergrenzen für Ausnahmen beim Einsatz autonomer Fahrzeuge deutlich anzuheben.

Konkret soll die Anzahl der pro Hersteller und Jahr zulässigen Fahrzeuge ohne traditionelle Bedienelemente wie Lenkrad oder Pedale von 2.500 auf 90.000 steigen. Für Tesla wäre das entscheidend: Der Start des „Cybercab“ ist für April oder Mai 2026 geplant. Eine derart hohe Grenze würde die zügige Skalierung einer kommerziellen Robotaxi-Flotte überhaupt erst ermöglichen – und damit einen Kern der hohen Zukunftsbewertung untermauern.

Ohne diese regulatorische Öffnung wäre der Weg zu großen Stückzahlen deutlich länger und die ambitionierten Annahmen in vielen optimistischen Szenarien schwerer zu rechtfertigen.

Bewertung, Technik und Risikopuffer

Bewertungsseitig bewegt sich Tesla weit weg von klassischen Autoherstellern. Die Aktie wird aktuell zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 289 gehandelt. Diese Zahl zeigt, wie stark sich der Markt von den momentanen Automobilgewinnen löst und stattdessen auf künftige Erlöse aus KI-Robotik und autonomer Software setzt.

Charttechnisch hat sich der Kurs zuletzt über der Marke von 400 US-Dollar stabilisiert. Gestern schloss die Aktie bei 431,41 US-Dollar und liegt damit klar über ihrem 200-Tage-Durchschnitt, während der 14-Tage-RSI mit 73,7 auf ein bereits überkauftes Niveau hinweist. Trotz des Rückgangs von gut 4 % in den vergangenen sieben Tagen notiert Tesla noch deutlich über dem Niveau vor drei Monaten.

Die Kehrseite dieser hohen Bewertung: Der Spielraum für Enttäuschungen in 2026 ist sehr gering. Fallen die Auslieferungen weiter, verzögern sich der Start des Cybercab oder der Fortschritt bei der Robotik-Plattform „Optimus“, könnten die aktuell eingepreisten Erwartungen schnell hinterfragt werden. Umgekehrt würden klare Fortschritte bei Robotaxis und KI-Anwendungen die derzeitige Prämie zumindest teilweise rechtfertigen.

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