Der einstige Überflieger der Elektromobilität erlebt auf dem europäischen Kontinent eine unerwartete und heftige Ernüchterung. Wo Tesla vor kurzem noch von einem Rekordquartal zum nächsten eilte, dominieren nun Berichte über massive Absatzeinbrüche das Bild. Die Neuzulassungen sind in den wichtigen Kernmärkten empfindlich zurückgegangen, was die Frage aufwirft, ob der Glanz der Marke Musk dauerhaft verblasst.

Der deutsche Markt als Sorgenkind

Besonders deutlich wird die Krise in Deutschland. Seit dem abrupten Ende der staatlichen Umweltprämie kämpft das Unternehmen mit einem deutlichen Käuferschwund. Ohne die finanziellen Anreize scheint die Strahlkraft des Logos allein nicht mehr auszureichen, um Privatkäufer in die Showrooms zu locken. Der Markt zeigt sich hier gnadenlos: Sobald der Preisvorteil schwindet, schauen sich die Kunden wieder vermehrt bei der Konkurrenz um.

Veraltete Flotte trifft auf frischen Gegenwind

Ein wesentliches Problem ist die Modellpalette. Das Model Y und das Model 3 sind zwar solide Fahrzeuge, wirken aber im Vergleich zu den rasanten Innovationszyklen der Konkurrenz fast schon wie alte Bekannte. Während europäische Premiumhersteller bei der Software aufholen und chinesische Giganten wie BYD mit einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis in den Markt drängen, fehlt bei Tesla aktuell das „Next Big Thing“. Die Strategie der permanenten Preissenkungen hat zudem das Vertrauen der Bestandskunden beschädigt und die Restwerte ruiniert.

Zwischen Robotaxi-Träumen und Verkaufsrealität

Elon Musk scheint seinen Fokus derweil immer stärker auf die Bereiche Künstliche Intelligenz und autonomes Fahren zu verlagern. Doch während Visionen von Robotaxis die Anleger bei Laune halten sollen, bröckelt das Fundament des operativen Autogeschäfts in Europa. Die Herausforderung für die kommenden Monate ist gewaltig: Tesla muss beweisen, dass es nicht nur ein Technologie-Unternehmen ist, sondern auch ein Autobauer, der in einem gesättigten und hart umkämpften Markt bestehen kann.